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Unterschätzte Gefahr: Facebook Sucht

An vielen Jugendlichen rauscht der Alltag vorbei - sie "leben" quasi nur noch auf Facebook. Die virtuelle Welt ist für Facebook-Junkies teilweise sogar wichtiger als die reale Welt. Ist es bloß Gewohnheit oder sogar schon eine Sucht?

20.09.2012 10:00 | 10:13 Min | © SAT.1

Facebook: Fast so wichtig wie Sex und Schlaf

Viele Jugendliche haben Angst davor, etwas zu verpassen. Sie sind ständig online, um so immer auf dem neuesten Stand zu sein. Dass sie durch das ständige Posten und News-Checken auf Facebook möglicherweise das reale Leben verpassen, ist ihnen scheinbar egal.

Wie wichtig Facebook mittlerweile geworden ist, belegt eine amerikanische Studie: Forscher der Booth School of Business in Chicago haben 2012 einen Test mit 200 Probanden durchgeführt. Für die Untersuchung mussten die Testpersonen über einen gewissen Zeitraum täglich ihre Wünsche und Bedürfnisse festhalten. Das Ergebnis: Für viele war die Versuchung, sich in ein soziales Netzwerk einzuloggen, größer als der Drang nach einer Zigarette oder einem Glas Bier. Lediglich Sex und Schlaf standen bei den Probanden auf der Bedürfnisliste noch weiter oben.

Diese Studie zeigt, welche Gefahr von sozialen Plattformen wie Facebook und Co. ausgeht. Auch der Leiter der Untersuchung, der deutsche Professor Wilhelm Hofmann, warnt davor, das Abhängigkeitspotenzial solcher Netzwerke zu unterschätzen. Denn anders als etwa die Alkoholabhängigkeit, sei die Internetsucht gesellschaftlich nicht negativ behaftet.

Schon jetzt soll nach einer 2011 durchgeführten Studie der Universität Mainz etwa jeder zehnte Jugendliche in Deutschland das Internet zu intensiv nutzen - schätzungsweise etwa 500.000 Jugendliche sollen sogar internetsüchtig sein. Von einer Onlinesucht sprechen Experten dann, wenn das Internet über die Maßen exzessiv genutzt wird.

Symptome: Bist du Facebook-süchtig?

Wissenschaftler der Universität in Bergen (Norwegen) haben eine Skala entwickelt, mit der man angeblich selbst testen kann, ob man suchtgefährdet oder sogar schon Facebook-süchtig ist. Danach besteht für jeden, der mindestens vier der folgenden sechs Fragen mit 'oft' oder 'immer' beantwortet, eine ernste Gefahr, abhängig von Facebook zu werden oder es bereits zu sein:

  1. Du denkst nahezu jede freie Minute an Facebook?
  2. Du hast den Drang, Facebook immer öfter zu nutzen?
  3. Du nutzt Facebook, um Probleme zu vergessen?
  4. Du hast schon mehrfach versucht, dein Facebook-Account zu löschen, aber bist immer wieder schwach geworden? 
  5. Du wirst nervös und unruhig, wenn dir der Zugang zu Facebook verwehrt wird?
  6. Du nutzt Facebook so häufig, dass es schon negativ Auswirkungen auf die Schule beziehungsweise auf deine Arbeit hat?

Besonders gefährdet sind laut den norwegischen Wissenschaftlern vor allem jüngere Menschen, die sich zudem unsicher und ängstlich fühlen. Für sie ist es scheinbar leichter, über soziale Medien zu kommunizieren, als unmittelbar von Angesicht zu Angesicht.

Die PINTA-Studie des Bundesgesundheitsministeriums zeigte 2011 zudem, dass Mädchen eher eine Facebook-Sucht entwickeln als Jungen, für die Computer- und Rollenspielen wie etwa "World of Warcraft" ein größeres Suchtpotenzial haben.   

Hilfe für Facebook-Süchtige

Wer feststellt, dass er mehr Zeit auf besagten digitalen Plattformen verbringt, als ihm tatsächlich lieb ist, sollte über eine Facebook-Fasten-Kur nachdenken und probehalber mal für eine Woche seinen Account löschen.

Fällt der freiwillige Verzicht zu schwer, kann ein Internet-Tool helfen. Die kostenpflichtige App "Freedom"  zum Beispiel unterbindet jeglichen Zugang ins Internet für acht Stunden täglich - nur der Zugriff auf E-Mails ist erlaubt.

Ähnlich funktioniert die  Software "Anti-Social" (bislang ebenfalls ausschließlich für Apple-User erhältlich). Die gestattet zwar das Surfen im Internet - Social-Media-Dienste wie Facebook, Twitter und Co. werden jedoch geblockt. 

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