Der SAT.1 FILMFILM

"Vivian ist eine starke, spezielle und gleichzeitig zerbrechliche Person."

Interview mit Alice Dwyer

© Stefan Erhard SAT.1

Vivians Lebensstil ist alles andere als gewöhnlich. Was hat Sie bewogen, diese Rolle zu spielen?

Alice Dwyer: Genau das macht den Beruf ja so besonders und spannend: Dass man in Figuren schlüpfen darf, die ungewöhnlich und sehr fern von einem selbst sind. Vivian ist eine so starke, spezielle und gleichzeitig zerbrechliche Person – genau diese Gegensätze fand ich unglaublich reizvoll. Sie ist jemand, bei dem man weiß, dass man sich eher fern halten sollte, da sie nur Ärger bringen wird, und trotzdem möchte man bleiben und sie beschützen.

Als Zuschauer hat man das Gefühl, Sie leben Ihre Rolle voll und ganz aus – inklusive Vivians trauriger Vergangenheit. Wie haben Sie sich auf diese schwierige Rolle vorbereitet?

Natürlich versucht man, so tief wie nur möglich in seine Figur ein-zutauchen. Der Regisseur Jan Ruzicka und ich haben uns in der Vorbereitung sehr stark auf Vivians Vergangenheit und die daraus entstehenden psychologischen Verhaltensmuster konzentriert. Es gibt erschreckend viel Material, zum Beispiel Fallberichte zu diesem Thema. Uns war aber trotzdem wichtig, dass sie genauso eine fast kindliche Leichtigkeit bekommt, dass es nicht nur ein schwerer, trauriger Charakter wird. An diesem Wechsel der Stimmungen und Persönlichkeiten haben wir dann am Set viel gearbeitet und ausprobiert.

Und wie konnten Sie nach Drehschluss abschalten?

Für mich war es sehr angenehm, dass wir in Berlin gedreht haben, wo ich auch wohne. Ich konnte nach Drehschluss nachhause und, wenn ich wollte, meine Freunde sehen. Das war sehr hilfreich um abzuschalten.

"Ich dachte ich bin stärker", sagt Vivian nach ihrer Zeugenaussage vor Gericht, doch als Zuschauer merkt man, wie zerbrechlich Vivian ist. In welchen Situationen zeigt Vivian Stärke oder Schwäche?

Überhaupt vor Gericht zu gehen, sich seinem Peiniger, seiner furchtbaren Vergangenheit zu stellen – das ist unglaublich stark. Vivian ist aber auch eine sehr unstabile Person. Sie hält nicht sonderlich viel von sich. Dass sie nicht glaubt, stark genug für das alles zu sein, dass sie die Befragungen aus der Fassung bringen, dass sie sich reizen lässt, fast aufzugeben – das alles sind Schwächen von ihr. Aber nachvollziehbare, wie ich finde.

Vivian sucht den Kick darin, Grenzen zu überschreiten. Wo haben Sie selbst schon einmal eine grenzüberschreitende Erfahrung gemacht?

Beim Spielen Grenzen zu überschreiten ist eines der Dinge, die diesen Beruf so aufregend machen. Das mindert vielleicht auch das persönliche Verlangen nach Grenzüberschreitungen.

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