"Wir wollten unsere vier Frauen nicht als bloße Opfer zeigen."

Drehbuchautor David Ungureit im Interview

Der Autor der Erfolgsserie "Danni Lowinski" über Würde, verdienten Respekt - und klare Sympathien.

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Warum haben Sie sich bei "Die Schlikkerfrauen" für eine komödiantische Erzählweise entschieden?
David Ungureit: "Wenn sich ein Wirtschaftsminister angesichts zigtausender unverschuldet arbeitslos gewordener Frauen vor die Fernsehkameras stellt und von 'Anschlussverwendung' für diese Menschen schwadroniert, hat eine Geschichte ein Maß an Absurdität erreicht, dem man mit den Mitteln des Dramas kaum noch beikommen kann. Die Komödie kann diese Absurdität sehr gut kenntlich machen und zeigen, welchem Irrsinn diese Frauen ausgesetzt waren und sind."

Als Autor von "Danni Lowinski" sind Sie geschult, was den Blick auf die Geschichten der kleinen Leute betrifft. Was wollen Sie bei "Die Schlikkerfrauen" unbedingt für den Zuschauer an deren Schicksal begreifbar machen?
David Ungureit: "Wir wollten unsere vier Frauen nicht als bloße Opfer zeigen, sondern als vier Individuen, die um ihre Würde kämpfen, um Anerkennung und um den verdienten Respekt. Ihnen gehört unsere ganze Sympathie."

Wie verlief die Recherche für das Drehbuch, mit welchen Quellen haben Sie gearbeitet?
David Ungureit: "Zunächst mal sind wir ja selber auch Kunden von Drogeriemärkten und konnten uns gut an viele der Missstände erinnern, die im Anschluss an die Schlecker-Pleite von den Mitarbeiterinnen genannt wurden. Natürlich haben wir viel gelesen, was in den Medien geschrieben wurde: Fallbeispiele, individuelle Schicksale, Wirtschaftshintergründe. Wichtiger war aber der Kontakt zu den Menschen, die bei Schlecker gearbeitet haben und uns von ihren eigenen Erfahrungen und Erlebnisse berichtet haben."

Einige der Motive im Film sind auch frei erfunden. Bis zu welchem Punkt war es Ihnen wichtig, die wahre Geschichte zu erzählen?
David Ungureit: "Wir haben viel erfunden, dabei aber immer darauf geachtet, dass der Kern der Geschichte erhalten bleibt: Ein Imperium bricht zusammen, und Leidtragende sind die Frauen, die es aufgebaut haben. Einige dieser Frauen wollen das nicht hinnehmen und beginnen einen anfangs schier aussichtlosen Kampf gegen einen übermächtigen Gegner."

Die Handlung spielt in Berlin-Moabit – warum gerade dort?
David Ungureit: "Wir wollten keine Trennung von Lebens- und Arbeitswelt. Unsere vier Frauen wohnen dort, wo sie arbeiten. Moabit schien uns hierfür ein glaubhafter Ort zu sein."

Im Film besetzen die gekündigten Arbeiterinnen ihren Laden. Gab es ähnliche Verzweiflungstaten bei den Schlecker-Frauen oder ist dieses Szenario frei erfunden?
David Ungureit: "Mir ist keine Ladenbesetzung bekannt – es handelt sich um ein 'was-wäre-wenn'-Szenario. Allerdings haben tatsächlich einige ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen nach ihrer Entlassung Läden übernommen und unter neuem Namen selbständig weitergeführt. Auch die Idee eines zinslosen Kundenkredits, die wir im Drehbuch aufgegriffen haben, gab und gibt es wirklich – und sie scheint zu funktionieren."

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