Der SAT.1 FILMFILM

"Es gibt niemals eine Entschuldigung oder Ausrede, eine Frau sexuell zu belästigen."

Interview mit Hannes Jaenicke

© Stefan Erhard SAT.1

Im zweiten Teil von "Im Alleingang" lernen wir Actis' Familie kennen, die er trotz all seiner Affären über alles liebt. Wie passt das zusammen?

Hannes Jaenicke: Actis dürfte nicht der erste Mann sein, der gleichzeitig Familienmensch ist und fremdgeht. Das fängt bei John F. Kennedy oder Helmut Kohl an und hört mit Sicherheit weder bei Horst Seehofer, Dominik Strauss-Kahn, noch General Peträus auf.

Ihre Film-Gattin Margit wird gespielt von Rebecca Immanuel. Ist "Im Alleingang – Elemente des Zweifels" Ihr erster gemeinsamer Film und gibt es weitere Projekte?

Das war meine erste Zusammenarbeit mit Rebecca und die zweite ließ nicht lange auf sich warten. Wir haben im Dezember zusammen in Kapstadt die Verfilmung von Jochen Metzgers Bestseller "Alle Macht den Kindern" für SAT.1 abgedreht.

Die Grenze zwischen dem, worauf sich Vivian freiwillig einlässt, und der Vergewaltigung scheinen in ihrem Fall auf einem schmalen Grad zu liegen. Wie setzt man sich als Schauspieler mit einer solchen Geschichte auseinander?

Actis ist ja nur als Anwalt betroffen, insofern muss er lediglich jegliche Moral an der Garderobe abgeben und einen Mann verteidigen, der eine junge Frau vergewaltigt hat. Für mich als Privatperson gibt es keine "Freiwilligkeit" in Zusammenhang mit Vergewaltigung. Egal, wie die Situation auch sein mag, es gibt niemals eine Entschuldigung oder Ausrede, eine Frau sexuell zu belästigen. Ein großartiges Film-Vorbild war und ist "The Accused" mit Jodie Foster. Auch dieser Film bezieht trotz aller Ambivalenzen eine ganz klare Stellung.

Ertel sucht Selbstbestätigung durch sexuelle Macht – und verliert vollkommen die Kontrolle über sich. Der Absturz folgt auf den Fuß. Ist auch er ein Opfer seiner Triebe?

Das sehe ich ganz und gar nicht so. Wie kann ein Vergewaltiger ein Opfer sein? Das gälte – wenn überhaupt – nur, wenn er psychisch schwer defekt und somit unzurechnungsfähig ist.

Maria ist die Einzige, die Actis vor Gericht besiegen konnte – dennoch legt Actis Maria gegenüber eine unglaubliche Arroganz an den Tag. Ist es das, was diese Rolle und die Reihe so besonders macht?

Ich wiederhole mich vielleicht zum ersten Teil, aber es macht nun einmal einen Höllen-Spaß, charmante und intelligente Arschlöcher spielen zu dürfen. Nichts ist für einen Schauspieler langweiliger, als den netten Jungen von nebenan zu mimen.

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