Musik

Schiller ist mit seinem neuen Album "Opus" zurück

Schiller

Schiller
© philip glaser

Wer die Freiheit aufgibt, um die Sicherheit zu gewinnen, verliert Beides! (Benjamin Franklin)

Elektronischer Musik funktionale Wirkung zuzuschreiben, ist ein Faszinosum unserer Zeit. Paradoxerweise, weil die Elektronik gleichsam digitales Alltagslogo und hochpotente akustische Kommunikation sein kann. „Exposition“, der Prolog des neuen Schiller-Albums, nimmt dieses Paradoxon bildhaft zum Gegenstand. Irgendwo in der Staubigkeit einer kargen,  wüstenähnlich anmutenden Landschaft, taucht eine Bergwelt auf, deren monolithische, naturgewaltige Größe von grazilem Charme getragen wird. „Exposition“ steht nicht zufällig am Anfang der neuen Schiller-CD. Sie ist die Freiheitsdeklaration Christopher von Deylens, die Formung einer zusätzlichen Identität seines Schiller-Markenzeichens.

Man kennt Christopher von Deylen als leidenschaftlichen, der DNA der Elektronikmusik zugewandten Komponisten, Musiker, Produzenten und Entdecker von Klangwelten. „Atemlos“, „Sehnsucht“, „Weltreise“, „Sonne“ – vielfach preisgekrönte Werke veröffentlichte Schiller auf der alchemistischen Suche nach dem schönsten und perfektesten Klang mit meisterhafter Frische und Offenheit. Christopher von Deylens Musikauffassung wird gelobt, weil sie kühn ist. Sein Feinsinn für Nuancen im Emotionalen, das wir mit unseren Ohren wahrnehmen, bewahrt ihn vor prätentiöser Coolness. Klischees und Vorurteile wurden aus dem Weg geräumt bevor „Ein schöner Tag“, einer der populärsten Schiller-Songs, seine Inspiration in „Un Bel Di“, einer Arie aus Puccinis „Madame Butterfly“-Oper fand.

Der Umzug in eine andere musikalische Nachbarschaft, hat das neue Schiller-Album geprägt, das  konkreten, identifizierbaren, tonalen Vorbildern entbehrt. Im Film würde man von „inspired by“ reden. In der Realität von Schiller schafft künstlerische Neugierde Premieren. Die Pianistin Hélène Grimaud, deren  Kreativkraft internationale Triumphe feiert, interpretiert erstmalig  das Grundthema von Erik Saties „Gymnopedie No.1“ -  in der Einsamkeit eines New Yorker Aufnahmestudios über den mit Field-Recorder eingefangenen Pulsschlag der erwachenden Stadt am Hudson River. Schnell wird klar, wie enthusiastisch Christopher von Deylen Unterscheidungen zwischen so genannter „U- und E-Musik“ als ästhetische Markierungen entlarvt und Begriffe wie Werktreue und Andächtigkeit vor der klassischen Musik als Einbahnstrassen zum kurativen Verständnis zeitlos schöner Werke versteht. Er ersetzt das E als Kennzeichnung der „ernsten Musik“ mit einem E für „emotionale Musik“ – ungeachtet dogmatischer Klassik-Auffassungen. Denn auch das Gegenteil der Werktreue, die Defragmentierung trägt zumeist dogmatische Züge. Das Album unterstreicht, dass sich Musik und Dogmatismus ausschließen, wenn die legendäre Sopranistin Anna Netrebko zum ersten Mal auf elektronische Musik trifft. Meisterhaft transponiert die weltweit Preisgekrönte Edvard Griegs „Solveig’s Song“ in die einladende, akustische Übersichtlichkeit von Schiller. Wie kleine, emotionale Docking-Stations tauchen Rachmaninoffs „Rhapsody on a Theme of Paganini op. 43“ und Debussys „Reverie“ an anderen Stellen zum Empfinden des organischen, fließenden Albums von Schiller auf, das mit seinen vielen assoziationsreich gesetzten Fährten immer offen lässt, wo die oft 100 Jahre alten Berührbarkeiten enden und wo die zeitlose Emotionalität Christopher von Deylens beginnt.

In seinen Tönungen und Texturen wurde das neue Schiller-Werk von Klassischer Musik inspiriert. Seine Freiheit und melodische Fokussierung hat das Album dem definierten, elektronischen Heimatverständnis Christopher von Deylens zu verdanken. Deshalb mündet sein Blick über den Tellerrand hinaus nicht in der Orientierungslosigkeit, sondern im erweiterten, klaren Panoramablick auf die emotionalisierende Welt der akzentuierten Töne und rhythmischen Leidenschaften. „Crossover“ ist ein vielgenutzter Konsensus respektive ein gern zitierter Euphemismus, wenn der höchst unterschiedlich motivierte Freiheitsdrang von Musikern in ein vermeintlich verlockendes Logo-Mäntelchen gepresst werden soll. Christopher von Deylen weiß offenbar nur zu gut, dass Konsensfindung ihrer Natur nach eine verführerisch vereinfachende Bestie sein kann. Die Möglichkeit ihr auf den Leim zu gehen, räumt er seit knapp anderthalb Jahrzehnten mit Schiller aus dem Weg. Ob dem elektrisierenden Pulsschlag des neuen Schiller-Albums eine zeitgeschichtliche Musikreise oder eine musikhistorische Zeitreise zugrunde liegt, wird ob der kompositorischen Neugierde und der spielerischen Nonchalance, mit der Christopher von Deylen Klangwelten kreiert, zur redundanten Frage. Schiller hat sich mit dem neuen Album ein weiteres, freiheitliches Idiom geschaffen. Jenseits der Konventionen.

"Opus" ist am 30.08.2013 erschienen! Tickets für SCHILLER Live 2013 bekommen Sie bei Tickethall.

Die besten Lifehacks

Wer traut sich?

Das TV-Event

Fan werden