Wissenschaftliche Erläuterung
Um die Probe aufs Exempel zu machen, lud CLEVER ahnungslose Probanden zum Test: Sie glaubten, Teilnehmer einer Marktforschungsanalyse zu sein und sie dürften mitentscheiden, in welcher Farbe die Werbekampagne an den Start geht! In Wahrheit mussten sie sich aber mit unseren Lockvögeln auseinandersetzen, die alle Stein und Bein behaupteten, dass alle zur Wahl stehenden Farben blau sind obgleich eine Farbe, objektiv gesehen, klar grün war! Und tatsächlich: Zwei von drei Probanden passten ihre Meinung der Gruppe an und das Grün war für sie plötzlich ein strahlendes Blau. Und selbst bei der anschließenden Befragung, die getrennt von der Gruppe durchgeführt wurde, blieben noch 50 0er Umgedrehten bei der falschen Benennung sie erlagen dem Majoritäten-Effekt!
Der Majoritäten-Effekt beschreibt den Einfluss einer Gruppe auf Einzelne ein Thema, mit dem sich der US-amerikanische Psychologe Leon Festinger in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts in seiner Theorie der sozialen Vergleichsprozesse intensiv auseinandergesetzt hat. Nicht ganz überraschend stellte er fest, dass wir Menschen ständig darum bemüht sind, unsere Einstellungen und Meinungen mit denen unserer Umgebung zu vergleichen besonders dann, wenn es keine klar objektiven Bewertungsmöglichkeiten gibt.
Im Normalfall versucht man dabei, sich mit Menschen zu vergleichen, die eine ohnehin ähnliche Meinung haben anders ausgedrückt: Man sucht Bestätigung für die eigenen Ansichten. Doch das war in unserem Versuch ja nicht möglich weil so jemand nicht im Raum war!
Doch warum haben daraufhin so viele unserer Probanden ihre objektiv richtige Meinung geändert? Nun, da haben wir ein wenig nachgeholfen, indem wir Lockvögel einsetzten, die nicht nur als Einheit aufgetreten sind, sondern auch sympathisch wirkten. Und das wiederum hat bei unseren Probanden den Willen nach Ausgleich gefördert: Statt auf Konfrontationskurs zu gehen, haben sie ihre Meinung geändert schlicht, um dazu zu gehören!
Dieser soziale Effekt kann so stark sein, dass dadurch objektive Kriterien völlig in den Hintergrund rücken können oder sogar als falsch eingestuft werden. Übrigens: Je weniger kritisch bzw. je unsicherer ein Mensch ist, desto eher passt er seine Meinung an! Was jetzt nicht unbedingt als Charakterschwäche empfunden werden sollte deshalb noch ein Beispiel aus dem täglichen Leben: Sie haben gerade Ihre Ausbildung beendet und treten Ihren ersten Job in einer fremden Stadt an. Sie kennen also niemanden! Schnell werden Sie von einem Kollegen gefragt, mit ihm und den anderen aus dem Büro mit ins Kino zu kommen, der neue Film mit Tom Hanks ist angelaufen. Was kann da schon schief laufen? Und richtig: Ihnen gefällt der Film doch alle anderen finden ihn ziemlich blöd: zu viele Anschlussfehler, von der unlogischen Handlung mal ganz abgesehen... Klar, anfangs mögen Sie noch bei Ihrer Ansicht bleiben aber je mehr die anderen meckern, desto mehr kommen auch Sie zu der Meinung: Na, so toll war der tatsächlich nicht und mosern mit. Wenn so was passiert, nur nicht grün und blau ärgern der Mensch ist halt nicht gern allein