Ratgeber

Gashandel an der Energiebörse

Wie kommt der Gaspreis zustande?

Der deutsche Gaspreis besteht aus vielen unterschiedlichen Faktoren, wobei der Handel eine wichtige Position einnimmt. Denn an dieser Stelle entsteht der Einkaufspreis, auf den die Unternehmen weitere Kostenpunkte aufschlagen müssen. Hierunter zählen zum Beispiel Steuern. In Deutschland handeln die Konzerne mit tagesaktuellen und planbaren Gasmengen. Dabei spielt die Energiebörse in Leipzig eine immer größere Rolle. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie der Handel von Gas im Einzelnen aussieht und wie sich daraus schließlich der Endpreis ergibt, den Sie als Kundin bzw. als Kunde später auf Ihrer Rechnung sehen.

Strom- und Gaspreis
© Pixabay

Gas wird zunehmend an der Energiebörse gehandelt

Seit 2007 handeln die Konzerne mit Erdgas an der Börse, wie der Leipziger Energiebörse, der „European Energy Exchange“, kurz EEX genannt. An dieser Börse verhandeln die Stromerzeuger bereits fünf Jahre länger, dennoch zeigt die Tendenz klar, dass auch Gasmengen an der Energiebörse immer mehr gefragt sind. 

Wer handelt wo mit wem?

Der Gashandel wird nicht ausschließlich über die Leipziger Börse abgewickelt. Vor 2007 und auch noch aktuell ist es so, dass ein Teil des Handels über Langzeitverträge abgeschlossen wird. Diese laufen teilweise über mehrere Jahrzehnte und sind damit nicht flexibel. Das entspricht allerdings nicht der Realität, denn viele Kundenverträge sind flexibel ausgelegt. So ist es etwa üblich, dass Endverbraucherinnen und Endverbraucher nur die Menge an Gas beziehen, die sie auch tatsächlich verbrauchen. Gibt es beispielsweise einen milden Winter, wird in der Regel weniger Gas benötigt als sonst.

Aus diesem Grund sind vor allem kurzfristige Lösungen immer gefragter. Auf diese Weise können die Händler überschüssige Gasmengen schnell in Liquidität verwandeln. Im Umkehrzug erhalten Konzerne, die zu wenig Gasmengen haben, zusätzliches Erdgas, was sie wiederum an ihre Kundinnen und Kunden weiterleiten. Ist der kurzfristige Handel von Gasmengen gemeint, sprechen die Konzerne auch von sogenannten Gashubs. Diese werden vor allem an der Börse gehandelt, wie der in Leipzig.

Welche Faktoren beeinflussen den Handel?

Ein wichtiger Faktor im Handel mit Gas ist die Ölpreisbindung. Es handelt sich dabei um eine interne Vereinbarung innerhalb der Gasbranche, ein offizielles Gesetz hierüber gibt es nicht. Und dennoch ist die Preisbindung ein Faktor, der den Endpreis beeinflusst. Ursprünglich war es geplant, dadurch die Kosten für Endverbraucherinnen und -verbraucher so stabil wie möglich zu halten. Bei der Regelung wird der Gaspreis nämlich immer an den Ölpreis angelehnt, wodurch eine konstante Berechnung entstehen soll.

Das ist inzwischen nicht mehr der Fall, weil sich auch Zwischenhändler auf die Preisbindung beziehen und als Grundlage verschiedene Rohstoffpreise heranziehen. Dadurch steigt der Erdgaspreis bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Der Bundesgerichtshof hat diese Regelung 2010 eingeschränkt, allerdings nur zwischen dem Versorger und den Endkunden. Aus diesem Grund ist die Ölpreisbindung bei Importeuren und Stadtwerken nach wie vor ein großes Thema. Allerdings gibt es auch Anbieter, die explizit mit der Unabhängigkeit vom Ölpreis werben.

Welche direkten Abhängigkeiten gibt es?

Neben diesen Faktoren spielen Abhängigkeiten innerhalb der Gasbranche eine zentrale Rolle. So ist es beispielsweise so, dass es in Europa nur wenige große Produzenten gibt. Zu nennen sind hier vor allem Gazprom aus Russland, Gasunie aus den Niederlanden sowie Statoil aus Norwegen. Allein aus Russland stammt mehr als ein Drittel unseres Gases.

Doch auch innerhalb Deutschlands kann je nach Wohnort von einem Monopol gesprochen werden, da es nicht ausreichend Anbieter gibt. Dadurch gibt es keinen so großen Wettbewerb, wie es zum Beispiel am Strommarkt der Fall ist. Solche Abhängigkeiten schlagen sich ebenfalls im Preis nieder, weshalb eher eine steigende Tendenz in der Preisentwicklung wahrzunehmen ist.

Insbesondere durch solche Monopolbildungen in der deutschen Gasbranche zahlen Verbraucherinnen und Verbraucher bis zu 20 Prozent mehr als es im europäischen Ausland der Fall ist. Grund ist hier vor allem der fehlende Wettbewerb zwischen den Konzernen.

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So kommt der Endpreis zustande

Der Preis, der an der Energiebörse oder in den Langzeitverträgen festgesetzt wird, ist nicht der Endpreis. Auf diese Summe entfallen weitere Kostenpunkte. Zusätzlich dazu gibt es vor allem globale Entwicklungen, die den Gaspreis hierzulande positiv wie negativ beeinflussen.

Welche weiteren Faktoren bestimmen den Gaspreis?

gas-endpreis-pixabay
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In erster Linie setzt sich der Gaspreis aus drei wesentlichen Faktoren zusammen: aus den Kosten sowie dem Gewinn der Gasversorger, den Steuern an den Staat und den Nutzungsgebühren an die Netzbetreiber. Die Gasversorger behalten dabei rund die Hälfte der Beiträge ein, wohingegen die andere Hälfte jeweils zu ungefähr gleichen Teilen an die Netzbetreiber sowie den Staat abgegeben wird. Die Netzbetreiber verlangen je nach Standort ganz verschiedene Preise, die sich um bis zu 600 Prozent voneinander unterscheiden.

Das sind allerdings nur die Werte, die auf den ersten Blick erkennbar sind. Weitere Faktoren, wie etwa globale Entwicklungen, spielen beim Gaspreis ebenfalls eine Rolle. Hier sind vor allem Krisen und Kriege zu nennen, die indirekt Einfluss auf den Gaspreis nehmen. Als Beispiel wäre hier die Ukraine-Krise zu nennen. Gashändler haben in diesem Zeitraum vermehrt größere Mengen Gas eingekauft, da sie sich vor Preissprüngen gefürchtet haben.

Hinzu kommt, dass sich Russland künftig stärker auf den asiatischen Markt konzentrieren möchte. Das ist bereits ersichtlich, da Gazprom europäische Projekte gekappt hat. Die EU-Kommission plant allerdings, dass alle EU-Mitgliedsstaaten in Zukunft als ein Handelspartner auftreten sollen.

Welche Mechanismen und Zielsetzungen stehen dahinter?

Durch die Änderungen möchte die Europäische Union stärker gemeinsam auftreten. Diese Entwicklung soll vor allem bei Gaslieferungen helfen, einheitliche Konditionen zu schaffen. Gazprom hat sich hierzu bereits geäußert und versucht, sich an den gemeinsamen Standards zu orientieren. Allerdings hat Russland auch darauf hingewiesen, dass Gas dadurch teurer werden könnte.

Grund ist, dass sich Gazprom bei einer solchen Regelung am Lieferpreis für den teuersten Mitgliedstaat orientiert. Deutschland wird derzeit allerdings relativ günstig mit Gas beliefert, weshalb dies eine Erhöhung der Gasrechnung für die Kundinnen und Kunden zur Folge haben könnte. Die EU-Kommission hat Gazprom jedoch bereits ins Visier genommen und will ein Milliardenbußgeld verhängen. Grund ist, dass der russische Energiekonzern seine Marktmacht in EU-Ländern missbraucht haben soll.

In Zukunft möchte die EU-Kommission auch den Gashandel zwischen anderen Ländern und der Europäischen Union überwachen. Dadurch verspricht sich die Kommission langfristig bessere Vertragsbedingungen und -konditionen. Außerdem möchte sie durch eine solche Regelung gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen.

Grundsätzlich ist anzumerken, dass trotz aller Einflüsse die Gasversorgung in Deutschland sehr sicher ist, selbst wenn große Lieferanten wie Russland die Zufuhr stoppen würden. Die deutschen Erdgasspeicher sind zu mehr als 60 Prozent gefüllt, sodass Deutschland Gas-Engpässe problemlos überbrücken kann.

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