Die Ungehorsame

"Die Gewaltszenen haben mich schauspielerisch an meine Grenzen gebracht."

Marcus Mittermeier

Der Darsteller des Alexander über Szenen, die große Überwindung kosteten und psychologische Unterstützung am Set

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© SAT.1 / Britta Krehl

Sie spielen in "Die Ungehorsame" einen Mann, der sich vom verliebten Ehegatten zu einem gewalttätigen Menschen wandelt. Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gefallen, die Rolle anzunehmen?
Marcus Mittermeier: "Nachdem ich das Buch gelesen hatte, wusste ich sofort, dass diese Rolle für mich als Schauspieler eine ziemliche Herausforderung werden würde. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Irgendwann hat mich die Herausforderung, diese Figur zu spielen und deren Charakter zu untersuchen dann so gereizt, dass ich beim Casting richtig um sie gekämpft habe."

Wie intensiv waren Ihre Vorbereitung und das Zusammenspiel mit Ihrer Filmpartnerin Felicitas Woll?
Marcus Mittermeier: "Zum einen haben wir zusammen mit dem Regisseur Holger Haase und mit einer Psychologin, die wir immer am Set zur Unterstützung hatten, viel über die Mechanismen gesprochen, warum Menschen so handeln. Als uns das klar war und wir wussten, wie Leonie und Alexander zueinander stehen, bestand ein weiterer wesentlicher Teil der Vorbereitung in der körperlichen Arbeit an den Gewaltszenen. Das war nicht einfach, weil es ja einerseits nach wirklicher Gewalt und Kraft aussehen sollte, andererseits aber darf den Schauspielern nichts passieren. Hier hat die Zusammenarbeit mit Felicitas Woll hervorragend geklappt."

Welche Szene ist Ihnen am schwersten gefallen zu spielen?
Marcus Mittermeier: "Die Gewaltszenen. Denn in diesem Punkt ist mir die Rolle Alexander vollkommen fremd. Es hat mich eine Menge Überwindung gekostet und schauspielerisch an meine Grenzen gebracht. Wir haben alle Gewaltszenen nacheinander gedreht – das half sehr, weil wir einen sehr intensiven Dreh hatten und die Intensität auch gut von Szene zu Szene steigern konnten."

Jede vierte Frau in Deutschland war oder ist von häuslicher Gewalt betroffen. Wie würden Sie reagieren, wenn in Ihrem Umfeld ein entsprechender Fall vorkäme?
Marcus Mittermeier: "Opfer von häuslicher Gewalt MÜSSEN geschützt werden. Das ist aber schwer, weil das Thema immer noch ein Tabu in unserer Gesellschaft ist. Die Opfer befinden sich häufig in einer so schwierigen Situation, dass sie oft nicht ausbrechen können oder sich sogar selbst die Schuld oder Mitschuld an der Gewalt geben. Ich hoffe, unser Film kann für dieses Problem eine Öffentlichkeit schaffen." 

Der prügelnde Alexander war als Kind Opfer eines gewalttätigen Vaters. Inwiefern haben Sie sich über die Schuldfrage Gedanken gemacht?
Marcus Mittermeier: "Während der Vorbereitung habe ich Kontakt zu Psychologen aufgenommen, die in der forensischen Psychiatrie mit eben solchen Gewalttätern arbeiten. Es war doch sehr erschütternd, was ich in den Gesprächen mit den Psychologen über die Täter erfahren habe. Niemand ist von Geburt an gewalttätig. In den allermeisten Fällen wurden auch die späteren Täter in deren Kindheit schwer misshandelt. So dass deren Gewalt eine Reaktion auf die selbst erfahrene Gewalt ist. Mit der Figur, die ich spiele, verhält es sich genauso."

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