Wissenschaftliche Erläuterung
Wieder einmal mussten unsere Gäste bei Clever mit anpacken: Beim Tauziehen mussten sie zunächst einzeln ihre Kraft beweisen, anschließend als Duo. Und siehe da: Das Ergebnis beim Duett war geringer als die Summe der Einzelzüge. Das bedeutet: Obgleich die Promis nicht mehr alleine schuften mussten, haben sie weniger Leistung gebracht! Was ist denn das für eine komische Gruppendynamik? Tatsächlich müssen sich unsere prominenten Gäste nicht über einen Leistungsverlust im Klaren sein und dennoch ist dieser messbar! Anders ausgedrückt: Sobald Teamarbeit gefragt ist, mindert sich die Leistung des Einzelnen automatisch, auch wenn er es gar nicht will!
Anfang des 20. Jahrhunderts, als das Seilziehen ja noch olympisch war, hat der deutsche Psychologe Max Ringelmann dazu umfangreiche Experimente am Seil durchgeführt und ist zu eben diesem Ergebnis gekommen: Anders als in der Physik, wo sich Kräfte in gleicher Richtung zu 100% addieren, ist beim Seilziehen Kraft 1 + Kraft 2 nicht gleich Kraft 1+2! Ringelmanns genaue Versuchsergebnisse waren: Wenn ein einzelner Akteur 100 0.000000E+00insatz bringt, bringen zwei Akteure im Team durchschnittlich nur je 93 % (der minimale Wert lag bei den Messungen sogar bei 10%). Und je größer die Gruppe dann wird, desto geringer wird die Leistung des Einzelnen (was natürlich keine lineare Gleichung sein kann sonst würden ja bei 15 Akteuren je 0 % Leistung erbracht).
Ringelmann stellte zudem fest: Das gilt nicht nur beim Seilziehen, sondern bei allen möglichen Gruppenarbeiten, vor allem bei wenig komplexen Aufgaben. Doch wie kommt es zu solch ungewollten Leistungsverlusten? Wie kommt es zu diesem so genannten Ringelmann-Effekt?
Die Wissenschaft geht davon aus, dass es in einer Gruppenaufgabe immer zu Leistungsverlusten bei den einzelnen Mitgliedern kommt zum einen, weil die Koordination schwieriger wird, sozusagen aus falscher Rücksicht auf andere. Entscheidend ist aber in unserem Fall, dass man nicht allein verantwortlich für das Ergebnis ist! Die Situation in der Gruppe ist anonymer, der Einzelne schlechter zu kontrollieren und all diesen gruppendynamischen Effekten kann sich das Individuum nicht entziehen.
Dieser Ringelmann-Effekt begegnet uns ständig im Alltag: Viele kennen ja den Schüler-Job Inventur im Kaufhaus ein klassischer Fall einer nicht sehr komplexen Aufgabe, die mit lauter Unbekannten erledigt wird. Entsprechend bräuchte hier eine Arbeitskraft weniger Zeit für das Sammeln aller Daten, als sich bei der Addition der Stunden aller helfenden Hände ergeben würde! Zum gleichen Ergebnis kämen wir auch beim Entrümpeln des Dachbodens, der Vorbereitung eines einfachen Schulreferates oder beim Laubrechen
Es gibt allerdings Mechanismen, die den Ringelmann-Effekt in Grenzen halten dazu gehört vor allem ein hohes Maß an Motivation, zum Beispiel die Aussicht auf einen Olympiasieg. Oder die Teilnehmer gehören einer sozial eng miteinander verbundenen Gruppe an. Und schließlich: Die Personen könnten sich in Lebensgefahr befinden, hier wirkt der immens erhöhte Adrenalinspiegel dem Ringelmann-Effekt entgegen! Dennoch gilt auch hier, wenn auch in geringerem Maße: 1 + 1 ist kleiner als 2!
Nicht zu verwechseln ist der Ringelmann-Effekt übrigens mit dem bekannteren Trittbrettfahrer-Effekt, bei dem sich die Person bewusst entscheidet, weniger Leistung zu bringen: Ich kann zum Gesamtergebnis eh nicht viel beitragen! Wie gesagt, dieser Effekt ist bekannter und ärgerlicher! Deshalb gibt es sogar einen Gegeneffekt: Leistungsträger gehen davon aus, dass es Trittbrettfahrer in der Gruppe gibt, und fahren ihre eigenen Anstrengungen bewusst zurück, weil sie die sozialen Faulenzer nicht mit durchziehen wollen. Das bezeichnet die Psychologie als den Gimpel-Effekt, manche nennen es auch den Trottel-Effekt!