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Social Betting – Wetten mit sozialem Hilfsfaktor?

Tipico, bwin und Interwetten – spätestens seitdem Wettanbieter auch im Breitensport Einzug gehalten haben und die bekanntesten Vereine aus dem Fußball finanziell unterstützen, sind Wetten salonfähig geworden. Nun machen aber Wetten ganz anderer Art der Glücksspielbranche Konkurrenz. Social Betting nennt sich das neue Konzept, bei dem Freunde und Fremde in eigenen und oftmals kuriosen Wetten gegeneinander antreten.

Freunde freuen sich gemeinsam über eine Social Bet.
© Antonio Guillem – 457413151 / Shutterstock.com

Der Sportwettenmarkt boomt - nicht zuletzt ist dies auch die Entwicklung des mobilen Internets zurückzuführen. Eine Wett-App zählt heute ganz selbstverständlich zum Standard-Repertoire vieler sportbegeisterter Fans, vor allem beim Fußball . Die Glücksspielbranche freut es, denn seit 2012 sind die Umsätze im Sportwettenbereich auf knapp fünf Milliarden Euro pro Jahr angestiegen.

Zum anderen ist der Grund in der neugewonnenen Popularität und Akzeptanz für Glücksspiel auch in den zahlreichen Marketingoffensiven der Online-Buchmacher zu finden. Von bet-at-home bis zu Tipico treten die zahlungskräftigen Unternehmen mittlerweile als Geldgeber für internationale, aber auch deutsche Fußballvereine auf.

Und auch weil prominente Stars wie die Spieler von Real Madrid, Bayern München oder auch alt eingesessene Legenden wie Oliver Kahn als Testimonials herhalten, lassen sich immer mehr Menschen für Sportwetten begeistern. Angesichts zahlreicher Internetportale, die sich mit Sportwetten und Prognosen beschäftigen , liegen die Erfolgsaussichten auch gar nicht so schlecht.

Die erinnerungswürdigsten Wetten aus dem Fußball:

  • Kurios: Eine Million Pfund schrieb der Wettanbieter „BetVictor“ vor dem EM -Finale zwischen Portugal und Frankreich 2016 aus. Die Bedingung: Torschütze und Minute mussten vom Tipper exakt bestimmt werden. Tatsächlich gelang dies einem 32-jährigen Briten, der auf Portugals Eder in der 84. Minute tippte.
  • Verzockt: Mit dem Champions-League-Titel 2015 trägt sich Leicester City in die Geschichte ein. Vor der Saison lag die Quote bei vielen Buchmachern bei 5000:1 für den Tipp, dass „The Foxes“ am Ende den Titel holen. Ein Börsenspekulant erlaubte sich den Scherz, vor der Saison 50 Pence auf Leicester zu setzen, ließ sich den Gewinn aber bereits nach dem ersten Sieg der Saison auszahlen. Das Plus: 45 Pence. Hätte der Tipper bis zum Ende durchgehalten, wäre er nun um 2.500 Pfund reicher. Er wird es wohl verkraften.
  • Echte Fanfeindschaft: FC Liverpool gegen Borussia Dortmund lautete eine der denkwürdigsten Europa-League-Begegnungen der letzten Saison, auch weil der ehemalige BVB-Trainer Jürgen Klopp als neuer Reds-Coach nun beim englischen Traditionsverein auf der Bank saß. Ein Schalke-Fan wettete in einer Live-Wette in der 60. Minute beim Stand von 3:1 für die Borussen auf einen Sieg des FC Liverpool. Sein Einsatz betrug stolze 700 Euro. Am Ende gewannen die Reds tatsächlich noch mit 4:3 und der Schalke-Fan durfte sich über einen Gewinn von 35.000 Euro freuen.

Nun geht aber ein gänzlich neues Phänomen viral: Social Betting. Bei diesem neuen Wettkonzept werden Wetten nicht von kommerziellen Unternehmen gestellt, sondern von Privatpersonen definiert. So können beispielsweise Freunde untereinander individuelle Wetten und Wetteinsätze festlegen. Aber wozu das Ganze?

Spaß und Spenden für einen guten Zweck

Mit dem neuen Wettprinzip hoffen Anbieter wie beispielsweise thesocialbet.com vor allen Dingen auch diejenigen für Wetten begeistern zu können, die nicht zur klassischen Zielgruppe der Sportwettenanbieter zählen. Auch dies ist ein Grund, weswegen zwar auch auf Sportereignisse wie die Champions League getippt werden kann, allerdings stehen auch eSports-Events wie die Meisterschaft in League of Legends oder ganz individuelle Wetten wie die „ Marco Wagner Challenge “ auf dem Programm.

Beim Social Betting handeln die Teilnehmer die Quoten individuell untereinander aus. Die Plattformen, die Social Betting anbieten, behalten in der Regel einen geringen Prozentsatz des Gewinnbetrages ein, der dem Gewinner allerdings nicht allzu wehtun dürfte. Auf diesem Prinzip beruht auch das Konzept des mittlerweile sehr erfolgreichen Londoner Start-up Smarkets .

Ein gänzlich anderes Spielprinzip steht hinter Projekten, welche die soziale Komponente beim Social Betting noch etwas genauer nehmen.

Bei teilweise doch sehr kuriosen Wetten wie dem „Zitronenbeißer“ müssen Kontrahenten zum Teil Mut, zum Teil aber ihren Sinn für Selbstironie unter Beweis stellen. Der Spaß steht bei diesen Wetten selbstverständlich im Vordergrund, hat durchaus aber auch einen ernsten Hintergrund, wie das Start-up-Projekt „pardonate“ 2015 unter Beweis stellte.

Auch hier werden individuelle Wetten von Menschen und Freundesgruppen aus allen Regionen zusammengetragen. Der Gewinner spendet seinen gesamten Gewinn allerdings grundsätzlich an eines der vielen Projekte, die vom Anbieter unterstützt werden. Auf diese Weise gab es gleich mehrere Gewinner und der Begriff „Social Betting“ wird seinem Namen etwas mehr gerecht.

Die Faszination Wettkampf

Das Geheimnis des Erfolgs von Social Betting liegt wohl auch darin, dass insbesondere kuriose Wetten innerhalb von wenigen Stunden ein Millionenpublikum erreichen können. Dies wird beispielsweise auch von Unternehmen genutzt, um marketingstrategische Ziele zu erreichen, so geschehen bei einer Wette zwischen einer Studentin und dem Reiseunternehmen Neckermann. Erstere durfte sich im Nachhinein über eine kostenlose Reise freuen. Neckermann profitierte hingegen von deutschlandweiter Aufmerksamkeit.

Facebook-Post über Neckermann-Wette
Bild: 74.315 Likes innerhalb von 14 Tagen musste Yeliz Kaya erhalten. Die Wette gewann die Studentin und durfte sich über eine Reise ihrer Wahl freuen. Bildquelle: Screenshot von facebook.com
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© Pixabay

Neben den durchaus attraktiven Gewinnen und Vorteilen für beide Wettteilnehmer üben Wetten und die damit einhergehenden Wettbewerbe selbstverständlich eine ganz eigene Faszination aus, die übrigens insbesondere Männer anspricht. Dies zumindest fand eine Studie der Aalto-Universität Helsinki heraus.

Der Studie zufolge rufen Konkurrenz- und Wettbewerbsdenken vor allem bei der männlichen Spezies positive Gefühle hervor. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Frauen gegenüber Wettbewerb negativ eingestellt sind. Zumindest innerhalb der Studie gab es keinen Unterschied in den affektiven Reaktionen zwischen Kooperation und Wettbewerb.

Gute Voraussetzungen also für die Social-Betting-Branche, die direkt auf den natürlichen Wettbewerbstrieb des Menschen abzielt. Wie tief Egoismus und Rivalität im menschlichen Denken verankert sind, beweist auch ein Experiment der Harvard School of Public Health. Hier wurden Absolventen der Schule die Frage gestellt, ob sie lieber

  • 50.000 Dollar Jahreseinkommen erzielen möchten, während der Durchschnitt nur 25.000 Dollar verdient, oder
  • lieber 100.000 Dollar Einkommen erzielen wollen, obwohl sich der Gehaltsdurchschnitt allerdings bei 200.000 Dollar bewegt.

Und die Antwort? Die meisten Teilnehmer der Umfrage würden lieber absolut weniger verdienen, solange sie mehr verdienen als andere Menschen. Dabei könnte sich jeder mit 100.000 Dollar Jahresgehalt in prinzipiell ein doppelt so kostspieliges Leben leisten, als es mit lediglich 50.000 Dollar Jahreseinkommen möglich wäre. Doch geht es um Konkurrenz und Wettbewerb, denkt der Mensch eben nicht rational. Vielleicht liegt auch darin der große Reiz beim Social Betting.

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