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Das "MEGA Clever" - Wissensbuch
Die wissenschaftlichen Erläuterungen der MEGA Experimente aus Sendung 3
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2. Tiere in Deutschland
Frage: Gibt es in Deutschland exotische Tiere wie Kängurus oder Flamingos, die in freier Wildbahn leben?
Kurzerläuterung: Es ist kaum zu glauben, aber wahr. Neben Bennett-Känguru und Chile-Flamingo gelten u.a. auch Waschbären, Nandus, Wollhandkrabben, Halsbandsittiche und Marderhunde als heimisch.
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Wissenschaftliche Erläuterung
Fachleute bezeichnen diese Tiere als so genannte Neozoen. Der Begriff Neozoen kommt aus dem Griechischen und hat die Bedeutung Neutier. Als Neozoen bezeichnet man Tierarten, die beabsichtigt oder unabsichtlich unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen in ein ihnen zuvor nicht zugängliches Faunengebiet gelangt sind und dort neue Populationen aufgebaut haben.
Alleine die oben aufgeführten Beispiele zeigen, dass Deutschland inzwischen auch für Tiere ein beliebtes Einwanderungsland geworden ist. So gibt es in Deutschland mittlerweile um die 1400 Arten, die nicht ursprünglich in Europa beheimatet sind. Geflüchtet aus Zoos und Zuchtstationen, verschleppt durch Handel und Verkehr oder auch einfach nur ausgesetzt, haben viele dieser exotischen Eindringlinge bereits stabile und umfangreiche Freilandpopulationen aufgebaut.
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Waschbär: So beispielsweise auch der Waschbär. Als ein Vertreter der Familie der Kleinbären kommt der Waschbär ursprünglich aus Nordamerika, wo er hauptsächlich die Laub- und Mischwälder besiedelt. Doch seit gut 70 Jahren lebt dieser Bär nun auch bei uns. Seine Verbreitung in Europa begann bereits 1934. Weil Waschbären ein schönes Fell haben, wollte man diese Tiere damals auch in Deutschland haben. Daraufhin wurden zwei Waschbären-Pärchen am Edersee in der Nähe von Kassel ausgesetzt. Allerdings unter der Bedingung, dass die Tiere beobachtet werden sollten. Was man nicht bedacht hatte, ist die Tatsache, dass die Waschbären sich sehr schnell vermehrt haben. Inzwischen findet man sie vor allem in deutschen Städten. Dabei macht ihnen die Nähe zum Menschen nichts aus ganz im Gegenteil. Denn dort finden sie alles, was sie brauchen. Etwas zu essen gibt's aus Mülleimern oder vom Komposthaufen, auch ganze Obstbäume haben Waschbären schon "abgeerntet". Unterschlupf finden sie in Häusern und Schuppen oder auch in der Kanalisation. Übrigens: Kassel gilt heute als heimliche Waschbärenhauptstadt Europas. Hier leben auf jedem Quadratkilometer knapp 50 erwachsene Waschbären. Im gesamten Nordwesten von Kassel müssten dementsprechend etwa 1000 Tiere leben.
Nandu: Auch Nandus gibt es mittlerweile in Deutschland frei. Die straußenähnlichen Tiere, die eigentlich zu den charakteristischen Großtieren Südamerikas gehören, zählen zu den jüngsten Einwanderern Deutschlands. Im Jahr 2000 entkamen einem Züchter in Schleswig Holstein sechs Exemplare. Diese flüchteten über das Wakenitztal (früheres Sperr- und heutiges Naturschutzgebiet zwischen Lübeck und Nordwestmecklenburg) und vermehrten sich in Mecklenburg-Vorpommern. Offensichtlich haben sie dort optimale Bedingungen vorgefunden, denn mittlerweile hat sich ihr Verbreitungsgebiet auf knapp 50 km2 erweitert. Schätzungen zufolge leben dort etwa 80 Exemplare. Die Erfassung der frei lebenden Tiere ist nicht ganz einfach, da es nicht leicht ist, Nandus zu entdecken. Übrigens: der Ruf des Nandus ähnelt eher dem Brüllen einer Raubkatze als dem Laut eines Vogels. Und genau dieser Ruf gab dem Tier auch seinen Namen. Er klingt nämlich wie nan-du.
Chileflamingos: Wer Chileflamingos in freier Natur erleben will, muss keineswegs nach Südamerika reisen. Ein Ausflug ins Zwillbrocker Venn, ein Naturschutzgebiet ca. 80 km westlich von Münster, genügt, um Flamingos in freier Wildbahn zu beobachten. Die ersten Tiere kamen dort in den 80er Jahren an. Man nimmt an, dass sie vom Menschen einfach ausgesetzt wurden. Inzwischen leben im Zwillbrocker Venn etwa 50 Flamingos. Neben den berühmten Chileflamingos findet man dort auch Europäische Flamingos und einen Kubanischen Flamingo, der sich mittlerweile mit einem Europäischen Flamingo paart. Das Überleben in Deutschland ist für die Flamingos kein Problem, da sie beispielsweise die in Deutschland vorherrschenden niederen Temperaturen aus ihrer Heimat gewohnt sind. Auch der Kubanische Flamingo hat sich inzwischen an die teilweise sehr kalten Winter in Deutschland gewöhnt. Was die Nahrung betrifft, so finden sie im Zwillbrocker Venn alles, was sie brauchen. Der See im Zwillbrocker Venn ist durch den Kot der Möwen sehr nährstoffreich, was zu einem starken Wachstum von Kleinstlebewesen im Wasser führt, die wiederum die primäre Nahrungsquelle der Flamingos sind.
Halsbandsittich: Auch bunte Papageien sind längst in einigen deutschen Großstädten zuhause. So zum Beispiel die aus Afrika und Asien stammenden Halsbandsittiche, die sich mit Vorliebe laut krakeelend gemeinsame Schlafbäume in den Städten suchen. Die genaue Abschätzung der Bestandsgröße ist nicht ganz einfach. Man geht aber davon aus, dass in Deutschland inzwischen mehr als 5000 Halsbandsittiche leben. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Nachkommen von ehemaligen Wohnzimmer-Ausreißern. Der Schwerpunkt ihrer Verbreitung liegt derzeit am Rhein zwischen Worms und Düsseldorf.
Bennett-Känguru: Auch das ursprünglich aus Australien und Tasmanien stammende Bennett-Känguru zählt bei uns in Deutschland zu den Neozoen, da sie längere Zeit wild in der Natur überleben konnten. Die neben dem Roten Riesenkänguru zu den bekanntesten Beuteltieren zählenden Bennetts gehören zu den mittelgroßen Kängurus, den Wallabies. Die ersten Einbürgerungsversuche dieser Kängurus in Deutschland erfolgten zwischen 1887 und 1920. Damals vermehrten sich in der Nähe von Bonn beispielsweise die fünf Kängurus, die 1887 ausgesetzt wurden, bis 1893 auf ca. 40 Exemplare. Auf der Rheininsel Kühkopf in Hessen lebte eine große Gruppe bis 1945. Auch in Schlesien pflanzten sich die Kängurus fort. Doch leider besiegelten in allen Fällen Wilderer das Schicksal der Kängurus. Allgemein lässt sich sagen, dass Bennett-Kängurus sehr unempfindlich sind. Daher haben sich auch kein Problem bei unseren klimatischen Bedingungen zu überleben. Was ihre Ernährung betrifft, so besteht diese hauptsächlich aus Gras. Wie viele Bennett-Kängurus es zurzeit in deutschen Wäldern gibt, ist unklar. Es werden zwar immer wieder vereinzelt welche gesichtet, genaue Zahlen gibt es jedoch nicht. Nichtsdestotrotz gehören auch diese Tiere zu Neozoen in Deutschland, da sie es geschafft haben, längere Zeit in freier Wildbahn in Deutschland zu überleben.
Marderhund: Dieser Wildhund ist in etwa so groß wie ein Fuchs und sieht dem Waschbären äußerst ähnlich, ist aber nicht mit ihm verwandt. Der Marderhund kommt ursprünglich aus Ostasien, genauer gesagt aus Ostsibirien, der Mandschurei, Nordchina und Japan. 1928 wurde er im westlichen Teil der ehemaligen UdSSR als Pelztier angesiedelt. Seit 1955 wird diese Art auch in Deutschland registriert. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt im Nordosten. Da der Marderhund nicht gezielt bejagt wird, lassen die über 900 Tiere, die 1997 in Mecklenburg-Vorpommern geschossen wurden, die wirkliche Größe des Bestandes nur erahnen. Was seine Nahrung betrifft, so ist der Marderhund ein Allesfresser, der sich von Nagetieren, Fischen, Vögeln, Insekten, Früchten und verschiedenen Pflanzen ernährt.
Wollhandkrabbe: Die Wollhandkrabbe wurde um 1910 mit Ballastwasser aus China nach Europa eingeschleppt. Sie lebt in Europa wie in China in großen Flüssen - so in Elbe, Weser, Ems, Rhein und Themse. Jährlich finden Massenwanderungen statt. Die Krabben wandern bis in die Flussmündungen, um dort zu laichen. Danach kehren sie in die Flüsse zurück. Bei ihren Wanderungen erreichen die Tiere auch die Potsdamer und Berliner Gewässer. Tausende Krabben geraten dabei in die Reusen der Fischer. Sie beschädigen die Fanggeräte und vernichten die gefangenen Fische. Bis 1940 versuchte man der Invasion mit speziellen Krabbenwehren zu begegnen. Heute werden sie in Europa gern von asiatischen Restaurants gekauft und Brandenburger Fischer halten gefangene Tiere für den Verkauf in speziellen Teichen. Von japanischen Händlern besteht heute ein großes Interesse, Wollhandkrabben aus Deutschland nach Japan zu Speisezwecken zu importieren.
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