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Was ist Sexting?

Der Begriff Sexting setzt sich aus den beiden englischen Wörtern "sex" und "texting" zusammen. Vor allem Jugendliche tauschen über das Internet oder ein Smartphone intime Fotos oder Videos von sich oder anderen aus.

22.04.2016 10:00 | 1:27 Min | © Sat.1

Bei vielen Minderjährigen wird es als Beweis des Vertrauens oder der Treue angesehen, wenn sich die Partner (auch "Sexter" genannt) gegenseitig Nacktfotos schicken. Oft werden dafür Apps wie  Snapchat  verwendet, die ihren Nutzern versprechen, die Fotos schon nach wenigen Sekunden wieder vom Gerät zu löschen. Die Bilder werden aber lediglich ausgeblendet und nicht tatsächlich von der Festplatte des Smartphones oder Tablet-PCs entfernt.

Den Online-Dienst gibt es erst seit 2011. Trotzdem wird prophezeit, dass Snapchat dazu in der Lage sein kann, Facebook bei jungem Publikum den Rang...

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Sexting sollte man auf keinen Fall mit dem Versand anonymer, aber nicht selbst produzierter pornografischer Darstellungen verwechseln, das ist etwas anderes. Beim Sexting riskieren die Jugendlichen im wahrsten Sinne des Wortes stets ihre eigene Haut: Wenn die Beziehung nicht mehr funktioniert, besteht natürlich die Gefahr, dass die Fotos der “Sexter“ Monate später aus Wut, Eifersucht oder Enttäuschung an Dritte verschickt werden.

Wie kann ich mich schützen?

Die Gefahren beim Sexting sind sehr groß. Beziehungen von Jugendlichen sind im Vergleich zu Erwachsenen von vergleichsweise kurzer Dauer. Nach Ende der Partnerschaft besteht jeweils das Risiko, dass einer der Beiden peinliche Fotos in Umlauf bringen könnte.

Auf der Webseite der Schweizer Pro Juventute Stiftung gibt es eine Web-Applikation, die das eigene Facebook-Profil in Hinblick auf die Risiken von  Cyber-Mobbing  und Sexting untersucht. So werden die Privatsphäre-Einstellungen geprüft und Faktoren wie das eigene Alter, Geschlecht, die Anzahl der Kontakte, Fotos, Likes etc. in die Kalkulation miteinbezogen, um das eigene „Cyber-Risiko“ zu berechnen. Anschließend werden allen Lesern Tipps gegeben, wie man das eigene Facebook-Profil besser absichern kann.

Schicken sich Minderjährige derartige Nachrichten, Videos oder Bilder, dann ist das ohne Frage ihre private Angelegenheit. Bleiben die erotischen Nachrichten tatsächlich bei den beiden Beteiligten, spricht natürlich nichts dagegen. Dennoch ist es wichtig, dass sich alle Beteiligten über die Risiken im Klaren sind. Dazu gehört auch, dass man bei der technischen Übertragung der Fotos die Kontrolle über das Material verliert. Laut einer Studie der britischen "Internet Watch Foundation" (IWF) aus dem Jahr 2012 sollen 88 Prozent aller selbst generierten Fotos und Videos früher oder später auf fremden Webseiten auftauchen. Bei der Erhebung wurde das Internet systematisch nach über 12.000 Werken durchsucht um festzustellen, ob diese verbreitet wurden.

Häufig handelt es sich dabei um pornografische Webseiten, die mit fremden Inhalten Besucher für ihre Online-Werbung anlocken. Wie die Sexting-Inhalte dorthin gelangen konnten, geht aus der  Studie  leider nicht hervor.

Was kann ich nach dem Erhalt tun?

Verschickte und erhaltene Nacktfotos sollten sicherheitshalber sofort gelöscht werden. Nur so kann garantiert werden, dass das Material irgendwie in fremde Hände geraten kann. Eltern sollten ihren Kindern raten, das eigene Gesicht oder besondere Merkmale wie Muttermale oder Tattoos nicht abzulichten. Dann kann die Person im Nachhinein wenigstens nicht mehr identifiziert werden. Auch wenn der Ruf mangels Zuordnung weniger stark gefährdet ist, so bleibt der Vorfall für die Betroffenen genauso peinlich und schmerzhaft.

Wichtig: Vor dem Versand unbedingt mehrmals die Handynummer oder E-Mail-Adresse des Empfängers kontrollieren, an den man sextet. Damit vermeidet man, dass die anzüglichen Inhalte aus Versehen an die falschen Empfänger geraten können. Grundsätzlich haben derartige Bilder nichts auf Geräten zu suchen, die mit dem Internet verbunden sind. Sicherheitslücken im mobilen Betriebssystem des Smartphones oder Tablet-PCs können auch Monate später dafür sorgen, dass die Fotos unbemerkt an die Server von Cyberkriminellen verschickt werden. Danach hat man in den meisten Fällen keine Handhabe mehr, um die ungewollte Veröffentlichung im Internet einzudämmen. Erneut bewahrheitet sich der Grundsatz: die besten Daten sind keine Daten

Dramatische Folgen möglich

Das ungewollte Auftauchen oder Weiterleiten von Nacktfotos hat nicht nur die öffentliche Demütigung der dargestellten Person zur Folge. Wer derartige Fotos ohne Einwilligung verbreitet, verstößt gegen das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen und kann zivilrechtlich belangt werden. Der Anwalt des Opfers kann dem Täter eine kostenpflichtige Abmahnung schicken. Oftmals wird der Abmahnung eine strafbewehrte Unterlassungserklärung beigefügt. Der Täter verpflichtet sich damit, unter Androhung einer hohen Geldstrafe seine Tat nicht zu wiederholen.

„Sexter“ im Alter von unter 18 Jahren bewegen sich auch dann auf dünnem Eis, wenn beide Personen minderjährig sind. Auch wenn keiner der Beteiligten volljährig ist, kann die Aufbewahrung des Schnappschusses vor Gericht im Extremfall als Kinderpornografie ausgelegt werden. In dem Fall wäre das Motiv sogar strafrechtlich relevant.

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