Die Hebamme

"Ich bewundere das Wissen der Hebammen und ihren intuitiven, emphatischen Beruf sehr."

Im Interview: Andreas Pietschmann

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Im Dienste der Wissenschaft sammelt und seziert Dr. Clemens Heuser Leichen von Selbstmördern. Wo sehen Sie die Grenze zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und Pietätlosigkeit?

 Andreas Pietschmann: "Die Frage nach dieser Gratwanderung hat vor allem Relevanz in der Zeit, in der unser Thriller spielt und ist sehr schwer zu entscheiden. Damals waren die Wertschätzung der anatomischen Wissenschaft und der Respekt vor ihr nicht so selbstverständlich wie heute. Man musste sich gegen viel Ressentiments durchsetzen (Leichenfledderer etc.) – gerade als Anatom, der nun mal seiner Forschung nur an Leichen nachgehen kann. Solange die Sektion mit Respekt vor dem Leben und vor der verstorbenen Person vorgenommen wird, finde ich sie nicht pietätlos. Pietätlos ist am ehesten die Haltung einer Gesellschaft, die Forschung nur an sogenannten "Ehrlosen", wie etwa Verbrechern, Selbstmördern und anderen, denen ein kirchliches Begräbnis verweigert wird, gestattet."

Dr. Heusers Arbeitsplatz ähnelt einem Gruselkabinett. Wie fühlt man sich in einer solchen Kulisse?

Andreas Pietschmann: "Ich habe das gar nicht als derart gruselig empfunden. Natürlich standen da zahllose Exponate herum, die gewiss niemals einen Wohnzimmerschrank zieren würden, aber als ehrgeiziger Anatom habe ich das schnell als das notwendige Handwerkszeug und somit als die normale Umgebung akzeptiert."

Sie selbst sind Vater von zwei Kindern. Waren Sie bei der Geburt dabei und haben Ihnen diese Erfahrungen bei den Dreharbeiten zu "Die Hebamme" weitergeholfen?

Andreas Pietschmann: "Eine Geburt berührt ja nicht unmittelbar das Betätigungsfeld meiner Figur, Dr. Clemens Heuser, der ja Anatom und Wissenschaftler ist. Sein Institut kooperiert mit dem Marburger Geburtshaus und teilt sich mit ihm ein Dach. Er assistiert bei Hebammen-Prüfungen, führt aber keine Geburten durch. Indes bewundere ich das Wissen der Hebammen und ihren intuitiven, emphatischen Beruf sehr."

Ist "Die Hebamme" Ihr erster Film mit Josefine Preuß? Wie war die Zusammenarbeit?

Andreas Pietschmann: "Ja, wir haben zum ersten Mal zusammen gearbeitet und uns von Anfang an sehr gut verstanden. Ich hatte den Eindruck, dass wir gut harmonierten und immer spürten, was der andere gerade fürs Spiel brauchte, wann man sich lassen, wann man sich herausfordern musste. Josefine ist eine sehr phantasievolle, professionelle und konzentrierte Schauspielerin. Darüber hinaus kann sie sehr lustig sein, hat immer einen Scherz parat und sorgt für gute Stimmung am Set."

Gibt es ein besonderes Erlebnis während der Dreharbeiten, an das Sie sich erinnern?

Andreas Pietschmann: "Wir haben unter anderem nachts auf dem alten Prager Friedhof Olšanské hřbitovy gedreht. Ein wundersamer, Ehrfurcht gebietender Ort voller Zauber und Schönheit. Solche Drehorte erlebt man nicht alle Tage. Darüber hinaus fanden die letzten Drehtage im Altmühltal statt. Das ist nicht so weit von Würzburg, wo ich geboren und aufgewachsen bin, und wo ein großer Teil meiner Familie lebt. So konnten meine Eltern mich am Set besuchen, was mich sehr gefreut hat."

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