Marco im Interview

„WIR WAREN MEHR ALS EIN PRODUKT“

Marco Rima begann seine Karriere 1983 als eine Hälfte des Cabaret-Duos „Marcocello“. Außerdem trat er als Schauspieler und Musical-Darsteller auf, z.B. in der Music- und Comedy-Show „Keep Cool“ und im Bühnenspektakel „Hank Hoover“. Von 1996 bis 1999 gehörte er neben Anke Engelke, Ingolf Lück und Bastian Pastewka zum legendären „Wochenshow“-Cast. Seitdem war Marco Rima in zahlreichen Bühnenprogrammen, TV-Movies und –Sitcoms zu sehen und schrieb u.a. Hörspiele für Kinder und das Buch zu seinem Kinofilm „Handy Man“ (2006; Co-Produzent und Hauptrolle: Marco Rima).

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Den deutschen TV-Zuschauer sind Sie durch die „Wochenshow“ noch in bester Erinnerung. Wie haben Sie diese Zeit erlebt und was haben Sie mitgenommen?

Die „Wochenshow“ ist und bleibt ein Highlight meines Lebens. Ich hatte zuvor zwar viel Theater und Musical gespielt, kam zur „Wochenshow“ aber trotzdem wie die Jungfrau zum Kind. Eine Freundin von mir war zum Casting eingeladen und ich wurde eigentlich nur nebenbei mitgecastet – und ausgewählt. Der Sender stand immer hinter uns, obwohl die anfänglichen Quoten nicht berauschend waren, das hat uns viel Selbstvertrauen gegeben. Und natürlich hat mir die Arbeit für Sat.1 auch für weitere Jobs Tür und Tor geöffnet. Ich werde heute noch oft auf die „Wochenshow“ angesprochen und merke daran, dass wir mehr waren als irgendein Produkt. Deutschland wurde damals zu meiner zweiten Heimat, nicht umsonst bin ich mit einer Deutschen verheiratet. Deswegen komme ich heute, nach langen Jahren, auch so gern wieder zu dem Sender, bei dem ich mich einfach wie zu Hause fühle.

Seit Ihrem Wochenshow-Abschied sind acht Jahre vergangen. Wofür steht der Humorist Marco Rima heute?

Meine Arbeit basiert in erster Linie auf Teamwork. Ich hatte das Glück, immer Leute um mich zu scharen, mit denen ich schon beim Schreiben und Produzieren viel Spaß haben konnte. Und diesen Spaß geben wir gern an die Zuschauer weiter. Außerdem setze ich mich immer für Qualität ein.

Zum ersten Mal trägt eine Show Ihren Namen in großen Leuchtbuchstaben. Wie ist das für Sie?

Ich war noch nie Host meiner eigenen Sendung und habe das, bei all meiner Erfahrung, als große neue Herausforderung empfunden. Das ist einer der vielen Gründe, warum sich die Produktion der Show unglaublich gelohnt und so viel Spaß gemacht hat.

Ihr aktuelles Bühnenprogramm „Time Out“ beschäftigt sich humorvoll mit ersten Abnutzungserscheinungen im Leben. Was fällt Ihnen persönlich dazu ein?

Natürlich gibt es die auch bei mir. Ausgiebig Party machen und am Morgen danach auf den Tennisplatz wird immer schwieriger. Auch durch meine Kinder habe ich in den vergangenen zwanzig Jahren so einiges erlebt, von der Geburt über die Pubertät bis heute. Und man macht sich so langsam Gedanken über den Tod – mit 45 hat man, gefühlt, fast schon 90 Prozent seines Lebens hinter sich, da darf man sich ruhig mal Gedanken machen, ob es das war oder ob es nach dem Ableben irgendwie weitergeht. In meinem Programm dürfen sich die Leute jedenfalls gnadenlos über mich lustig machen.

Gehen wir zum Anfang Ihrer Karriere. Sie waren früh der Klassenclown, haben aber, laut Ihrer Homepage, dennoch lange keine Frau abbekommen. Eine traurige Geschichte…

Wegen meiner Pickel wurde ich damals häufig die „Eiter Nordwand“ genannt, die Nachbar stellten wegen mir Schilder auf „Achtung, Krötenwanderung!“. Dafür habe ich es dreimal auf den Titel von „Dermatologen heute“ geschafft. Obwohl ich eine Riesenklappe hatte, war ich unglaublich schüchtern, wenn es darum ging, mich einer Frau zu offenbaren. Auch den Wunsch, Schauspieler zu werden, habe ich lange für mich behalten.

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Damals gab es vermutlich noch keine Castingboxen.

Nein, es gab bei uns in der Schweiz mal so einen Wettbewerb „Sprungbrett für den Nachwuchs“. Da sind wir schon ausgeschieden, als wir die Texte einreichten. Natürlich hätte ich mich bei Shows wie „Music Star“ oder ähnlichen Casting-Formate beworben, wenn es sie gegeben hätte. Genauso wichtig wie die Entdeckung von Talenten ist allerdings ihre weitere Begleitung. Bei mir hat der sogenannte „Erfolg über Nacht“ sieben Jahre gedauert. Auch so etwas kann einen stark machen.

Auf Ihrer Homepage nehmen Sie sich selbst auf die Schippe, indem Sie den stets „lustigen“ Comedian mimen, der andern gehörig auf den Senkel gehen kann. Haben Sie da selbst mal so erlebt?

Ich bin wirklich froh, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Früher, als ich noch auf Lehramt studierte, habe ich sicherlich den einen oder anderen ab und zu genervt. Die Zahl meiner Zuhörer in den Seminar-Pausen nahm von Jahr zu Jahr ab bis sich selbst mein bester Freund abwandte und ich, überspitzt gesagt, mit meinem Spiegelbild sprechen musste. Privat bin ich heute sehr normal und ausgeglichen, weil ich auf der Bühne die Ventile aufmachen darf.

Zum Schluss noch zu einem ganz anderen Thema: Wie lautet Ihr Tipp für den Ausgang der Fußball-EM 2008 in Ihrem Land und wie schneidet die Schweiz ab?

Mein visionärer Tipp lautet: Die Schweiz wird Europameister. Ich glaube einfach an die Kraft des Heimvorteils und der Zuschauer. Mein Traumfinale wäre natürlich Deutschland gegen die Schweiz, wobei das nach der Auslosung der Gruppen, glaube ich, nicht mehr möglich ist. Deutschland erwarte ich ganz vorn, Kroatien ist für mich ein Geheimtipp. Wir Schweizer hoffen auf einen Überraschungserfolg unserer Mannschaft. In unserem Team spielen viele sogenannte „Secondos“, also Kinder der zweiten Immigranten-Generation, die viel zur neuen Siegermentalität im Team beigetragen haben. Ansonsten hoffen wir in der Schweiz darauf, dass die Stimmung bei uns im Land ähnlich wird wie die bei der WM in Deutschland – einfach genial!

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