Das "MEGA Clever" - Wissensbuch

Die wissenschaftlichen Erläuterungen der MEGA Experimente aus Sendung 1

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ACHTUNG! EXPERIMENT AUF KEINEN FALL NACHMACHEN. EXPLOSIONSGEFAHR!

7. Explodierende Toiletten

Frage: Welche haushaltsüblichen Substanzen in der Toilette können die Schüssel zur Explosion bringen, wenn man auf dem stillen Örtchen raucht?

Kurzerläuterung: Es kann sehr gefährlich werden, wenn man Wasserstoffperoxid (Haarbleichmittel) und Aceton (Nagellackentferner) in die Toilette gibt.

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Wissenschaftliche Erläuterung

2004 erlitt ein Mann in den USA schwere Verbrennungen auf einer mobilen Toilette, weil es eine Explosion gab, als er sich auf dem stillen Örtchen eine Zigarette anzünden wollte. Eine Baumaschine hatte in der Nähe eine Methanpipeline beschädigt. Der Mann verklagte die Betreiberfirma der Baustelle auf 10 Millionen Dollar Schadensersatz, weil in dem Klohäuschen kein Schild angebracht war, das das Rauchen ausdrücklich untersagte.

Während es sich hierbei wohl um einen realen Fall von Toilettenexplosion handelt, gibt es schon seit längerem einen urbanen Mythos, der in regelmäßigen Abständen immer wieder in den Medien auftaucht. Dabei wirft jemand eine Zigarette in eine Toiletteschüssel, in der sich irgendwelche Kosmetika, Tabletten oder Reinigungsmittel befinden, die dann explosiv reagieren. Die Wurzeln dieser urbanen Legende sind vermutlich im ländlichen Amerika zu suchen, sie findet sich zum ersten Mal offiziell in dem Gedicht „The Three Bares“ von Robert William Service von 1949.

Bei MEGA clever! wurden drei Mischungen getestet, die alle das das Blondiermittel Wasserstoffperoxid enthielten. Zusätzlich wurde in die erste Toilette Nagellack, in die zweite Jodtabletten und in die dritte Nagellackentferner gefüllt.

Der erste Versuch mit Nagellack erzeugt keine Explosion: Nagellack brennt beim Anzünden. Er besteht zum Großteil aus Nitrocellulose (Schießbaumwolle), Lösungsmitteln und Pigmenten. Die flüchtigen Lösungsmittel verdunsten, der Rest erstarrt als Belag auf dem Nagel. Zündet man die Mischung mit der Zigarette, kommt es allerdings zu einer Stichflamme, da die Nitrocellulose und die Lösungsmitteldämpfe leicht brennbar sind.

Gelöstes Natriumjodid (kommt in Jodtabletten oder Jodsalz vor) und Wasserstoffperoxid rufen eine schlagartige Schaumbildung hervor. Das Natriumjodid dient als Katalysator für die Zersetzung des Peroxids. Die entstehenden Gase blähen den Schaum schnell riesenhaft auf. Eine Explosion findet dabei nicht statt.

Doch letztlich konnte Wigald Boning die Toilette doch noch zur Explosion bringen. Eine Mischung aus acetonhaltigem Nagellackentferner und dem Bleichmittel Wasserstoffperoxid erzeugen unter den richtigen Bedingungen einen Sprengstoff, der bei Entzündung durch eine Zigarette die Toilette in alle vier Himmelsrichtungen verteilt.

Bei diesem Experiment entsteht aus Aceton und Wasserstoffperoxid unter Zugabe eines Katalysators so genanntes Acetonperoxid, das hochexplosiv und sehr gefährlich ist. Acetonperoxid ist einer der schlagempfindlichsten Stoffe überhaupt und deutlich empfindlicher als z.B. Nitroglycerin.

Es wurde Ende des 19. Jahrhunderts zufällig entdeckt und bald als Sprengstoff zum Patent angemeldet. Der angeblich sichere und stabile Sprengstoff entpuppte sich allerdings schnell als extrem schlagempfindlich, flüchtig und instabil. Die Gefährlichkeit verhinderte letztlich die praktische Nutzung.

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