Wissenschaftliche Erläuterung
Auf den Philippinen und in Indonesien schnibbeln Wunderheiler scheinbar an ihren Patienten herum, ohne dass danach eine sichtbare Wunde erkennbar ist. Das klingt nach Hexerei, ist aber in Wirklichkeit ein einfacher Trick aus dem Chemiebaukasten
Das Geheimnis liegt in den beiden vermeintlichen Desinfektionsflüssigkeiten. Was auf dem Bauch wie eine Iodtinktur aussieht, ist in Wahrheit Eisentrichlorid, und der Alkohol, mit dem das Messer angeblich desinfiziert wurde, ist gar keiner. Es handelt sich vielmehr um Thiocyanat. Thiocyanat ist ein so genanntes Pseudohalogen und setzt sich aus jeweils einem Schwefel-, Kohlenstoff- und Stickstoffatom zusammen. Es wird häufig zum Nachweis von Eisen verwendet. Kommt nun dieses Thiocyanat mit dem Eisentrichlorid in Verbindung spricht man vom so genannten Thiocyanatkomplex. Dabei bilden die Eisentrichlorid-Ionen zusammen mit Thiocyanat-Ionen den roten Tetrathiocyanatoferrat(III)-Komplex, dessen Produkt echtem, dickflüssigem Blut zum Verwechseln ähnlich sieht. Das benutzte Messer war mit dem durchsichtigen Thiocyanat benetzt und hat mit dem gelblichen Eisentrichlorid reagiert. Und wer genau hinsieht, wird vielleicht bemerken, dass der Wunderheiler die stumpfe Seite des Messers verwendet hat. Das ist also die etwas ernüchternde Wahrheit der blutigen Operation ohne Wunden und Narben.