Oscars® 2015

Mr. Turner – Meister des Lichts: Der Oscar®-Underdog

Die britische Koproduktion "Mr. Turner - Meister des Lichts" unter der Regie von Mike Leigh ("Vera Drake", "Another Year") ist bei der 87. Oscarverleihung® das britische Aushängeschild.

Mr. Turner
© dpa

In seiner Heimat Großbritannien und auf seiner Tour über verschiedene nationale und internationale Filmfestivals sehr gelobt und mit diversen Preisen ausgezeichnet, ist "Mr. Turner - Meister des Lichts" bei der Oscar®-Verleihung in diesem Jahr jedoch nur wenig Berücksichtigung zuteil geworden. Zwar wurde Mike Leigh's Filmbiographie über den britischen Landschaftsmaler William Turner insgesamt für vier Oscars® (Bestes Szenebild, Bestes Kostümdesign, Beste Kamera und Beste Filmmusik) nominiert, doch in den "Big Five" wurde der Film gnadenlos übergangen. Weder Mike Leigh, noch Hauptdarsteller Timothy Spall (Himmel über der Wüste, Still Crazy, Rock Star) wurden bei den Nominierungen berücksichtigt. Besonders bei Timothy Spall war der Ärger über die Nicht-Nominierung zu spüren, denn schon bei den Filmfestspielen in Cannes und bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises in Riga wurde Spall für seine schauspielerische Leistung geehrt. Die Hoffnung, nun auch für den Oscar® als bester Hauptdarsteller nominiert zu werden, war also nicht unberechtigt.

Harmonie zwischen darstellerischer Leistung und Bildästhetik

In der Tat ist bei der rund 150 Minuten langen Filmbiographie in erster Linie Timothy Spall als William Turner hervorzuheben. Brillant verkörpert Spall den einzelgängerischen und etwas unsympathischen William Turner in den letzten 25 Jahren seines Lebens. Es entsteht ein Bild von dem 1775 geborenen und 1851 gestorbenen Landschaftsmalers, das weder überdramatisiert noch zu stark stilisiert, sondern sehr echt und aufrichtig erzählt. 
Auf den zweiten Blick lässt sich - neben der darstellerischen Leistung von Timothy Spall ein zweiter Geniestreich auf der Leinwand entdecken. Die Kameraführung von Dick Pope wurde völlig zurecht mit einer Oscar®-Nominierung bedacht. Die progressiven Einfälle und die komplette Hingabe zur Geschichte machen ihn zu einem ebenbürtigen Lichtkünstler, sodass in den zweieinhalb Stunden durchgehend verzaubernde Bilder und Aufnahmen zu sehen sind, die die Nominierung mehr als rechtfertigen. Allerdings hat besonders Dick Pope starke Konkurrenz in seiner Kategorie. Die Kameramänner Łukasz Żal und Ryszard Lenczewski, die für die Arbeit in dem Film "Ida" nominiert sind, bekamen für ihre außergewöhnliche Kameraführung im Vorfeld viel Lob und gelten in einigen Kreisen bereits als die großen Favoriten. 
Jaqueline Durran, die mit "Mr. Turner - Meister des Lichts" für das beste Kostümdesign nominiert ist, hat nicht minder prominente Konkurrenz und Filmkomponist Gary Yershon hat mit seiner Nominierung doch für einige Verwunderung gesorgt. Denn "Mr. Turner" ist kein musikalisches Epos. Doch der Score von Gary Yershon war gerade wegen seiner Reduziertheit sehr pointiert und zurückhaltend bewegend. Dennoch bleibt der Oscar®-Favorit in der Kategorie Filmmusik wohl Alexandre Desplat, der mit "The Grand Budapest Hotel" und "The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben" sogar für zwei Werke nominiert ist. 
Bis zum 22. Februar muss jedoch gewartet werden. Dann erst herrscht Gewissheit über das Abschneiden des britischen Underdogs.

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