Musik

Tori Amos mit neuer Single und neuem Album

Tori Amos

Tori Amos war unterwegs. Sie ist in die Fülle der Jahreszeiten und der festlichen Traditionen eingetaucht - eine sinnliche Reise, die 2009 in ihr Album Midwinter Graces mündete. Sie unternahm eine Zeitreise durch 400 Jahre klassischer Musik, eine Odyssee, die ihre Form in Night of Hunters (2011) fand, ihrer ersten Veröffentlichung beim Label Deutsche Grammophon. Sie kam auf ihren eigenen, zwei Jahrzehnte umfassenden Back-Katalog zurück und schuf für ihr Album Gold Dust von 2012 orchestrale Fassungen ihrer Kompositionen.

Tori Amos 2014

Doch die drei unterschiedlichen Alben, auf die ihr erstes ausfüllendes Theaterprojekt folgte, hatten schon Neues in sich angelegt. Aus dem Fluss der Ambitionen, der Ablenkungen und Imaginationen entstand Tori Amos‘ 14. Studioalbum: Unrepentant Geraldines.

Ich begann, über Religion, die Welt und das 21. Jahrhundert nachzudenken und darüber, wie viele Frauen ehrlich von sich behaupten können, dass ihre spirituellen und weltlichen Seiten eine Einheit bilden. Die Frauen, mit denen ich in vielen Ländern sprach, berichteten von einer strengen Trennung; ihr spirituelles Ich befinde sich in der einen Schublade, geschützt vor ihrem sexuellen Ich, das in einem anderen abgeschlossenen Bereich lebe. Es muss doch einen Weg geben, bei dem wir Frauen unser spirituelles und unser leidenschaftliches Ich harmonisch miteinander verbinden können.“

Nicht zuletzt schrieb Tori Amos aus der Perspektive einer Mutter. Der berückende Song Rose Dover – Mitte 70s „Queen meets Joni Mitchell“ – ist ein musikalisch gewagtes und doch emotional beruhigendes Schlaflied für ihre dreizehnjährige Tochter.

„Tash hat das Album enorm beeinflusst. Im Song Promise singt sie auch. Als sie jünger war, hat uns natürlich anderes verbunden. In den letzten Jahren hat sich mir viel von dem enthüllt, was sie liest, sich anhört und anschaut und wie sie die Welt sieht – sie ist eine Muse für mich geworden. Weil ich durch ihre Augen sehen und Dinge erfahren kann, die ich nicht erfahren würde, wenn ich bloß bei meinem eigenen Geschmack bliebe. Zu beobachten, worüber die Dreizehn-, Vierzehnjährigen sich unterhalten, ist wirklich interessant. Und davon, wie man mit einer intakten Fantasie aufwächst, wie man sie vor Zerstörung schützt, handelt auch die Geschichte von Rose Dover.“

Dann gibt es noch Trouble’s Lament, einen gespenstischen Southern Blues, in dem Tori Amos‘ unvergleichliche Stimme Bilder heraufbeschwört wie „flames from Satan’s tongue are charged and licking at her heels…”

„Da ich in North Carolina geboren bin, begleitet mich der Süden auf der ganzen Welt“, berichtet sie nickend. „Er steckt halt in meiner DNA. Natürlich weiß ich nicht genau, ob es wirklich in den Genen liegt. Die entfernteren Vorfahren meiner Mutter waren Indianer aus dem Stamm der Eastern Cherokee. Also liegt es wohl tatsächlich im Blut. Es ist fast, als würde das Land zu dir sprechen. Und wo ich auch bin, höre ich den Süden nach mir rufen.“

Der amerikanische Süden taucht auch in Giant’s Rolling Pin flüchtig auf. Der Song ist eine kernige, lebhafte, an einen Tanz erinnernde Satire auf die NSA/Edward Snowden-Affaire und verweist auch auf die magische, wahrheitsfördernde Kraft der Torten von „Beth“, „Marlene“ und „Caroline“, drei bemerkenswerten Frauen aus einem Café in der Nähe von Tori Amos‘ Strandhaus in Florida.

„Ich liebe diese Frauen! Du betrachtest sie durch deine Brille und fragst dich, ob in dieser Küche eine Art von Alchemie vor sich geht. Man fühlt sich einfach besser, wenn man ihr Essen verspeist hat!“

Auf die Enthüllungen über die massenhafte Ausspähung der Zivilbevölkerung durch die NSA angesprochen, stellt sie fest, dass sie auf die einzige ihr mögliche Art geantwortet habe.

„Als Amerikaner muss man alle möglichen Fragen stellen, und das muss man auch als Schreiber. Du fragst dich, ob vielleicht alle spionieren und nicht nur die Sicherheitsdienste unserer Regierungen. Aber es ist auch eine interessante Entscheidung, zu flüchten und sich bei den Russen zu verstecken, die wirklich toll mit Schwulen und Frauen umgehen!“, bemerkt sie ironisch zu Snowdens Asylgesuch. „Ich gehöre nicht zu diesen verrückten amerikanischen Patrioten“, fügt sie an. „Als Songschreiberin versuche ich mich herauszuhalten und gerecht zu sein. Vielleicht musste es irgendwann zu diesen Enthüllungen kommen. Doch wenn dadurch das Leben von Menschen gefährdet wird, sollte man sich selbst fragen, ob man so weit gehen würde.

„2009 hätte ich nicht geglaubt, dass ich 2014 einen fast vollständigen Neustart meines Schaffens und meiner Arbeit erleben würde. Durch meine Beteiligung am Musical mit all diesen Menschen habe ich wirklich über Strukturen nachgedacht. Und in dieses Album ist vieles von dem eingegangen, was ich beim Schreiben für verschiedene Stimmen und Instrumente entdeckt habe.“

Aber wir sollten sie nicht allzu wörtlich nehmen. Die Kreativchefin der Unrepentant Geraldines hat auch ihre ganz eigene Perspektive.

www.toriamos.com

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