"Jeder Schlecker-Mitarbeiter, der diesen Film sieht, wird sich zu hundert Prozent wiedererkennen."

Die ehemalige Schleckerfrau Nicole Zocher im Interview

Nicole Zocher arbeitete 17 Jahre lang in einer Schlecker-Filiale in Teltow. Dem Filmteam um "Die Schlikkerfrauen" stand sie als Beraterin zur Seite.

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Die Verkäuferinnen im Film erfahren aus dem Radio, dass sie ihre Jobs verlieren. Wie wurden Sie über die Schließung Ihrer Filiale informiert?
Nicole Zocher: "Kurioserweise kamen bei uns Stammkunden in den Laden und haben uns mitgeteilt, dass wir insolvent sind – sie hatten es in den Medien gehört. Ungefähr zwei Stunden später erhielten wir ein Fax von der Firma, in dem das bestätigt wurde."

Wie war die Stimmung unter den Verkäuferinnen nachdem die Kündigungen eintrafen?
Nicole Zocher: "Kurzzeitig fassungslos. Doch dann haben wir uns gesagt: 'Unser Laden läuft, schreibt schwarze Zahlen – den machen wir nicht zu!' Wir waren bis zuletzt fest davon überzeugt, dass unsere Filiale überlebt. Wir haben sogar einen Brief an die Schlecker-Kinder geschrieben und angeboten, auf Urlaubsgeld und auf einen Teil des Lohns zu verzichten. Wir bekamen nur eine Antwort nach dem Motto: 'Wir freuen uns, dass wir solche Mitarbeiter haben. Aber es tut uns leid – da können wir nichts machen!'

Was empfanden Sie bezüglich der Art und Weise, wie Schlecker mit seinen Angestellten während der Pleite umging?
Nicole Zocher: "Das war unmöglich und unmenschlich! Es gab keine Transparenz, es gab keine Informationen. Jeder in den Führungsebenen war sich selbst der Nächste und alles wurde auf dem Rücken der Frauen ausgetragen."

Was lief Ihrer Meinung nach schief?
Nicole Zocher: "Herr Schlecker war wirklich ein guter Kaufmann, der jahrelang alles richtig gut geführt hat. Aber er hat den Absprung einfach nicht geschafft. Er blieb ewig bei seinem Konzept der Mitarbeitereinsparung und hat darüber den Service vergessen. Andere Drogerieketten waren so viel weiter als wir. Letztendlich war 'Schlecker' in der Aufmachung billig, aber in den Preisen teuer."

Wie haben Sie sich gefühlt, als sie Ihren Job verloren haben?Nicole Zocher: "Ich bin in ein tiefes Loch gefallen. Und ich habe bis heute nicht realisiert, dass es wirklich endgültig vorbei ist. Der Laden und meine Kolleginnen waren wie eine Familie für mich."

War es für Sie daher eine Herzensangelegenheit, beim Film mitzuwirken?
Nicole Zocher: "Mehr als alles andere! Ich habe sogar zwei kleine Statistenrollen bekommen: Eine zu Beginn des Films als "Schlikkerfrau" und eine als Kundin. Ich weiß nicht, ob man mich im fertigen Film sieht – das war auch nicht der springende Punkt. Ich wollte nur einmal dabei sein, durch den Laden gehen und mir alles angucken können."

Sie fungierten für die Drehbuchautoren als Beraterin. Welche Ihrer Erfahrungen flossen direkt in das Drehbuch ein?
Nicole Zocher: "Eigentlich alle. Jeder Schlecker-Mitarbeiter, der diesen Film sieht, wird sich zu hundert Prozent wiedererkennen."

Wie finden Sie es, dass die Schlecker-Pleite in Form einer Komödie aufgearbeitet wird?
Nicole Zocher: "Ich finde es gut. Die Frauen werden nicht komisch dargestellt, sie gehen als Heldinnen hervor. Natürlich war das Thema ernst und diese Ernsthaftigkeit ist auch im Film gegeben. Aber so, dass man schmunzeln kann und sich sagt: 'Ja, so war es!' Das finde ich besser, als einen todtraurigen Film zu machen. Meine ehemaligen Kolleginnen sehen das genauso. Ich sage: Es ist eine Komödie, aber es werden auch ein paar Tränen fließen."

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