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Tolle, Krawatte und Schabernack

Der letzte Alleinunterhalter - Götz Alsmann wird 60

Seine erste Band gründete Götz Alsmann mit elf Jahren. Heute ist er Musiker, Moderator und der berühmteste Münsteraner neben Prof. Boerne aus dem «Tatort» - das hat er vor allem «Zimmer Frei!» zu verdanken. Die Sendung gibt es allerdings nicht mehr. Was kommt als nächstes?

12.07.2017 20:13 Uhr / dpa
Goetz Alsmann wird 60
© Oliver Berg/dpa

Götz Alsmann war gerade in Paris, seine neue CD wurde dort abgemischt. Die Stadt mag er sehr, wie er sagt. Gibt es irgendetwas Vergleichbares in Deutschland, irgendwo ein ähnliches Lebensgefühl? Das müsste doch passen, denkt man sich: Der notorisch apart gekleidete Musiker und Moderator und die Stadt der Eleganz. Alsmann bremst. «Ich würde sie nicht mit einer deutschen Stadt vergleichen wollen. Der französische Alltag verläuft einfach völlig anders», sagt er. «Aber die Franzosen schauen auch nicht ohne Neid auf unsere Gewohnheiten.»

Münsteraner durch und durch

Alsmann kann wertschätzen, wenn etwas gut ist. Seine Familie väterlicherseits lebt seit 500 Jahren in Münster, er verschwendet keinen Gedanken daran, wegzuziehen. Er fühlt sich ohne Krawatte irgendwie nackt. Er spielt Musik, die andere längst vergessen haben. Und er hat 20 Jahre lang «Zimmer Frei!» im WDR Fernsehen moderiert. Heute wird Alsmann 60 Jahre alt.

«Keinen ganz konkreten Lebensplan»

Dass das alles so passieren würde, war am Anfang natürlich nicht abzusehen. «Es gab keinen ganz konkreten Lebensplan. Ich hatte schon den Wunsch, dass mein Beruf etwas mit Musik zu tun haben sollte, aber ich hatte keine Vorstellung davon, wie man es schafft, von der Musik zu leben», sagt er. Unübersehbar war allerdings das Talent des Sohnes einer Näherin und eines Maurers. Den ersten Versuch, eine Band zu gründen, unternahm Alsmann mit elf. Mit einem Freund, der hoffte, Schlagzeuger zu werden. Man habe sich dann allerdings «aufgrund musikalischer Differenzen» wieder getrennt, sagt Alsmann.

Er machte danach natürlich weiter Musik, studierte Musikwissenschaft, promovierte sogar und hatte erste Achtungserfolge. Mitte der 80er kam dann das Fernsehen hinzu, auch wenn diese Jobs heute schon fast in Vergessenheit geraten sind. Alsmann war etwa Moderator bei «Die Gong-Show» (RTL) oder «Avanti» (Vox), einem Lifestyle-Magazin. «Das Schlimmste, was ich im Fernsehen gemacht habe, geschah während meiner Zeit beim NDR in den Mittneunzigern», sagt Alsmann. «Da musste ich eine Sondersendung von der Computermesse CEBIT moderieren, ohne jemals vorher einen Computer angefasst zu haben.»

«Zimmer Frei!»

Der ganz große Durchbruch setzte ein, als «Zimmer Frei!» 1996 im WDR auf Sendung ging. Die Show war eigentlich nur als Pausenfüller im Sommerloch gedacht. Aber Alsmann und seine Kollegin Christine Westermann ergänzten sich so gut, dass daraus 20 Jahre wurden. Westermann stellte Prominenten die Fragen, Alsmann grätschte mit Gags dazwischen und setzte sich alberne Mützen auf. Das war auch deswegen so komisch, weil Alsmann seine Shows immer in ausgewählter Herrengarderobe bestreitet, die einen auf den ersten Blick nicht unbedingt inhaltliche Anarchie erwarten lässt. Bei ihm sieht Fernsehen noch nach Hochamt aus, für das man sich rausputzt.

Mit Überzeugung altmodisch

Alsmann, der verheiratet ist und einen Sohn hat, kann wohl getrost ein etwas sentimentales Verhältnis zum Altbewährten unterstellt werden. Das vielbesprochene Thema Haartolle braucht man dafür gar nicht anschneiden. Er steht dazu, altmodisch zu sein. Twittern ist für ihn Verschwendung von Lebenszeit.

Im September erscheint nun die neue CD. Aber eigentlich fehlt Alsmann seit dem Ende von «Zimmer Frei!» 2016 so etwas wie ein natürlicher Lebensraum. Er kann aus dem Stegreif musizieren, moderieren, ist Conférencier, Kindergeburtstag und Bildungsauftrag in einer Person. Ein Alleinunterhalter, wie es ihn im Fernsehen eigentlich gar nicht mehr gibt. «Zimmer Frei!» kann nicht das Ende gewesen sein. Er antwortet auf diese Frage so: «Wir probieren etwas aus. Zum Jahresende greife ich wieder an.»

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