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Über die Idee zum Film "Gegen den Sturm!" und Drehs unter widrigen Umständen...

Interview mit Hannes Jaenicke

"Wir drehen hierzulande genügend belanglose Krimis, Schmonzetten und Komödien..."

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Sie spielen den zynischen Chirurgen Matthias Kreisler. Ist das Ihre erste Rolle als Mediziner?

Hannes Jaenicke: "Ich durfte schon mehrfach Ärzte spielen, aber bislang waren das immer Mediziner, die im deutschen Gesundheits- bzw. Krankenhaussystem tätig waren. Und meine Vorbereitung auf die Arbeit an "Gegen den Sturm!" bestand daraus, Freunde und Bekannte zu besuchen und mit ihnen zu sprechen, die bei der Christoffel-Blinden-Mission (CBM) in Afrika und Asien arbeiten."

 

Matthias und sein Team müssen sich vor Ort mit widrigen Umständen arrangieren und permanent improvisieren. Wie gut sind Sie selbst im Improvisieren?

Hannes Jaenicke: "Dank meiner Leidenschaft für Dokumentarfilme hatte ich in den letzten neun Jahren reichlich Gelegenheit, bei Drehs im Dschungel von Borneo, Kongo, Ruanda, Uganda, Zimbabwe usw. Übung im Improvisieren zu bekommen. Das lernt man schnell, weil an solchen Orten sonst kein Millimeter Film belichtet würde."

Darüber hinaus bleiben Matthias im Film oft nur wenige Sekunden, um über Leben oder Tod zu entscheiden und zu priorisieren. Wie gut könnten Sie selbst mit solch einem Druck umgehen?

Hannes Jaenicke: "Da ich Gott sei Dank noch nie über Leben und Tod entscheiden musste, kann ich die Frage nicht beantworten. Ich weiß nur, dass mein Kopf umso klarer wird, je grösser der Druck oder je gefährlicher eine Situation wird."

Es entsteht der Eindruck, als hätten die Umstände aus Matthias einen Zyniker gemacht. Braucht man dieses dicke Fell in seiner Situation?

Hannes Jaenicke: "Irgendjemand Kluges hat mal gesagt, Zyniker seien nichts Anderes als enttäuschte Romantiker. Das ist in Matthias’ Fall ziemlich passend. Und ohne ein dickes Fell kann man einen derartigen Job nicht machen."

Was im Film gezeigt wird, wurde während der Dreharbeiten Realität: Auch das Team musste mit teils widrigen Umständen vor Ort kämpfen. Wie haben Sie das erlebt?

Hannes Jaenicke: "Wer während der Regenzeit in Thailand dreht, muss damit rechnen, gelegentlich abzusaufen. Und genau das ist uns passiert. Das ist aber für das technische Team, insbesondere Ausstattung, Requisite, Kostüm, Kamera etc. sehr viel härter als für uns Schauspieler. Wir bleiben einfach im Hotel und warten ab, bis die Sintflut vorbei ist, während das arme Team alles von Grund auf neu aufstellen, trockenlegen und vorbereiten muss ..."

Sie selbst sind engagierter Umweltaktivist und für zahlreiche andere Organisation aktiv. Ist es Ihnen ein besonderes Anliegen, mit "Gegen den Sturm!" auf die Wichtigkeit solcher Hilfsorganisationen aufmerksam zu machen?

Hannes Jaenicke: "Sonst hätte ich den Stoff nicht geschrieben. Ich habe fünf Jahre gebraucht, um ihn produziert zu bekommen. Wir drehen hierzulande genügend belanglose Krimis, Schmonzetten und Komödien, da kann es nicht schaden, ab und zu mal etwas brisantere Unterhaltung zu machen, oder?"

Der Film erzählt die Geschichte einer indonesischen Region nach einer schrecklichen Naturkatastrophe. 2004 erschütterte ein Tsunami den indischen Ozean und besonders die Insel Sumatra. Wie haben Sie diese Ereignisse damals erlebt?

Hannes Jaenicke: "Ein befreundeter Produzent aus Köln starb seinerzeit in Thailand, weil die Fluten sein Dialyse-Medikament weggespült hatten. Ich habe den Tsunami von 2004 daher ziemlich präzise mitbekommen und verfolgt."

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