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Kerner im Interview mit Manfred Amerell am 04.03.2010

Lesen Sie hier noch mal das Interview, welches Johannes B. Kerner mit dem Ex-Schiedsrichter Manfred Amerell führte. Der Beschuldigte in der Schiedsrichteraffäre attackiert den DFB und kündigte Klagen an bei "Kerner" - 4. März 2010, um 22.15 Uhr in SAT.1.

Kerner: Sind Sie mit dem Ergebnis der heutigen Verhandlungen zufrieden?

Amerell: Ich bin sehr zufrieden. Seit vier Wochen war ich in einem Zustand, der in einem Rechtsstaat als Beschuldigter eigentlich nicht möglich ist – ohne Akteneinsicht, ohne Vernehmung oder der Möglichkeit, sich damit zu beschäftigen. Unser Ziel war also, die Forderungen vom Präsidenten zu erfüllen: Wir sollten vor Gericht gehen, uns die Akten per Gerichtsbeschluss holen und dann kann ich die Schiedsrichter verklagen – das ist nun der nächste Schritt. Unser Ziel war, die Akten zu bekommen, jetzt haben wir die Namen und können die nächsten Schritte einleiten. Und mit allen vieren wird sich demnächst der Staatsanwalt beschäftigen.

Kerner: Sie dürfen die Namen nicht nennen.

Amerell: Ja, bis auf einen, und den werde ich auch mit aller Deutlichkeit nennen, das ist Michael Kempter. Er hat selbst seine Statements abgegeben, also kann er hier auch ganz normal genannt werden. Von den anderen drei kenn ich die Namen, aber ich werde sie nicht nennen.

Kerner: Ein paar Fakten. Wie lange kennen Sie Michael Kempter?

Amerell: Ich kenne ihn jetzt knappe 10 Jahre.

Kerner: Wie war ihr Verhältnis?

Amerell: Von Beginn an war es sehr eng freundschaftlich stabil und bis zum Tag im Dezember auch sehr intensiv persönlich. Es war keine Liebesbeziehung, denn das bedeutet ja, dass man in ständigem Kontakt und Austausch ist. Letztes Jahr habe ich ihn vielleicht fünf oder sechs Mal gesehen, wir hatten zeitweise nur Kontakt über Mails und SMS. Es war auch nie in der Form angedacht.

Kerner: Waren Sie verliebt in Michael Kempter?

Amerell: Ich mochte ihn sehr, sehr gerne, und das beruhte, glaube ich, auch auf Gegenseitigkeit, wie man an den Emails sehen kann.

Kerner: Diese Frage gehört dazu: Wie ist Ihre Neigung?

Amerell: Meine Neigung ist, dass ich verheiratet bin, zwei Kinder habe, dass ich aber auch Herrn Kempter sehr nahe war.

Kerner: Bisexuell?

Amerell: Das könnte man so ausdrücken.

Kerner: Nach der Chronologie hat Theo Zwanziger am 11. Januar von den Vorwürfen erfahren, am 29. Januar gab es ein Telefonat zwischen DFB und Kempter. Wann haben Sie davon erfahren?

Amerell: Am 1. Februar. Für mich ist ganz klar, dass hier auf Zeit gespielt wurde, dass es eine Strategie des Präsidenten war. Er hätte – das wäre seine Verpflichtung gewesen, wenn er Menschen achten würde und Interesse daran gehabt hätte – beide Parteien erst einmal hören müssen. Das ist nicht passiert.

Kerner: Es war ja ein Unterordnungsverhältnis zwischen Ihnen und Kempter, sie schreiben Beurteilungen, sie können seine Karriere voranbringen. Können Sie ausschließen, dass Sie zu irgendeinem Zeitpunkt Ihrer Beziehung über Herrn Kempter anders geurteilt haben?

Amerell: Das kann ich mit ehrlichem Gewissen zu 100% ausschließen. Ich treffe diese Entscheidungen ja auch nicht allein, die trifft der Schiedsrichterausschuss – und wenn einer nicht pfeifen kann, dann müssen zehn Leute entscheiden, dass er es doch kann. Ich bin nur einer davon. Im Gegenteil, ich habe ihm 2009 sogar empfohlen, nicht auf die FIFA-Liste zu kommen. Er hat mich auch nie aufgefordert, etwas für ihn zu tun, das war auch nie nötig, weil er so gut war.

 

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