Das "MEGA Clever" - Wissensbuch

Die wissenschaftlichen Erläuterungen der MEGA Experimente aus Sendung 4

11. Kunstflug

Frage: Warum wirken negative g-Kräfte auf den menschlichen Körper dramatischer als positive g-Kräfte?

Kurzerläuterung: Durch die Anpassung des menschlichen Körpers an die positive Schwerkraft auf der Erde kann der Körper besser mit positiven g-Kräften umgehen.

© Sat1

Wissenschaftliche Erläuterung

Auf der Erde herrschen permanent 1 g, diese Kraft bezeichnet die Erdbeschleunigung von etwa 9,81 m/s². Lässt man einen Körper fallen, beschleunigt er mit dieser Rate. Wenn wir sitzen, liegen oder gehen, zieht die Erde uns mit genau dieser Kraft an. Setzen wir uns – wie Wigald Boning im Experiment - in einen Kunstflieger, der durch die Luft wirbelt, ändert sich natürlich auch die Beschleunigungsrate.

Den Unterschied kann man (vorsichtig) zu Hause begreiflich machen. Nehmen Sie Ihren Partner (vorsichtig) an den Händen und rotieren ihn (vorsichtig) im Kreis um Ihre eigene Achse. Das Blut wird durch die Zentrifugalkraft nach Außen, sprich in Richtung Beine gedrückt, wie bei einem Looping. Das sind positive g-Kräfte. Jetzt lassen Sie Ihren Partner wieder (vorsichtig) herunter, nehmen ihn (vorsichtig) an den Beinen und rotieren ihn (vorsichtig) um Ihre eigene Achse. Jetzt wird das Blut Richtung Kopf gedrückt, wie bei einem Außenlooping – das ist eine negative g-Kraft. Sollte Ihr Partner noch ansprechbar sein, wird er bestätigen können, dass das Drehen mit dem Kopf nach Außen viel unangenehmer war.

Der menschliche Körper ist darauf ausgelegt, das Blut von unten nach oben zu pumpen, das macht er ständig, da die Schwerkraft das Blut nach unten zieht. Je stärker es nach unten gezogen wird, je höher also die g-Kraft ist, desto mehr zieht es sich auch aus dem Gehirn zurück. Das ist alles andere als angenehm, aber der Körper schafft das eine ganze Weile lang, auch bei höheren g-Kräften. Trainierte Piloten wirken dem noch mit einer speziellen Pressatemtechnik und Muskelkontraktion in den Beinen entgegen und schaffen bis zu 10 g. Sie sind dann also zehnmal so schwer wie normal. Bei einem untrainierten Menschen ist bei 4,35 g nach etwa 4 – 6 Sekunden Schluss, dann wird er ohnmächtig, weil das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird.

Anders die negative g-Kraft, wie sie bei einem Außenlooping vorkommt. Die Zentrifugalkraft wirkt jetzt nicht mehr Richtung Beine, sondern Richtung Kopf, andersherum als gewohnt. Deswegen nennt man diese Kraft negative g-Kraft bzw. negative Beschleunigung. Und das, was jetzt passiert, ist dramatischer. – 1 g entsteht beispielsweise, wenn man ganz normal auf dem Rücken fliegt. Der Körper wird mit dem Kopf voran Richtung unten gedrückt. Und das ganze Blut drückt Richtung Kopf. Bei – 1 g hält man das noch aus. Bei – 2 g wird es ganz schnell ungemütlich. Das Blut kann nicht mehr zurückgepumpt werden, Kapillare beginnen zu platzen, stechendes Kopfweh, Ohnmacht und schließlich, am Ende dieser grausamen Kette, wartet dann Freund Hein – wenn man Glück hat, erlangt man das Bewusstsein rechtzeitig und kommt noch mal mit dem Schrecken davon.

Wenn Sie den todesmutigen Piloten Peter Besenyei aus dem MEGA clever!-Einspieler einmal live erleben möchten, sei Ihnen ein Besuch beim Airrace ans Herz gelegt. Wann und wo in Ihrer Nähe ein Rennen stattfindet, können Sie der Homepage www.airrace.at entnehmen.

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