Ratgeber

Gewinnung, Transport und Einspeisung

Wo kommt das in Deutschland verbrauchte Gas her?

Für viele Endkundinnen und Endkunden ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich, wo das verbrauchte Gas in Deutschland herkommt. Fest steht, dass nur die geringsten Mengen an Gas tatsächlich aus der Bundesrepublik selbst stammen. Die große Mehrheit der Energie kommt aus dem Ausland und wird importiert. Dieses Gas dient in erster Linie dazu, um im Winter oder an kalten Tagen zu heizen. Damit das Gas überhaupt ins Landesinnere gelangt, müssen in- und ausländische Unternehmen Lieferverträge schließen sowie Systeme überwachen. Woher das Gas genau stammt und wie es schließlich durch unsere Leitungen fließt, zeigen wir Ihnen in diesem Artikel.

Pipeline
© Pixabay

Wer liefert Gas nach Deutschland?

In Deutschland gibt es einige wenige Hauptlieferanten, die zu einem Großteil zu der deutschen Gasversorgung beitragen. Jeder einzelne Lieferant hat andere Lieferwege, Bedingungen und trägt unterschiedlich viel zum Gasvorrat bei.

Wer schließt mit wem Lieferverträge?

Das Gas wird in aller Regel von Unternehmen angeboten und von diesen auch verkauft. Diese leiten das Gas dann weiter und überwachen den reibungslosen Ablauf. Bei diesen Unternehmen ist es jedoch so, dass diese zu einem Großteil in staatlicher oder staatsnaher Hand liegen, weil zum Beispiel Beteiligungen am Unternehmen vorliegen. Das ist unter anderem bei dem weltweit größten Erdgasunternehmen Gazprom aus Russland der Fall. Da die Mehrheit des Konzerns dem Staat gehört, ist dieser auch für strategische Ziele verantwortlich.

Gerade weil Gas nicht ausschließlich privatwirtschaftlich, sondern durchaus staatlich gehandelt wird, machen sich viele Verbraucherinnen und Verbraucher Sorgen. Sie fragen sich, ob der Gashahn womöglich abgedreht werden könnte, da diese Energie bereits häufig als politisches Druckmittel eingesetzt wurde.

Das ist jedoch äußerst unwahrscheinlich, da Deutschland zum einen die größten Erdgasspeicher innerhalb Europas besitzt. Hiermit könnte Deutschland vor allem während eines milden Winters mehrere Wochen ohne zusätzlich eingekauftes Gas auskommen. Zum anderen gibt es lange Lieferverträge, die zwischen den Unternehmen abgeschlossen werden und bislang immer bestand hatten – selbst während des Kalten Krieges.

Wer ist an der Gasversorgung in Deutschland beteiligt?

An der deutschen Gasversorgung sind im Wesentlichen drei Länder bzw. Unternehmen beteiligt. Hierzu zählen Russland, Norwegen und die Niederlande. Gemeinsam decken sie rund 88 Prozent des deutschen Erdgases ab. Der Rest stammt aus heimischen Quellen, die allerdings nur rund 9 Milliarden Kubikmeter Gas aufbringen können. Dem gegenüber stand im Jahr 2014 allerdings ein Erdgasverbrauch von rund 84 Milliarden Kubikmeter innerhalb Deutschlands.

Um diese Mengen aufbringen zu können, gibt es Lieferanten aus Europa, die Deutschland vorrätig mit Gas beliefern. Eine Übersicht:

  • Russland: Gazprom ist mit einem Anteil von knapp 40 Prozent maßgeblich an der deutschen Gasversorgung beteiligt. Das russische Unternehmen „OOO Gazprom Export“ exportiert das Erdgas an die Tochterfirma „Gazprom Germania GmbH“ in Deutschland. Diese verkauft das Gas dann hauptsächlich weiter.
  • Norwegen: Statoil trägt mit rund einem Drittel zur Gasversorgung in Deutschland bei. Der Hauptkonzern aus Norwegen „Statoil ASA“ liefert das Gas an die Tochterfirma „Statoil Deutschland GmbH“. Von dort aus sorgen die Norweger mit der „Statoil Deutschland Storage GmbH“ unter anderem für das Speichergeschäft. Mit der „jordgasTransport GmbH“ kümmern sie sich außerdem um den Transport.
  • Niederlande: Gasunie deckt Deutschland zu rund einem Fünftel mit Gas ab. Die Tochterfirma „Gasunie Deutschland“ des niederländischen Mutterkonzerns ist nicht nur für das Management und den Betrieb zuständig, sondern auch für den Ausbau der Fernleitungsnetze.

Kennen Sie schon die günstigen Strom- und Gastarife powered by SAT.1 ?

Wie kommt das Gas in die deutschen Haushalte?

Das Gas gelangt meist über ein Pipelinesystem nach Deutschland und von den Speichern schließlich in die Leitungen. Eine andere Variante ist der Transport per Tank und auf dem Schiffsweg, was jedoch nur mit Flüssiggas möglich und in Deutschland nicht üblich ist. Der Weg, den das Gas von der Förderung über die Lieferung bis hin zur Netzeinspeisung zurücklegt, ist in der Regel gleich. Die unterschiedlichen Lieferländer bedienen sich lediglich anderer Fördergebiete und gehen technisch anders vor. Auch wie viel Erdgas die Konzerne an einem Standpunkt gewinnen können, ist recht unterschiedlich.

Gazprom aus Russland

Russland hat die größten Erdgasvorräte der Welt. Eine der bedeutendsten Gasfördergebiete Russlands liegt in der Region Nadym-Pur-Taz im „Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen“, einer Verwaltungseinheit im Norden Russlands. Die Kapazität allein dort beträgt rund 33 Milliarden Kubikmeter. Gelieferte Mengen gelangen durch den deutsch-polnischen Grenzübergangspunkt Mallnow in das Ferngasnetz nach Deutschland. Außerdem spielt das Ukraine-Leitsystem eine große Rolle. Es umfasst eine Kapazität von rund 120 Milliarden Kubikmetern, weshalb etwa die Hälfte der russischen Erdgasexporte auf diese Weise nach Europa gelangt. Über die deutsch-tschechische Grenze kommt das Erdgas dann über eine Pipeline ins bayerische Waidhaus.

Neben diesen Pipelines sind weitere Ausbauten sowie Entwicklungen in Planung. Eine Besonderheit stellt außerdem die Nord-Stream-Pipeline dar, welche es ermöglicht, das Erdgas direkt aus Russland zu beziehen. Das Erdgas kommt durch die Pipelines über die Ostsee und mündet dann nahe Greifswald in die Speicherstätten.

Statoil aus Norwegen

Norwegen verfügt über drei wesentliche Pipelines, über die es Deutschland mit Gas versorgt. Insgesamt weisen die Fördergebiete von Norwegen eine Gesamtkapazität von rund 54 Milliarden Kubikmetern auf. Eine der wichtigsten Strecken ist die Norpipe, eine Unterwasser-Pipeline in der Nordsee. Sie liefert das Erdgas von der Erdgas-Fundstätte Ekofisk nach Emden.

Mit der Europipe I transportiert Statoil das Erdgas ebenfalls von Ekofisk über die unterirdischen Leitungen in der Nordsee nach Deutschland. Über diese Pipeline gelangt das Gas allerdings zur Speicherung in die Nähe des ostfriesischen Dornums. Eine weitere Pipeline, die Europipe II, liefert norwegisches Erdgas seit Ende 1999 auch von Kårstø in die Nähe von Dornum.

Gasunie aus den Niederlanden

Das größte Fördergebiet in den Niederlanden erstreckt sich in der Provinz Groningen. Insgesamt werden hier fast 40 Milliarden Kubikmeter erschlossen. Seit April 2015 fließt hier allerdings kein Gas mehr durch die Pipelines, da der niederländische Staatsrat sich dagegen ausgesprochen hat. Hintergrund sind starke Erdbeben in der Region. Langfristig gesehen müssen neue Planungen her. So steht beispielsweise zur Debatte, die Förderung auf rund 30 Milliarden Kubikmeter zu senken oder nur für den Eigenbedarf der Niederlande zu produzieren.

Deutschland ist von den Auswirkungen nur teilweise betroffen, da das Gas zum einen lange eingespeichert bzw. vorrätig gekauft wurde. Außerdem können andere Bezugsquellen einen Ausgleich schaffen, sodass Endkundinnen und -kunden hiervon nichts zu spüren bekommen.

Gasversorgung aus heimischen Quellen

Deutschland selbst betreibt mehrere Erdgasförderungen, womit allerdings nur rund 10 Prozent der gesamten Gasversorgung abgedeckt werden können. Im Wesentlichen gibt es hierfür vier Fördergebiete, die sich über die gesamte Bundesrepublik erstrecken. Je nach Größe des Gebiets gibt es verschiedene Standorte und Möglichkeiten der Förderung. So ist nicht jedes Fördergebiet gleich ergiebig.

Im Süden zählt vor allem das Molasse-Becken am Alpenrand zu den heimischen Erdgasgebieten. Im Raum Baden-Württemberg und Hessen erstreckt sich der Oberrhein-Graben, in dem Deutschland Erdöl fördert. Ein weiteres Gebiet befindet sich mit dem Thüringer Becken im gleichnamigen Bundesland. Das größte und zugleich effektivste heimische Fördergebiet hat seinen Standort allerdings in Norddeutschland. Es handelt sich hierbei um das Norddeutsche Becken, welches zu der Erdgasförderung den größten Beitrag leistet.

In Deutschland wird die Gasförderung zu einem Großteil durch ein amerikanisches Unternehmen, ExxonMobil, abgedeckt. Dabei ist der US-Konzern vorwiegend in Niedersachsen tätig, plant jedoch weitere Ausbauten, wie zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen. Eine weitere Förderung entsteht durch die RWE Dea AG. Diese ist ebenfalls im Norden Deutschlands tätig und fördert Gas an den Stätten, die am meisten produzieren. Dazu zählen unter anderem die Erdgasfelder in Bötersen, Hemsbünde sowie in Völkersen.

Gas-Erschließung in der Zukunft

Auf lange Sicht plant Deutschland weitere Bezugsquellen, wie zum Beispiel die Lieferung durch Erdgasförderungen im kaspischen Raum. Im Jahr 2019 soll Gas aus Aserbaidschan nach Deutschland gelangen. Geplant ist die sogenannte Transadriatische Gaspipeline, welche Europa jährlich mit rund 10 Milliarden Kubikmetern Erdgas versorgen soll.

Zusätzlich dazu diskutiert die Regierung auch immer häufiger Projekte im Inland, wie zum Beispiel den vermehrten Einsatz von Biogas. So gab es 2013 bereits 144 Biogasanlagen in der Bundesrepublik, welche immerhin 520 Millionen Normkubikmeter in die Gasleitungen einspeisen. Auch die Leitungen selbst wollen die Unternehmen immer weiter aus- oder gar neu bauen.

Der Einsatz von Flüssiggas ist zudem ein Thema, was sich in Zukunft immer weiter durchsetzen wird. Deutschland hat bereits entsprechende Flüssiggas-Terminals erworben. Grund sind hier vor allem der vereinfachte Transport sowie die Lagerung aufgrund des leichteren Volumens. Außerdem ist Fracking nach wie vor im Gespräch, was jedoch weiterhin für den Unmut vieler Bürgerinnen und Bürger sorgt. Diese Methode steht unter dem Verdacht, unter anderem zu massiven gesundheitlichen und ökologischen Schäden zu führen. Ob die umstrittene Technologie tatsächlich zum Einsatz kommt, ist deshalb fraglich.

Wissenswertes: Hier erfahren Sie, wie das deutsche Stromnetz funktioniert.

Von der Gewinnung über den Transport bis hin zur Einspeisung

pipeline-pixabay-2
© Pixabay

Damit die Konzerne im In- und Ausland überhaupt Erdgas gewinnen können, müssen sie zunächst sogenannte Gasvorkommen finden. Diese hängen von vielerlei Faktoren ab und sind nicht überall auf der Welt ansässig. Die effektivste Methode ist dabei das seismische Verfahren, welches den Boden mithilfe von Schallwellen untersucht. Zeigt sich die Stelle als lohnenswert, wird mit einer speziellen Tiefbohrtechnik gebohrt – und zwar rund 500 bis 600 Meter tief.

Können die Konzerne das Gas erfolgreich gewinnen, müssen sie verschiedene Vorkehrungen treffen. So dürfen die Lieferanten das Gas beispielsweise nicht einfach so durch die Leitungen schicken, da sie insbesondere Feststoffe entfernen müssen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn noch Sand oder Korrosionspartikel am Erdgas haften. Solche Partikel können die Anlage schnell zerstören, weshalb die Förderer entsprechend vorsorgen. Es kann vorkommen, dass das Erdgas besonders viel Wasser enthält. Wenn das der Fall ist, wird es zunächst noch getrocknet. Anschließend setzen die Unternehmen eine spezielle Schwefelverbindung ein, die einerseits für die Sicherheit und andererseits für den typischen Gas-Geruch sorgt. Bei der Gewinnung ist Erdgas geruchlos und nicht giftig.

Wenn die Lieferanten das Gas für den Transport sicher vorbereitet haben, schicken sie es nach Deutschland oder in andere Teile der Welt. Das geschieht meist über unterirdische Fernleitungen, den sogenannten Pipelines. Diese Methode ist äußerst umweltschonend. Eine wichtige Rolle spielen auch die Verdichterstationen innerhalb des Gas-Transports. Sie sorgen für den richtigen Druck in der Fernleitung. Eine solche Lösung ist essentiell, denn Fernleitungen weisen einen großen inneren Durchmesser auf. Optimal sind Werte von maximal rund 1.400 Millimetern. Wenn das Erdgas jedoch in die Gasverteilungsnetze eingespeist werden soll, müssen die Verdichter den Gasdruck auf den Transport in viel kleineren Leitungen optimieren. Nur auf diese Weise können die Lieferanten einen sicheren Transport von Erdgas gewährleisten und das Gas somit für die Leitungen freigeben.

Für die Überwachung dieser Prozesse gibt es eigene Abteilungen, welche die Gaserzeuger häufig selbst betreiben. Personen, die innerhalb dieser Stationen arbeiten, nennen sich Dispatcher und sind vollumfänglich für den Prozess der Überwachung zuständig. Auffälligkeiten innerhalb der Abfolge fallen ihnen sofort auf. Sollte es zu Problemen kommen, können Sie dank kurzer Wege direkt mit den Lieferanten in Kontakt treten. Sie sind somit auch für die korrekte Abwicklung der Lieferung selbst verantwortlich.

Was passiert mit dem Gas innerhalb Deutschlands?

In Deutschland gibt es seit 2006 zwei große Gasmarktgebiete. Das ist Gaspool im Norden sowie NetConnect Germany im Süden der Bundesrepublik. Durch die großen Gasverteilungsnetze gelangt das Gas dann zu den Endkundinnen und -kunden. Es handelt sich um ein äußerst eng verflochtenes Netz, welches über eine Gesamtlänge von mehr als 510.000 Kilometern verfügt. Gaspool deckt in Deutschland allein etwa 350 der nachgelagerten Erdgastransportnetze ab, NetConnect Germany sogar mehr als 500 solcher Netze.

Die Open Grid Europe GmbH ist der größte Fernleitungsnetzbetreiber in Deutschland. Das Netz ist insgesamt rund 12.000 Kilometer lang. Open Grid Europe zählt mit seinem Standort in Essen zum Marktgebiet von NetConnect Germany. Auch hier sitzen Angestellte, die den Prozess der Erdgaslieferung überwachen. Auf verschiedenen Bildschirmen beobachten sie nicht nur, wie viel Gas durch die Leitungen strömt, sondern auch, ob es bei der Lieferung zu Komplikationen kommt. Wenn kein Gas mehr fließt, denken viele Menschen daran, dass die Lieferungen gestoppt wurden, zum Beispiel aufgrund politischer Auseinandersetzungen. Das ist jedoch in der Regel nicht der Fall. Sollte es zu Ausfällen kommen, deutet dies meist auf einen Defekt in der Leitung hin. Stellen die Angestellten dies fest, können sie eine Überprüfung fordern. Meist fließt das Gas bereits wenig später weiter.

Unternehmen, wie die Open Grid Europe GmbH, leiten das Gas allerdings nicht direkt an die Endkundinnen und -kunden weiter. Sie verwalten das Gas vielmehr und überprüfen die korrekte Abfolge. Von einem solchen Fernleitungsnetzbetreiber geht das Gas zunächst an regionale Netzbetreiber über. Diese schließen mit den Kundinnen und Kunden Verträge. Wenn Sie als Verbraucherin oder Verbraucher zuhause beispielsweise die Heizung aufdrehen, geben die Netzbetreiber das Erdgas aus ihren Speichern frei. Ihr Gasanbieter wiederum erhält das Erdgas von den Fernleitungsnetzbetreibern und diese bedienen sich durch ihre Lieferanten direkt an der Quelle der Fördergebiete.

Hier geht's zum Google Plus Profil von "Tippstricks Ratgeber" Google+

Das könnte Sie auch interessieren:

Kommentare

Fan werden