Der Minister

"Ich würde ein rauschendes Fest jeder Kabinettsrunde vorziehen."

Im Interview: Kai Schumann

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© Hardy Brackmann

Kai Schumann, Ihre Hauptrolle in "Der Minister" ist an eine reale Politikerpersönlichkeit angelehnt. Wie haben Sie sich auf Ihren Part vorbereitet?

Kai Schumann: "Die Tage der Vorbereitung hatten eine gewisse Dauer, aber waren auch gut ausgefüllt. Uwe Janson, Johann von Bülow und ich haben ein zielführendes Miteinander gefunden, und die Vorbereitungen liefen umso erfreulicher, desto mehr wir einander kennen lernten."

Als bekannt wurde, dass Sie die Hauptrolle in "Der Minister" bekommen würden, haben Sie verbal gejubelt. Inwiefern hatten Sie auch mal Zweifel, dieser Rolle nicht gerecht zu werden?

Kai Schumann: "Der Zweifel ist beruflich mein ständiger Begleiter. Schon immer gewesen. Bei dieser Rolle bestand die Hauptaufgabe aber eher darin, sich von dem Anspruchsdenken der unzähligen Befürworter wie Gegner des Herrn Ministers zu befreien und in die Schuhe zu kommen. Dabei ging mir der Arsch schon mal gehörig auf Grundeis."

Haben Sie mit diesem gewaltigen Medieninteresse bereits vor Ausstrahlung des Films gerechnet?

Kai Schumann: "Das lag ja gewissermaßen in der Natur der Sache."

Die Dreharbeiten zu 'Der Minister' sind abgeschlossen. Welche Stärken hat der Film? Und wie gut ist das Drehbuch?

Kai Schumann: "Ich denke, dass wir das fantastische, von intelligentem Humor strotzende Drehbuch von Dorothee Schön ganz gut umgesetzt haben. Der Film wird, hoffe ich, auf mehreren Ebenen die Lachmuskeln der Zuschauer strapazieren."

 

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie sich bei diesem Dreh das erste Mal in Maske gesehen haben?

Kai Schumann: "Wie ein Minister. Aufgewühlt und voller Vorfreude. Und durchaus mit dem gewissen Sendungsbewusstsein ausgestattet, der großen Aufgabe wie auch der Verantwortung gerecht werden zu wollen."

Welche Charaktereigenschaften hat der Minister von und zu Donnersberg?

Kai Schumann: "Ich habe hier einen Menschen vorgefunden, der durch unermüdliches Glänzen im öffentlichen Leben mittels dem ihm gegebenem Charme imstande war, das Politische in ein Popkonzert zu verwandeln."

Ein Journalist schrieb kürzlich: 'So gut wie Kai Schumann sah und sähe Guttenberg nicht aus.' Wie eitel sind Sie?

Kai Schumann: "Ich denke, dass sollten besser andere beurteilen."

 

Kanzlerin Murkel betitelt Ferdinand als Superstar ihres Kabinetts. Wie viel Glamour verträgt Politik?

Kai Schumann: "Große Gedanken bedürfen keiner schillernden Verpackung. Sie strahlen aus sich heraus."

Im Film geht es nicht nur um den Aufstieg und Fall eines Politikers, sondern auch um die Sandkastenfreundschaft zwischen zwei Männern, die mit dem Erfolg zu Bruch geht. Wie wichtig ist Ihnen Freundschaft?

Kai Schumann: "Das Band wahrer Freundschaft zeichnet die Eigenschaft seiner Reißfestigkeit aus. Umso glücklicher kann man sich schätzen – und ich tue dies auch, wenn es sich zwischen Menschen webt. Und da es zunehmend schwerer wird, mit wachsendem Alter ein solches zu knüpfen, bin ich umso dankbarer, dass die Freundschaft zu dem vortrefflichen Johann von Bülow mit über die Grenzen der Dreharbeiten hinaus wuchs."

Wie beurteilen Sie Franz Ferdinands Verhalten Max gegenüber?

Kai Schumann: "Sehr bedauerlich und leider typisch für den Weg des kometenhaften Aufstiegs, bei dem Hybris selten ausbleibt."

"Ich habe doch noch nie etwas selbst geschrieben", echauffiert sich Franz Ferdinand bei Max, der nicht glauben will, dass er jetzt auch noch die Doktorarbeit für seinen Freund verfassen soll. Welche unliebsame Aufgabe würden Sie manchmal gerne abgeben?

Kai Schumann: "Das Beantworten solcher Fragen. (lacht). Die ganze Bürokratie und Administration des alltäglichen Lebens. Ich stand mit Zahlen seit jeher auf Kriegsfuß. Was die Abiturnote 5 in Mathematik belegt."

Wie skurril war es, mit all diesen Doppelgängern der realen Politik zu drehen?

Kai Schumann: "Das war herrlich. Skurril, wie Sie schon sagten."

Wie politisch sind Sie?

Kai Schumann: "Mancher Blick in die politischen Begebenheiten dieser Tage trägt den Schimmer der Ernüchterung in sich. Und dennoch lasse ich mir meine Meinung nicht verbieten."

Wie spannend fänden Sie es, selbst mal an einer Kabinettsrunde teilzunehmen?

Kai Schumann: "Das käme ganz auf die Runde an. Ich würde allerdings ein rauschendes Fest jeder Kabinettsrunde vorziehen."

Was halten Sie von Politikern, die schummeln?

Kai Schumann: "Schummeln? Sie meinen so wie in der Schule, wenn man beim Klassenkameraden mal ein bisschen abschreibt? Da ist doch nix dabei, oder?"

Sie haben über mehrere Wochen einen sehr beliebten Politiker gespielt. Inwiefern konnten Sie danach die Hybris mancher Politiker besser nachvollziehen?

Kai Schumann: "Die Verführbarkeit der Macht ist ja hinlänglich bekannt. Aber gerade diese Rolle hat mir eindringlich gezeigt, wie wichtig es ist, den Kairos eines Donnerschlags zur Wiederherstellung von Bodenhaftung nicht ungenutzt verstreichen zu lassen."

Wie haben Sie persönlich den Guttenberg-Skandal beurteilt?

Kai Schumann: "Und noch einmal: ich lasse mir da meine Meinung nicht verbieten."

Was würden Sie Herrn Guttenberg gerne sagen, sollten Sie ihm je einmal begegnen?

Kai Schumann: "Prost."

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