Der Minister

"Max und Franz Ferdinand beflügeln sich...Das macht auch ihre Freundschaft aus."

Interview: Johann von Bülow

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Johann von Bülow, anders als bei den meisten anderen Figuren in "Der Minister", erkennt man hinter Max kein reales Vorbild. Verraten Sie uns etwas über Ihre Rolle?

Johann von Bülow: "Max ist ein alter Schulfreund von Franz Ferdinand von und zu Donnersberg. Max hat es schon früh verstanden, seinen Freund mit den notwendigen Inhalten zu versorgen, die allerdings niemand so unnachahmlich verpacken kann wie 'Donni'. Zusammen ergeben die beiden ein unschlagbares Team."

Die Dreharbeiten zu "Der Minister" sind abgeschlossen. Welche Stärken hat der Film? Und wie gut ist das Drehbuch?

Johann von Bülow: "Dorothee Schön hat nach meiner Meinung eine äußerst unterhaltsame Satire auf den real existierenden Politikbetrieb der modernen Medienwelt geschrieben. Gespickt mit Anspielungen auf tatsächlich stattgefundene Ereignisse. Aber ich denke, auch Menschen, die nicht täglich auf SPIEGEL ONLINE surfen oder die Meinungsseiten der überregionalen Tageszeitungen studieren, werden ihren Spaß an diesem Film haben. Aufstieg und Fall eines Polit-Stars, verknüpft mit einer Geschichte über Freundschaft und Verrat – unterhaltsamer kann Fernsehen kaum sein."

Im Film geht es nicht nur um den Aufstieg und Fall eines Politikers, sondern auch um die Sandkastenfreundschaft zwischen zwei Männern, die mit dem Erfolg zu Bruch geht. Wie wichtig ist Ihnen Freundschaft?

Johann von Bülow: "Echte Freundschaft ist kostbar und selten. Wer ein wirklicher Freund ist, erweist sich vor allem dann, wenn das Leben sich von seiner Schattenseite zeigt. Echte Freundschaft ist auch ein wenig wie Fahrradfahren: Man verlernt es nicht, auch wenn man lange nicht gefahren ist. So ist das nach meiner Erfahrung auch mit guten Freunden, selbst wenn man sich lange nicht gesprochen oder gesehen hat – das Gefühl, jemandem nahe zu sein, stellt sich sofort wieder ein."

Max kann alles, Franz Ferdinand kann alles verkaufen: Während der eine vorne strahlt, steht der andere als "Brain" im Hintergrund. Rampensau oder introvertiertes "Brain" – was liegt Johann von Bülow näher?

Johann von Bülow: "Ich bin vielleicht keine Rampensau, aber das 'Verkaufen' liegt mir im wahren Leben sicher näher als Max Drexel. Wobei ich durchaus guter Hoffnung bin, dass die Fähigkeit, etwas gut verkaufen zu können, das Vorhandensein von Hirn nicht ganz ausschließt. Schließlich bin ich Schauspieler."

 

Wie beurteilen Sie Franz Ferdinands Verhalten Max gegenüber?

Johann von Bülow: "Franz Ferdinand braucht Max als Spin-Doctor seiner politischen Karriere. Es kann aber keine Rede davon sein, dass Franz Ferdinand Max aussaugt. Ohne die Visionen von Max Drexel hätte Franz Ferdinand wahrscheinlich nicht einmal gewusst, wozu er fähig ist. Die beiden beflügeln sich in gewisser Weise. Das macht auch ihre Freundschaft aus."

Letztendlich provoziert Max den Sturz Franz Ferdinands auf dessen Karrierehöhepunkt. Worin sehen Sie Maxʼ Motivation?

Johann von Bülow: "Ich denke, er versucht Schlimmeres zu verhindern. Sehr schön finde ich in diesem Zusammenhang die Idee, einen Konservativen durch den Rat, die Wehrpflicht abzuschaffen, ins Verderben stürzen zu wollen. Wobei sich durch diesen Schachzug Franz Ferdinands Popularität gerade erst in ungeahnte Höhen aufschwingt. Da ist die Autorin schon eine scharfe Beobachterin der medialen Realität."

Der Film erzählt vor allem eine Geschichte über Männerfreundschaft mit Ihnen und Kai Schumann in den Hauptrollen. Doch was wäre der Film ohne die Ironie der Katharina Thalbach als Kanzlerin Murkel?

Johann von Bülow: "Katharina Thalbach ist die ultimative Kanzlerin. Und ein absolutes Highlight unseres Films."

Wie skurril war es, mit den vielen Doppelgängern der realen Politik zu drehen?

Johann von Bülow: "Erstaunlich, welcher Kollege Ähnlichkeit mit welchem Politiker besitzt. Oder wären Sie darauf gekommen, dass Walter Kreye wie Frank Walter Steinmeier aussehen kann?"

Was halten Sie von Politikern, die schummeln?

Johann von Bülow: "Nicht mehr oder weniger als von Angehörigen anderer Berufsgruppen, die so etwas tun."

Inwiefern können Sie die Hybris mancher Politiker besser nachvollziehen?

Johann von Bülow: "Wenn man in Berlin manchmal die unzähligen Autos aus dem Tross eines Politikers auf Staatsbesuch an einem vorbeifahren sieht – mit Eskorte und Blaulicht – kann man sich schon vorstellen, dass das einen gewissen Realitätsverlust zur Folge hat, so zu leben. Die Frage, wie viel Bodenhaftung man besitzt, ist dabei sicher eine Charakterfrage."

> Johann von Bülow spielt den Jugendfreund und Ideengeber des Polit-Barons Donnersberg.

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