Wissenschaftliche Erläuterung:
Bei CLEVER SPEZIAL wurde ein Erdbeben durch einen Simulator des Schweizer Bundesamtes für Umwelt spür- und sichtbar gemacht. Dabei wurde die enorme Kraft von Beben verschiedener Stärke demonstriert. Die Geschichte hat gezeigt, dass Erdbeben mit einem Schlag abertausende Menschenleben vernichten können. Ein Frühwarnsystem oder eine genaue Methode der Vorhersage wäre für die Menschheit von unschätzbarem Nutzen.
Bis jetzt gibt es lediglich Möglichkeiten, sich besser zu schützen oder dem Einsturz von Gebäuden vorzubeugen. Hightech gegen Naturgewalt ist hier die Devise: Damit die Erdschwingungen nicht auf das Gebäude übertragen werden, wird das Bauwerk vom Untergrund getrennt. Ingenieure arbeiten hier mit stoßdämpfenden Gummilagern und Stahlfedern, die die Erschütterungen, die das Beben verursacht, auffangen. Auch Schwingungskompensatoren werden eingesetzt. Diese befinden sich in der Spitze der Gebäude und sorgen dafür, dass die Schwingungen ausgeglichen werden. Im Taipeh 101 z.B. ist eine Kugel mit einem Durchmesser von 5,50 Metern und einem Gewicht von 660 Tonnen in der Spitze installiert, die bei Erschütterungen und Stürmen gegenpendelt, Energie absorbiert und so das Gebäude ausbalanciert.
Aber nicht nur Hightech ist eine Hilfe gegen Naturgewalten. Auch die Natur selbst. Der Mensch müsste deshalb wieder aufmerksamer auf Tiere und deren Instinkte achten, die zumindest so früh gewarnt werden, dass sie noch entkommen können. Es gibt eine Fülle an Einzelbeobachtungen, doch kaum wissenschaftliche Beweise. Dennoch ist sich die deutsche Forschergemeinde größtenteils einig, dass man die Beobachtungen ernst nehmen muss. Aber ein Mechanismus, der dieses Verhalten erklärt, ist bisher nicht nachzuweisen. Man kann ein Erdbeben oder einen Tsunami nicht künstlich auslösen oder reproduzieren, um unter Laborbedingungen herauszufinden, wie Tiere darauf reagieren. Da viele Tiere sehr empfindlich auf elektrische Spannungen im Boden und in der Luft reagieren, halten Wissenschaftler es für möglich, dass schon minimale Impulse die Fluchtreaktion der Tiere auslösen. Einige Tiere nehmen Infraschall wahr. So hören Elefanten tiefe Töne in Bereichen bis zu 10 Hertz. Einige Vogelarten nehmen sogar noch niedrigere Frequenzen wahr. Tauben hören nachweislich Töne bis zu einem halben Hertz. Elefanten können zudem leichte Erschütterungen und die Richtung, aus der sie kommen, über Drucksensoren an den Fußsohlen wahrnehmen. Auch vibrationsempfindliche Tiere wie Schlangen und Frösche könnten vorzeitig gewarnt worden sein. Eine These besagt, dass durch den starken Druck und die Reibung im Gestein elektrische Ströme entstehen. Anders vor einem terrestrischen Beben. In der Nähe eines potenziellen Epizentrums könnten Tiere die Gefahr womöglich aus der elektrostatischen Aufladung der Luft wahrnehmen. So gingen Änderungen im Verhalten der Tiere vor einem Erdbeben meist mit atmosphärischen Anomalien einher. Ein bis zwei Tage, mitunter sogar Wochen vor dem Beben, erwärmt sich die Erdoberfläche um zwei bis vier Grad Celsius. Dabei werden warme Gase aus dem Boden herausgepresst und setzen positiv geladene Schwebstoffe, so genannte Aerosole, in hoher Konzentration frei. Diese Teilchen sorgen für eine Ausschüttung von Serotonin, einem wichtigen Botenstoff im Gehirn. Auf diese Weise nehmen Tiere die Veränderungen offenbar wahr, wie ein wetterfühliger Mensch den Föhn in den Alpen. Vor einem Seebeben dagegen laufen im Wasser über dem Epizentrum elektrochemische Prozesse ab. Dort bilden sich elektrische Ströme, die von Fischen und Meeressäugern registriert werden können. Die chinesischen Erfahrungen aus den 60er und 70er Jahren, in denen diese Phänomene systematisch beobachtet wurden, zeigen, dass Höhlen bewohnende Tiere (Schlangen, Kröten, Wiesel, Fledermäuse, Mäuse, Ratten) am empfindlichsten reagieren. Dann kommen Schweine, Vögel, Pferde usw.
Dass Tiere vor Erdbeben warnen, konnte schon mehrfach beobachtet werden. 1975 in der nordostchinesischen Stadt Haicheng erwachten die Schlangen vorzeitig aus dem Winterschlaf, um einem Beben zu entfliehen, das die Stadt wenige Tage später in Trümmer legte. Seismologen hatten das Verhalten der Tiere richtig gedeutet, entsprechende Messungen vorgenommen und die Stadt rechtzeitig räumen lassen. Mäuse warnten 1976 vor einem Beben in Italien, 2004 flüchteten Elefanten vor dem Tsunami in Asien. Tage vor dem verheerenden Beben in China verhielten sich hunderttausende Kröten auffällig, sie begannen am 26. April 2008 plötzlich fluchtartig eine Brücke bei Taizhou in der Provinz Jiangsu zu überqueren. Und bereits seit der Antike wurde derartiges Verhalten von Tieren immer wieder berichtet und überliefert. So zählte der griechische Naturforscher Plinius der Ältere, der im Jahr 79 beim Ausbruch des Vesuvs starb, das unruhige Verhalten von Vögeln zu einem Erdbeben-Vorzeichen. Den ersten Hinweis auf die seismografischen Fähigkeiten von Tieren lieferte der griechische Geschichtsschreiber Diodor. Im Jahr 373 v. Chr. wurde die Stadt Helike am Golf von Korinth nach einem gewaltigen Erdbeben vom Meer verschlungen. Fünf Tage vor der Katastrophe soll ein Zug von Ratten, Schlangen und Käfern über eine Verbindungsstraße in das benachbarte Koria gewandert sein, um sich tiefer im Landesinneren in Sicherheit zu bringen.
Auch die Römer kannten Unheil redende Tiere, wie sie sie nannten. Wenn sich Hunde, Pferde und Gänse besonders lautstark gebärdeten, wurden die Sitzungen des Senats vorsichtshalber ins Freie verlegt.
Mittlerweile gibt es auch schon Versuche, Tiere als Frühwarnsystemeinzusetzen.
China z.B. wird immer wieder von Erdbeben erschüttert, die großen Schaden anrichten. Das Problem: Keine Technik der Welt kann Erdbeben exakt vorhersagen. Tiere hingegen schon. Schlangen können schon Tage im Voraus spüren, wenn ein Erdbeben droht. Die Erdstöße können sie noch in einer Entfernung von 120 Kilometern wahrnehmen. In der chinesischen Stadt Nanning dienen Schlangen daher als lebendiges Erdbeben-Frühwarnsystem. Mittels 143 Tierbeobachtungssystemen einschließlich 24 Stunden-Überwachungskameras über den Schlangennestern in Schlangenfarmen.
An der Universität von Osaka hat man vor acht Jahren am Vortag des schweren Erdbebens von Kobe ungewöhnlichen Bewegungen von Mäusen erstmals im Labor beobachtet. Die Forschungsgruppe setzte die Tiere daraufhin schwachen elektromagnetischen Feldern aus, die Menschen nicht spüren. Die Mäuse sind daraufhin unruhig umhergerannt, haben die Schnauze gekratzt und ihren Kopf in das verstreute Sägemehl gesteckt. Die kleinen Nager reagierten mit Verhaltensänderungen auf elektromagnetische Wellen, wie sie kurz vor großen Beben auftreten.