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Der Winterschlaf des Stacheltieres

Tiere: Igel und Winterschlaf

IgelWinterschlafquartier
© Bild: JASON STEEL/shutterstock.vom

Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit ziehen sich gesunde Igel in den Winterschlaf zurück. In einem kugelförmigen, gut isolierten Nest rollen sie sich zu einer Stachelkugel zusammen und verschlafen den Winter. Fünf bis sechs Monate verbringen die kleinen Tiere in diesem Zustand, um im Frühling wieder aktiv zu werden. Doch was hat es mit dem Winterschlaf auf sich?
                        

Gründe für den Winterschlaf

Der hauptsächliche Grund für den Winterschlaf der Igel liegt in einem deutlich abnehmenden Nahrungsangebot  mit dem Eintreten des Herbstes. Nach und nach verschwinden mit Käfern und anderen Insekten die typischen Beutetiere des Igels.

Das Stachelkleid des Igels ist zwar ein wirksamer Schutz vor Angreifern, hat aber den entscheidenden Nachteil schlechter Wärmeisolierung im Rückenbereich. Um die notwendige Mindestkörpertemperatur aufrechtzuerhalten, besteht ein hoher Energiebedarf, der mit dem eingeschränkten Nahrungsangebot nicht mehr gedeckt werden kann. Verminderte Tageslichtdauer, sinkende Temperaturen und hormonelle Veränderungen im Körper sind weitere Faktoren, die die Winterschlafbereitschaft des Igels fördern.

Wie läuft der Winterschlaf ab?

Hat der Igel sich ein ausreichendes Fettpolster angefressen, ist er bereit, sich in den Winterschlaf zu begeben. Jungtiere sind dabei deutlich kleiner als erwachsene Igel. Ihr Körpergewicht beträgt nur etwa die Hälfte von ausgewachsenen Igel. Sieht man also im Herbst noch einen besonders kleinen Igel, muss es sich nicht automatisch um ein krankes oder schwaches Tier handeln. Die Igelmännchem gehen zuerst schlafen, das kann schon Anfang Oktober der Fall sein. Weibchen folgen etwas später, da sie mit der Aufzucht der Jungen länger beschäftigt sind. Die Jungtiere benötigen am längsten, um sich ihr Fettpolster zuzulegen und schlafen zuletzt ein.

Während des Winterschlafs rollen sich die Igel zu einer Stachelkugel zusammen und verharren über mehrere Monate in dieser Haltung. Stoffwechselfunktionen werden auf ein Mindestmaß reduziert: Herzrhythmus und Atemfrequenz verringern sich auf einen Bruchteil der normalen Werte und auch innere Werte wie Blutzuckerspiegel oder Hormonhaushalt unterliegen drastischen Veränderungen. Die Körpertemperatur gleicht sich der Umgebungstemperatur an. Erst bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt wird der Stoffwechsel etwas angekurbelt, um Wärme zu produzieren und den Igel vor dem Kältetod zu bewahren.

Der Einschlafvorgang dauert etwa fünf bis sechs Stunden. Während des Schlafs zehrt der Igel von dem Fettpolster, das er sich in den Sommermonaten angefressen hat. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Igel während der Winterschlafperiode kurzzeitig aufwachen. In der Regel bleiben sie dann in ihrem Nest und schlafen bald wieder ein. Mitunter sind sie aber auch für einige Tage aktiv und verlassen dabei ihr Nest. Das endgültige Aufwachen des Igels wird im Frühling durch dauerhafte Temperaturen um die 10 °C eingeleitet und dauert etwa fünf bis sechs Stunden. Stark erhöhte Herz- und Atemfrequenz werden begleitet durch intensive Muskelzuckungen, besonders in den Beinen. Während des Aufwachvorgangs wird sehr viel Energie verbraucht. Der Körper greift dafür auf das spezielle "braune Fett" zurück, das im Schulterbereich angesammelt wurde. Während des gesamten Winterschlafs verliert ein Igel bis zu 30 Prozent seines Körpergewichts.

Übrigens soll man auch Igeln, die man im Herbst zur Pflege aufgenommen hat, die Möglichkeit zum Winterschlaf geben, sobald sie ihr normales Körpergewicht erreicht haben. Nähere Informationen zur Pflege schwacher, verletzter oder kranker Igel bietet unser Bericht "Igel gefunden" .

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