Musik

TÜSN - Schuld

TÜSN - In einer Mischung aus angeborener Scheu und nahezu klassischer Wahrung von Distanz vermeidet die Band es generell, sich und ihre Musik im Detail zu erklären. Man findet in ihrer Musik eher einen Zugang zum inneren Showroom. Sie schreit förmlich danach, für eigene Zwecke benutzt zu werden: Interpretieren Sie bitte jetzt!

TÜSN - Schuld

Dem nicht versiegen wollenden Strom von Neuigkeiten, Nettigkeiten und Nichtigkeiten begegnen TÜSN mit einer bewussten Reduktion. Die drei Berliner machen sich rar. Ihr Netzwerk ist ein engmaschig gestricktes Bezugssystem, ein hermetisches Haus der Liebe ohne Spion. TÜSN sprechen nicht viel über sich, umso mehr sprechen andere über sie. Das soll ihnen recht sein.

Die Band besteht aus Snöt, Tomas und Daniel. Ihre Instrumente sind Synthesizer, Bass und Schlagzeug. Für den ehemaligen Gitarristen Snöt liegt der Instrumentierung keine Entscheidung gegen sein altes Instrument zugrunde, vielmehr bot der Synthesizer und die Entdeckung neuer kreativer Spielräume eine Gelegenheit zur Weiterentwicklung als Band. Zudem begab sich der heutige Fan analoger Synthesizer auf eine dieser mythologischen Reisen ins Innere, die man bestenfalls aus der Weltliteratur kennt. Sein prägender, expressiver und manchmal auch exaltierter Gesang ist das Ergebnis von schonungslosen Experimenten mit der eigenen Körperspannung. Mehr gibt er nicht Preis.

TÜSN haben die Arbeit an ihrem ersten Album “Schuld” abgeschlossen. Mit “Schwarzmarkt” und “Zwang” haben sie die Tore weit aufgestoßen, mit “Schuld” werden sie die Ernte einholen. Wollte man angesichts ihrer ersten Lebenszeichen noch fragen, von welchen exotischen Nachtmahren die Band heimgesucht wurde, verdeutlicht sich mit der Länge des Albums (und ihrer Auftritte), dass TÜSN nur von einer Art Dämon besessen sein können: den eigenen. Ihre Songs werden von gleichsam realen wie sagenumwobenen Gestalten der Geschichte beseelt (”Humboldt”, “Hannibal”), sie beschwören elementare Naturgewalten (“Sturm”, “Wasser”) und verlangen lautstark nach noch mehr Drama (”Zehntausend”, “Duschen”), manchmal lassen gezielt fadenscheinige Worte das schillernde Nervenkostüm ihres Vaters erahnen (”Ewig allein”, “Ihr liebt mich jetzt”). Am Ende mündet alles in einem imposanten Gebilde aus elegant verzahnten Versatzstücken einer Kultur, in der das Abseitige und die Überschreitung einen Ehrenplatz inmitten all der Herrlichkeit finden. Genre-Transzendenz für die Suchenden, die Verlorenen, die Anderen, für die Brut der Nacht. Hier gibt es viel zu entdecken, wir stehen erst am Anfang. 

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