Ratgeber

Welche Art Strom wird erzeugt, welche verbraucht?

Der Strommix in Deutschland

Strom, der durch die deutschen Leitungen fließt, stammt nicht aus einer einzigen Quelle. Vielmehr ist es so, dass dieser Strom aus unterschiedlichen Kraftwerken kommt. In Deutschland wird der Strom sowohl aus herkömmlichen als auch aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt und in das Netz eingespeist. Sie als Endverbraucherin bzw. Endverbraucher bekommen hiervon in aller Regel nichts mit. Es ist jedoch interessant zu erfahren, woher der Strom aus der Steckdose ursprünglich stammt und wie sich dieser letzten Endes zusammensetzt.

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Zu welchem Anteil wird in Deutschland Strom erzeugt?

In Deutschland wird Strom nicht zu gleich großen Teilen von den einzelnen Kraftwerken bzw. aus den Energiequellen bezogen. Hier gibt es deutliche Unterschiede bei der Erzeugung, auf die auch der Gesetzgeber Einfluss nimmt.

Die aktuelle Stromverteilung in Deutschland

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Zahlen zur Stromverteilung gibt das Statistische Bundesamt heraus. Aktuell liegt die Erhebung für 2013 vor. So war es 2013 so, dass die Mehrheit des deutschen Stroms aus Braunkohle gewonnen wurde (25,4 Prozent), dicht gefolgt von den erneuerbaren Energieträgern (24,1 Prozent). Hierbei spielte vor allem die Windkraft eine große Rolle (8,1 Prozent), aber auch die Gewinnung aus Biomasse (6,5 Prozent), aus Photovoltaik (4,9 Prozent) sowie aus Wasserkraft (3,6 Prozent). Einen im Vergleich eher geringen Teil brachte die Stromerzeugung aus Hausmüll (0,9 Prozent) ein.

Neben den erneuerbaren Energien war 2013 außerdem die Stromerzeugung aus Steinkohle (19,2 Prozent) wichtig sowie aus Kernenergie (15,4 Prozent) und Erdgas (10,7 Prozent). Mineralölprodukte machten lediglich einen Anteil von 1,1 Prozent aus. Auf die übrigen Energieträger, wie zum Beispiel auf private Anlagen, entfiel ein Anteil von 4,1 Prozent.

Strom nach Bundesländern: Wo gibt es wie viel Stromerzeugung?

Nicht in jedem Bundesland wird gleich viel Strom erzeugt. Auch die Art, wie Strom gewonnen wird, unterscheidet sich von Region zu Region. Hierzu liegen die Daten des Statistischen Bundesamtes von 2012 zugrunde. Daraus geht hervor, dass die Energiegewinnung durch Kohlekraftwerke in den Bundesländern Saarland, Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Bremen dominiert. Hier wird die große Mehrheit des Stroms aus Kohlekraft bezogen. In Berlin macht Kohlekraft ein bisschen mehr als die Hälfte aus, in Hamburg kommt die Erzeugung auf fast die Hälfte.

In Bayern dominiert hingegen die Gewinnung aus Kernenergie und auch in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Niedersachsen wird ein nicht unerheblicher Anteil aus Kernenergie gewonnen. Alle übrigen Bundesländer erzeugen hingegen keine Energie aus Kernkraftwerken.

Mit mehr als 50 Prozent spielt Erdgas vor allem in Rheinland-Pfalz eine große Rolle, in Berlin macht diese Art der Erzeugung immerhin fast die Hälfte aus. Weitere nicht unerhebliche Mengen Strom aus dieser Quelle werden in der Bundesrepublik in Hamburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen gewonnen.

In Thüringen, Hamburg und Bremen stammt ein größerer Teil der Energiegewinnung aus sonstigen Bezugsquellen. Anders sieht es da in Mecklenburg-Vorpommern aus, denn dort gibt es keine solchen Fremdquellen, zum Beispiel durch private Produktionen.

Dafür spricht sich insbesondere Mecklenburg-Vorpommern für erneuerbare Energien aus, denn dort wird mehr als die Hälfte des Stroms aus den regenerativen Energien erzeugt. Auch in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen kommen weitere größere Mengen an Stromerzeugungen aus erneuerbaren Energien zusammen. Auffällig ist, dass dies die einzige Form der Stromgewinnung in Deutschland ist, die in allen Bundesländern ausgeführt wird.

Gesetzesänderungen beeinflussen die deutsche Stromerzeugung

Dass in Deutschland immer häufiger auf erneuerbare Energien gesetzt wird, ist allerdings kein Zufall. Vor allem Gesetzesänderungen beeinflussen die deutsche Stromerzeugung. In jüngster Vergangenheit sorgte das Erneuerbare-Energien-Gesetz für ein Umdenken innerhalb der Stromgewinnung. Die Bundesrepublik möchte die Erzeugung des Stroms durch erneuerbare Energien bis zum Jahr 2050 auf einen stolzen Anteil von mindestens 80 Prozent erhöhen. Dies sorgte zuletzt dafür, dass immer mehr Geld in regenerative Anlagen, wie zum Beispiel Windkraft- oder Solaranlagen, gesteckt wurde.

Gleichzeitig bedeutet das auch den Rückgang herkömmlicher Stromgewinnungen, wie zum Beispiel der Kernkraft. Dies hat vor allem sicherheitstechnische sowie umweltschonende Gründe.

Tendenzen im Strommix – was die Zukunft bringt

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Das Erneuerbare-Energien-Gesetz schlägt sich auch zukünftig im Strommix nieder. Das zeigen unter anderem die vorläufigen Zahlen der Bruttostromerzeugung 2014. Hier nahm der Strom aus erneuerbaren Energien mit 26,2 Prozent die Mehrheit der Gewinnung ein und übertraf damit sogar die Erzeugung durch Braunkohle, welche erneut bei 25,4 Prozent lag. Es folgt schließlich, wie aktuell auch, die Gewinnung durch Steinkohle (17,8 Prozent), Kernenergie (15,8 Prozent), Erdgas (9,5 Prozent) sowie die übrigen Energieträger mit 4,3 Prozent und die Mineralölprodukte mit einem Prozent.

Zu welchem Anteil wird in Deutschland welche Art Strom verbraucht?

Deutschland verbrauchte 2014 insgesamt 13.077 Petajoule (PJ) an Primärenergie. Am häufigsten wird dabei Energie aus Mineralöl verbraucht (35 Prozent), gefolgt von Erdgas (20,4 Prozent). Hinzu kommt der Verbrauch an Steinkohle (12,6 Prozent), Braunkohle (12 Prozent) sowie Kernenergie (8,1 Prozent). Andere Energieträger machten lediglich 0,7 Prozent aus, wohingegen 11,1 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammten.

Passt die Erzeugung zum Verbrauch?

Bei der Energiegewinnung sowie dem -verbrauch unterscheiden die Konzerne in Primär- sowie Bruttozahlen. Bei der Primärenergie handelt es sich um die Beträge, auf die noch Verluste entfallen, zum Beispiel durch einen Umwandlungsprozess. Zieht man diese ab, ergab sich 2013 in Deutschland ein Bruttoverbrauch von rund 600 Terawattstunden, dem eine Bruttostromerzeugung von circa 634 Terawattstunden gegenüberstand. Dadurch ist schnell klar, dass die Erzeugung höher ist als der tatsächliche Stromverbrauch in Deutschland. Aus diesem Grund kann Deutschland den Stromverbrauch selbst abdecken, importiert allerdings trotzdem Strommengen hinzu. Zusätzlich dazu baut die Bundesrepublik den Export immer stärker aus.

Was zunächst verwirrend klingt, ist absolut logisch. So findet der Import nicht aufgrund eines Mangels an Strom statt, sondern vielmehr als eine feste Größe innerhalb des Strommarkts . Die Konzerne könnten sich zum Beispiel für einen Import entscheiden, weil der Kostenpunkt für die jeweilige Energie an der Strombörse niedrig ist.

Die Jahresrichtwerte für den Stromverbrauch in Deutschland finden Sie hier.

Welche Art von Strom wird importiert? Welche exportiert?

Im Jahr 2014 hat Deutschland circa 34,9 Terawattstunden Strom exportiert. Diese Zahl konnte Deutschland erhöhen, denn sie lag 2010 bei gerade einmal 17,6 Terawattstunden. Mit dem neuen Wert hat die Bundesrepublik einen Rekord aufgestellt. Die größten Mengen an Stromenergie lieferte das Land dabei in die Schweiz, nach Österreich und in die Niederlande. Vor allem Kohle- sowie Kernenergie gibt Deutschland dabei immer häufiger ans Ausland ab. Grund hierfür ist nicht zuletzt das Erneuerbare-Energien-Gesetz.  

Zusätzlich dazu importiert die Bundesrepublik auch Strom, der meist aus Frankreich, Dänemark sowie der Tschechischen Republik stammt, wie zum Beispiel Kernenergie. Insgesamt wird in Deutschland allerdings mehr Strom exportiert als importiert.

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