Der Rücktritt

Die Affäre Wulff - Chronologie

Hintergrund

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Ein BILD-Artikel markiert am 13. Dezember 2011 den Anfang für die (im Film dargestellten) 68 Tage bis zum Rücktritt des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. In der Folgezeit recherchieren und veröffentlichen die deutschen Medien weitere vermeintliche Verquickungen zwischen beruflichen und privaten Interessen des Staatsoberhaupts und lösen damit eine breite Diskussion über Moral und Integrität in der Politik aus.

Im Oktober 2008 erhält Christian Wulff (damals noch Ministerpräsident von Niedersachsen) von der Unternehmergattin Edith Geerkens einen privaten Kredit über 500.000 Euro. Das Darlehen dient der Finanzierung seines Wohnhauses in Burgwedel.

Im Februar 2010 wird Wulff vor dem Landtag in Niedersachsen über Geschäftsbeziehungen zu Unternehmer Egon Geerkens befragt. Wulff verneint solche Beziehungen und erwähnt den Kredit von Edith Geerkens nicht. 

Am 13. Dezember 2011 berichtet die BILD-Zeitung über den verschwiegenen Geerkens-Kredit ("Wirbel um Privat-Kredit – Hat Wulff das Parlament getäuscht?"). Wulff, mittlerweile Bundespräsident, befindet sich zu diesem Zeitpunkt auf einer Reise durch die Golfregion.

Am 15. Dezember 2011 äußert sich Wulff in einer schriftlichen Erklärung: "Es wäre besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der niedersächsischen Abgeordneten im Landtag über die konkreten Fragen hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erwähnt hätte, denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen". 

>> Die vollständige Erklärung unter: www.bundespraesident.de

Am 18. Dezember 2011 lässt Wulff eine Liste über private Urlaube zwischen 2003 und 2010 veröffentlichen. Er nimmt damit Stellung zu Medienberichten über Gratisaufenthalte in den Ferienhäusern befreundeter Unternehmer.

Am 22. Dezember 2011 entlässt Wulff seinen langjährigen Sprecher Olaf Glaeseker. In einer Rede bekundet Wulff sein Bedauern über die "Irritationen", die in Zusammenhang mit der Finanzierung seines Hauses entstanden sind.

>> Wulffs Rede im Wortlaut unter: www.spiegel.de

Am 1. Januar 2012 berichten die "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" über Wulffs Versuch, die Berichterstattung über seinen Privatkredit zu verhindern. Er soll BILD-Chefredakteur Kai Diekmann angerufen, auf die Mailbox gesprochen und ihm mit "endgültigem Bruch" gedroht haben.

Am 4. Januar 2012 gibt Wulff ARD und ZDF ein Fernsehinterview. Wulff bekräftigt,  im Amt bleiben zu wollen und kündigt volle Transparenz an. Den Anruf bei BILD-Chefredakteur Diekmann bezeichnet er als schweren Fehler und betont, er habe eine spätere Veröffentlichung - nicht die Unterdrückung des Berichts erreichen wollen. BILD widerspricht diesen Angaben.  

>> Das Interview als Video unter: www.tagesschau.de

Am 11. Januar 2012 lehnt Wulffs Anwalt die avisierte Internet-Veröffentlichung der Journalistenfragen und Antworten aus rechtlichen Gründen ab.

Am 18. Januar 2012 veröffentlicht Wulffs Anwalt nach weiteren Medienberichten und massiver Kritik zahlreiche Anfragen von Journalisten und die Antworten darauf.  

>> Die veröffentlichten Fragen und Antworten unter: www.redeker.de

Am 8. Februar 2012 berichtet  die BILD-Zeitung über einen Sylt-Urlaub, den der Filmunternehmer David Groenewold 2007 für Wulff und dessen spätere Frau Bettina gebucht und zunächst bezahlt haben soll. Wulffs Anwalt gibt an, dass sein Mandant den Betrag später in bar beglichen habe.

Am 16. Februar 2012 beantragt die Staatsanwaltschaft Hannover die Aufhebung der Immunität von Bundespräsident Christian Wulff. Nach Prüfung und Auswertung von Medienberichten gebe es einen Anfangsverdacht wegen Vorteilsannahme im Amt.

Am 17. Februar 2012 verkündet Christian Wulff seinen Rücktritt als Bundespräsident. Mit der Aufgabe des Amtes endet seine Immunität. Das förmliche Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hannover beginnt.

>> Christian Wulffs Rücktrittsrede in voller Länge unter: www.bundespraesident.de