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Vorschriften zur Rettungsgasse

Wenn mit einem Mal im Straßenverkehr ein Martinshorn ertönt, gilt es, schnell eine Rettungsgasse zu bilden. Doch was, wenn man dabei geblitzt wird? Und wie sieht es mit der Rettungsgasse auf Autobahnen aus? Muss sie bei jedem Stau automatisch gebildet werden?

26.03.2012 09:15 | 3:02 Min | © SAT.1

Rettungsgasse auf der Autobahn

Eben noch ging es rasant voran und schon im nächsten Moment ist er da: ein Stau. Wahrscheinlich ein Unfall. Krankenwagen, Polizei und/oder Feuerwehr sollten immer möglichst schnell zum Unfallort gelangen. Doch muss in einem solchen Fall immer sofort eine Rettungsgasse gebildet werden? Und: Muss ich zahlen, wenn ich keine bilde? Die Antwort gibt die Straßenverkehrsordnung. Hier ist eindeutig festgehalten, dass außerhalb eines Ortes auf Straßen mit mindestens zwei Spuren pro Richtung und auf Autobahnen bei stockendem Verkehr in der Mitte eine Rettungsgasse freigehalten werden muss. Schließlich kann so Leben gerettet werden. Denn: Eine korrekt gebildete Rettungsgasse spart den Einsatzkräften Zeit, die den Unfallbeteiligten zugutekommt.

Wichtig: die Rettungsgasse nicht erst bilden, wenn Blaulicht und Sirene ertönen und damit klar ist, dass es sich um einen Unfall handelt. Zumindest auf der Autobahn kann man davon immer ausgehen, wie Daniel Schöppe, Bundesoberinspektor der Feuerwehr Halle/Saale, betont: "Wenn auf der Autobahn Stau ist, kann man zu 90 Prozent davon ausgehen, dass sich ein Verkehrsunfall ereignet hat." Reagieren Verkehrsteilnehmer allerdings erst, wenn die Rettungskräfte im Anmarsch sind, ist es im Zweifelsfall zu spät und Krankenwagen und Co. gelangen nicht ungehindert zum Unfallort. Dirk Wenzel vom Deutschen Roten Kreuz hat damit Erfahrungen: "Es ist jedes Mal belastend, zu wissen, dass da vorne jemand ist, der dich braucht, aber du nicht hinkommst."

Schon bei stockendem Verkehr muss auf der Autobahn eine Rettungsgasse gebilde...
Schon bei stockendem Verkehr muss auf der Autobahn eine Rettungsgasse gebildet werden

 

Rettungsgasse bilden – so geht's

Vergrößern Sie bei den ersten Anzeichen für einen Stau den Abstand zu Ihrem Vordermann und bilden Sie eine Rettungsgasse. Denn sobald alle Autos wirklich stehen, besteht kaum noch die Möglichkeit, nach links und rechts zu rangieren. Dabei können Sie auch den Seitenstreifen – sofern vorhanden – benutzen. Beachten Sie aber: Sofern nicht anders beschildert, darf nur maximal die Hälfte des Fahrzeugs über die Linie des Seitenstreifens ragen, um seine Sicherheitsfunktion weiter zu gewährleisten.

Bei zwei Fahrspuren ist die Sache klar, doch wie sieht es bei drei und mehr Fahrstreifen auf der Autobahn aus? Hier gilt die sogenannte "Rechte-Hand-Regel": Bei mindestens drei Fahrstreifen muss die Rettungsgasse zwischen dem linken Fahrstreifen (Daumen der rechten Hand) und der rechts danebenliegenden Spur (Zeigefinger) gebildet werden.

 

Bei zwei Fahrstreifen wird die Rettungsgasse genau dazwischen gebildet, bei m...
Bei zwei Fahrstreifen wird die Rettungsgasse genau dazwischen gebildet, bei mehr Fahrstreifen rechts von der linken Spur.

Weitere wichtige Hinweise zur Rettungsgasse

Damit die Rettungskräfte ungehindert zum Einsatzort gelangen können, müssen Autobahnausfahrten im Falle eines Staus unbedingt freigehalten werden. Das gilt übrigens, wie auch allgemein für die Rettungsgasse, bis sich der Stau komplett aufgelöst hat. Schließlich kann auf einen ersten Krankenwagen noch ein weiterer sowie Polizei und Abschleppdienst folgen. Achten Sie außerdem darauf, dass Sie mit Ihrem Fahrzeug gerade stehen, denn so sorgen Sie für eine möglichst breite Rettungsgasse.

Bußgeld bei Nichtbeachtung

Wer die Vorschrift zur Bildung einer Rettungsgasse missachtet, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Buß- oder Verwarnungsgeld in Höhe von 20 Euro rechnen. Dicker kommt's für alle, die im Falle eines Staus auf den Seitenstreifen ausweichen und hier überholen. 100 Euro Strafe und ein Punkt sind dann die Folge. Das gilt allerdings nur für Deutschland. In anderen Ländern sind die Strafen mitunter höher – wie zum Beispiel in Österreich: Bei Nichtbeachtung der Vorschriften in puncto Rettungsgasse droht hier Bußgeld zwischen 726 und mehr als 2.000 Euro.

Auch in Deutschland gibt es Befürworter höherer Strafen. Immer wieder wird durch Petitionen und Co. auf die große Gefahr bei Missachtung der Vorschriften hingewiesen. Die Forderung: auch in Deutschland soll mit 2.000 Euro bestraft werden. Matthias Killing , unser SAT.1 Frühstücksfernsehen-Moderator, gehört zu den Verfechtern eines höheren Bußgeldes : "Ja, unbedingt sollte Deutschland die Bußgelder erhöhen. Eine Rettungsgasse kann Leben retten, und dass nur jeder Dritte weiß, wie man sie bildet, ist ein Skandal – deswegen: Wir brauchen eine Aufklärungskampagne vom Bund aus gesteuert und eben höhere Bußgelder. Anders werden es die deutschen Autofahrer nicht lernen. Ich habe es schon oft erlebt, dass auf der Autobahn eine Rettungsgasse gebildet werden muss. Selbst verwickelt war ich zum Glück noch nie. Mein Appell: Fahrt rücksichtsvoll und vorausschauend – und denkt an eure Mitmenschen. Und reist ohne Stress, dann fängt der Urlaub schon vor der Autofahrt an."

Geblitzt wegen der Rettungsgasse

Eine andere Situation: Ein Krankenwagen kommt. Jetzt schnell aus dem Weg – und schon blitzt es am Straßenrand. Wie sieht hier die rechtliche Lage aus? Muss ich die Rechnung bezahlen, wenn ich beim Bilden einer Rettungsgasse geblitzt werde? Ja. Wer ein Martinshorn hört, sollte nicht schneller werden, sondern langsamer und rechts ranfahren. Hier ist es keinesfalls erforderlich, zusätzlich aufs Gas zu treten. Eine Ausnahme in Sachen Blitzer gibt es allerdings vor einer roten Ampel: Muss das Auto, das direkt vor der Ampel steht, ein paar Meter nach vorne fahren, um eine Rettungsgasse freihalten zu können, und wird deshalb geblitzt, wird jeder Richter das Verfahren einstellen.

Fazit: Durch eine korrekt und rechtzeitig gebildete Rettungsgasse erhöhen sich die Überlebenschancen etwaiger Unfallopfer um bis zu 40 Prozent. Das Problem: Mehr als die Hälfte aller Führerscheinbesitzer in Deutschland wissen nicht, wie man eine solche bildet. Dabei ist es ganz einfach: Sobald sich ein Stau ankündigt, auf zweispurigen Straßen den Abstand zum Vordermann vergrößern und in der Mitte eine Gasse freimachen. Bei mehr Fahrstreifen gilt die Rechte-Hand-Regel: Die Rettungsgasse wird dann zwischen linker Spur und als rechten Fahrstreifen gebildet. Zurzeit sind die Bußgelder bei Missachtung der Vorschriften zwar gering, das könnte sich aber schon bald ändern.

Hier gibt's weitere Informationen zur Rettungsgasse , zu Stau und Tipps gegen Stress bei Stau .

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