Ratgeber

Was ist ein Shitstorm?

„Shitstorm“ ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für ein Internet-Phänomen, bei dem sich eine Person oder eine Institution eine begrenzte Zeit lang der geballten Kritik einer großen Menge Menschen ausgesetzt sieht.

Expertin: Julia Dombrowski, onlinefacts.de
Was_ist_ein_Shitstorm

Was ist ein Shitstorm?

Ein Shitstorm bezeichnet eine Phase, in der Einzelpersonen, Unternehmen, Behörden, Vereine oder prominente Personen wie Künstler, Sportler oder Politiker mit vielfach geäußerter Kritik einer zahlenmäßig relativ großen Menschenmenge im Internet umgeghen müssen. Shitstorms finden in sozialen Medien statt – meist auf Facebook, Twitter und in Blogs.

Sie beginnen üblicherweise mit der geäußerten Empörung einzelner Personen, der sich immer mehr Menschen mit eigenen Beiträgen und Kommentaren zu bereits vorhandenen Einträgen anschließen. Innerhalb weniger Stunden oder Tagen breitet sich die Entrüstung auf weitere teilnehmende Personen aus, sodass die Beleidigungen schließlich wie eine Lawine auf das Ziel des Shitstorms zurollen. Im Regelfall werden die Äußerungen im Laufe der Zeit immer unsachlicher und kränkender, bevor die Kritikwelle schließlich aufhört.

Der Begriff „Shitstorm“

In der deutschen Sprache ist mit dem Begriff eine Empörungswelle im Internet gemeint. Im englischen Sprachraum greift die Bezeichnung „shit storm“ deutlich weiter und meint grundsätzlich eine „unangenehme, unkontrollierbare Situation“. Die Gesellschaft für deutsche Sprache versuchte zeitweilig, den englischen Ausdruck mit der deutschen Entsprechung „Netzhetze“ zu ersetzen. In den deutschsprachigen Medien dominiert aber nach wie vor der englische Begriff. Populär wurde die Bezeichnung, nachdem der Internetexperte Sascha Lobo auf der Berliner Blogger-Konferenz „re:publica“ im Jahr 2010 einen Vortrag mit dem Titel „ How to survive a shitstorm “ („Wie man einen Shitstorm überlebt“) gehalten hatte.

Ein Beispiel für einen Shitstorm

Sascha Lobo hatte im Jahr 2009 einen Werbevertrag mit dem Mobilfunkunternehmen Vodafone. Gleichzeitig setzte sich der Autor und Journalist öffentlich gegen ein von der Politik geplantes Gesetz ein, das sogenannte Netzsperren erleichtern sollte: Unter bestimmten Umständen, so wollte es das Gesetzesvorhaben, würde es staatlichen Behörden nun schneller möglich sein, den Besuch von bestimmten Internetseiten unmöglich zu machen. Gegner – zu denen auch Sascha Lobo gehörte – befürchteten, dass der Staat damit Einfluss auf freie Meinungsäußerung nehmen könnte. Unter seinen Kritikern galt das Gesetzesvorhaben als undemokratisch.

Als bekannt wurde, dass ausgerechnet das Unternehmen Vodafone, für das Sascha Lobo warb, zu den Unterstützern dieses Gesetzesvorhabens gehörte, begann eine Welle der Empörung. Vor allem auf Facebook und Twitter, aber auch in den Kommentaren des seines eigenen Blogs erschienen eine Vielzahl von wütenden – teilweise rein beleidigenden – Äußerungen. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Phänomen der massenhaften Kritik von den berichterstattenden Medien noch nicht „Shitstorm“ genannt. So bezeichnete es erst Sascha Lobo rückblickend in seinem Vortrag.

Wie verhält man sich, wenn man Ziel eines Shitstorms wird?

Privatpersonen ohne öffentliche Bekanntheit werden im Normalfall kein Ziel von Shitstorms. Prominente, Unternehmen und Institutionen können dagegen durchaus im Mittelpunkt geballter Empörung stehen. Dabei ist es nicht einmal wesentlich, ob man selbst im Internet aktiv ist oder nicht: Auch wer keine eigene Facebook-Seite, keinen Twitter-Account und keinen eigenen Blog hat, kann zum Thema wütender Beiträge und Kommentare werden.

Im Grunde ist es deshalb durchaus anzuraten, im Internet Präsenz zu zeigen, um gegebenenfalls aktiv gegen falsche Behauptungen vorzugehen. Wer sich überhaupt nicht auf Internet-Plattformen bewegt, kann unwahre Vorwürfe auch nicht widerlegen.

Nicht immer ist Empörung unangemessen: Natürlich kann der Ursprung eines Shitstorms in berechtigter Kritik liegen. Dann haben die gleichen Grundsätze Bestand, die in jeder Krisenkommunikation gelten: Auf berechtigte Kritik folgt am besten eine authentische Auseinandersetzung mit dem Stein des Anstoßes, eine ehrlich gemeinte Entschuldigung, der Versuch einer angemessenen Wiedergutmachung und die glaubhafte Versicherung, denselben Fehler in Zukunft zu vermeiden.

In der englischen Sprache bedeutet "to mob" jemanden zu schikanieren. Grundsätzlich versteht man darunter verschiedene Formen der Belästigung, Rufs...

Zum Artikel

Sobald ein Shitstorm allerdings die Wendung nimmt, sich in rein beleidigende Schikane zu verwandeln, ist eine sachliche Auseinandersetzung nicht mehr möglich. Egal wie berechtigt die Kritik ursprünglich war, niemand muss sich unwidersprochen beschimpfen lassen. Es ist absolut legitim, darauf hinzuweisen, wenn in den kritischen Äußerungen keine sachlichen Argumente mehr vorkommen. Und sobald Beleidigungen oder sogar Drohungen gegen einzelne Personen richten, hat man selbstverständlich das Recht, Strafanzeige zu erstatten und die Polizei gegen die Urheber ermitteln zu lassen.

Kommentare

Zurück zur Übersicht