"Ich bin kein schlechter Mensch"


Wenn einer von sich in der dritten Person spricht wie einst nur römische Kaiser, dann hat er schnell den Ruf eines Größenwahnsinnigen weg.

Pop-Schlagerstar Michael Wendler allerdings, der sich gerne mal als "der Wendler" bezeichnet und nun mit "Der Wendler-Clan" als erster deutscher Schlagerstar eine eigene Doku-Soap bekommt, erscheint im Interview mit SAT1.de bodenständig, reflektiert und vor allem sympathisch. Mit Andreas Kötter spricht Wendler über Dekadenz als Erfolgsformel und La Olas am Straßenrand ins Dinslaken.

Herr Wendler, was viele Fans vielleicht gar nicht wissen, "Michael Wendler" ist ein Künstlername...
Michael Wendler: Das stimmt, genau genommen ist aber nur der zweite Teil der künstlerischen Freiheit geschuldet. Michael heiße ich tatsächlich.

Wenn sich ein Künstler für einen Künstlernamen entscheidet, warum dann für "Wendler" und nicht für etwas Exotischeres à la Roy Black oder Rex Gildo?
Meine Mutter heißt mit Mädchennamen Wendler und wollte als junge Frau sehnlichst Schlagerstar werden. Sie hat damals sogar einen Künstlerwettbewerb und einen Plattenvertrag gewonnen. Weil mein Vater sie aber vor die Wahl gestellt hat, er oder die Karriere, hat sie sich für ihn entschieden – was sich später als großer Fehler herausgestellte. Also wollte ich mit dem Namen Wendler meiner Mutter meine Dankbarkeit aussprechen. Denn schließlich hätte es mich ohne ihre Entscheidung kaum gegeben. Der Wendler wäre dann vielleicht nicht geboren worden... (lacht)

© Sat.1

...und damit heute nicht der erste "Pop-Schlagerstar", wie Sie sich selbst nennen, der seine eigene Soap bekommt...
Michael Wendler: Und das in diesem Umfang: sechs Stunden, das ist wirklich gigantisch! Ich habe in den letzten Jahren mit "Spiegel TV", "Süddeutsche TV", "Stern TV" und anderen gedreht, netto ergab das vielleicht 40, 45 Minuten im Fernsehen. Aber das hat längst nicht ausgereicht, um die Welt von Michael Wendler endlich einmal umfassend zu erklären.

Und jetzt wird "endlich mal hinter die Kulissen eines deutschen Schlagerstars geschaut", wie Sie selbst die neue Doku-Soap "Der Wendler-Clan" angekündigt haben?
Ja, jetzt kann ich endlich zeigen, was sich hinter diesem unglaublichen "Projekt Michael Wendler" verbirgt. Einen solchen Mega-Erfolg hat es im deutschen Schlager seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Ich bin die Frontsau, derjenige, der Türen öffnet und Berge wegsprengt. Ich bereite Newcomern damit den Weg und bin derjenige, der den deutschen Schlager wieder populär gemacht hat.

Verblüffend, dass besagte "Kulissen" ausgerechnet in Dinslaken stehen, das nicht zwingend als Mekka des Show-Biz bekannt ist...
Man spricht schon von "Dallas in Dinslaken". Dinslaken ist meine Heimat. Und ich wollte beweisen, dass man auch von hier aus Erfolg haben kann. Viele haben mir gesagt, das ginge nur in Hamburg, München oder Berlin. Ich aber habe gezeigt, dass man auch im kleinen, verschlafenen Dinslaken zu Deutschlands erfolgreichstem Schlagerstar werden kann.

Gibt es eine Erfolgsformel für das "Projekt Michael Wendler"?
Die gibt es. (lacht) Grundsätzlich ging es mir darum, Aufmerksamkeit zu erregen und das ist mir durch meine unglaublich dekadente Art gelungen. Aber das ist Show und eine bewusst gewählte Strategie, das darf man nicht vergessen. Also bin ich – obwohl ich zu Beginn meiner Karriere mitten in der Insolvenz war – mit einer Stretch-Limo und 20 Body-Guards zu meinen Auftritten gefahren. Habe mich größer gemacht als ich war und so in das Projekt "Michael Wendler" investiert. Und das hat geklappt. (lacht)

 

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