Musik

GET LOUD: DIE POLITIK VON PRISMA

Rea Garvey - Armour

PRISMA - So lautet der vielversprechende Titel von Rea Garveys drittem Solo-Album. Und das nicht ohne Grund. Eroberte der charismatische Ire bislang durch emotionale Aussagen die Herzen der Nation, widmet er sich nun einem Thema, das ihm ebenso wichtig ist: dem Hinsehen, Wachwerden und Aufstehen. Die Philosophie von PRISMA ist eine Politik. Eine, die sich mit persönlichen Kämpfen und Unrecht auseinandersetzt - ausgedrückt in der uralten, universellen Sprache der Emotionen- und des Protests: Musik.

Rea Garvey - Armour
© Universal Music

Und hier sind wir bei seinen tiefsten Wurzeln. Einer langen musikalischen Tradition folgend, hat Rea Garvey einen ausgiebigen Blick auf die Welt um sich herum geworfen und ein Album mit Kopf und Herz geschrieben; mit leidenschaftlichen Songs, die bei allem ungebrochenen Optimismus, aufrütteln sollen.

Ein Prisma macht Dinge sichtbar, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Es verwandelt, mittels der Zerstreuung von Licht, einen einzigen Lichtstrahl in ein buntes Farbenspektrum. Stellt man sich vor, dieser Lichtstrahl steht für uns – den Zuhörer, für dessen Emotionen und zerteilt sich in viele Farben, dann ist man angekommen auf PRISMA: „Dies ist keine neuzeitliche These, sondern dient einer pragmatischen Absicht. Die Songs Armour, Fire, Run For The Border, Put Your Tools Down Boys sollen auf eine Tatsache aufmerksam machen: Die Welt steht in Flammen und wenn die Dinge nicht besser werden, dann müssen wir laut werden.“

Konfrontation. So lautet die Devise auf diesem Album. Obwohl Rea Garvey sich seine positive Grundeinstellung beibehält, mahnt er zum Lautwerden. Er weiß, er ist sowohl Opfer als auch Täter und richtet seine Worte somit genau so sehr an sich selbst, wie auch an die Welt da draußen. Man muss womöglich etwas härter durchgreifen, denn es stehen keine geringeren Dinge als unsere Freiheit und unser Wohlergehen auf dem Spiel. Doch obwohl die Songs dazu aufrufen, aufzurüsten, sind sie keine Predigten. Dafür ist Garvey zu sehr mit dem Oscar Wilde Zitat: „Every saint has a past, every sinner a future” vertraut. „Wenn alleine der Name PRISMA zum Nachdenken bewegt hat, möchte ich, dass meine Musik ihr Übriges leistet“, sagt Garvey. Und in der Tat entspricht die Musik ganz dem lyrischen Inhalt.

Parallel zu seiner musikalischen Karriere, setzt sich Garvey auch für humanitäre Arbeit ein, wofür er viel Anerkennung erntet. Es sind die Eindrücke, die er auf den umfangreichen Reisen im Rahmen dieser Arbeit sammeln durfte, die auf diesem Album, in seiner Musik ebenso Ausdruck finden. Indem er diese Beobachtungen als Inspiration nimmt, setzt sich Rea Garvey zum Ziel: „...die Verantwortung eines Musikers, über das Weltgeschehen zu berichten und eine Antwort auf die Anklagen, welche im Namen des Friedens erhoben wurden, zu liefern.“ Hierbei hat Garvey eine neue Ausdrucksform für seine künstlerische Stimme auf PRISMA gefunden, und das ist der entscheidendste Aspekt dieses Albums.

Als Konsequenz trifft man im Interview einen merkbar bedachteren Garvey an, wenngleich seine Zuversicht davon unberührt bleibt. Seine Zusammenfassung von PRISMA ist kurz und bündig:

Dieses Album ist ein Ausbau meiner selbst, meiner Emotionen, meiner Gemütsverfassung, aber es ist eben auch ein Statement – Du bist ein Individuum und wenn ihr nicht glücklich mit der Welt seid, dann tut euch zusammen und werdet laut. Mit diesem Album könnte ich auch unter Beschuss geraten, ich tue mir nicht unbedingt selbst einen Gefallen damit, Dinge auszusprechen, die manche Menschen nicht hören wollen. Doch ich fühle mich gut gerüstet und habe keine Angst vor einem Kampf.

Reflektierte und doch leidenschaftlich kompromisslose Worte. Garvey hat ein Feldzeichen gesetzt und PRISMA ist der Tusch. Hilfe ist zur Hand. Der Rest liegt an Euch.

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