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Der Missbrauchsskandal gelangte im März 2010 an die Öffentlichkeit

Missbrauch bei Domspatzen: "Schlimmste Zeit ihres Lebens"

Mehrere Hundert Chorknaben der Regensburger Domspatzen sind zwischen 1945 und den 1990er Jahren misshandelt worden. Der mit der Aufklärung des Skandals betraute Anwalt legt nun seinen Abschlussbericht vor.

18.07.2017 09:29 Uhr

Mindestens 547 Chorknaben der Regensburger Domspatzen sind Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt geworden. Das geht aus dem am Dienstag vorgelegten Abschlussbericht zum Missbrauchskandal bei dem weltberühmten Chor hervor. Der mit der Aufklärung beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber gab auch dem früheren Domkapellmeister Georg Ratzinger, dem Bruder des emeritierten Papstes Joseph Ratzinger, eine Mitschuld: Ihm seien "sein Wegschauen, fehlendes Einschreiten trotz Kenntnis vorzuwerfen".

Die Fälle sind verjährt

Vor allem in der Vorschule, aber auch im Gymnasium sei es zu Gewalt gegen Schüler gekommen, sagte Weber. Die Vorfälle körperlicher Gewalt seien mit wenigen Ausnahmen verboten und strafbar gewesen, die sexuellen Übergriffe ohnehin. Die Fälle sind jedoch verjährt und somit strafrechtlich nicht mehr relevant. Verantwortlich für die Gewalt seien in vielen Fällen der Direktor der Vorschule und sein Präfekt gewesen, sagte Weber. Es müsse aber davon ausgegangen werden, dass nahezu alle Verantwortungsträger bei den Domspatzen zumindest ein Halbwissen über Gewaltvorfälle gehabt hätten. Weber sprach von einer «Kultur des Schweigens». Der Schutz der Institution habe im Vordergrund gestanden.

Betroffene hätten ihre Schulzeit als "Gefängnis, Hölle und Konzentrationslager" bezeichnet, sagte Weber. Die physische Gewalt sei alltäglich und brutal gewesen. Viele Opfer schilderten die Jahre als "schlimmste Zeit ihres Lebens, geprägt von Angst, Gewalt und Hilflosigkeit".

Behinderung bei Aufklärungsarbeit?

Bischof Rudolf Voderholzer hat seit Beginn seiner Amtszeit in Regensburg Anfang 2013 die Aufklärung des Skandals maßgeblich vorangetrieben. "Ich kann es nicht ungeschehen machen und die Opfer nur um Vergebung bitten", sagte er im vergangenen Herbst. Voderholzers Vorgänger als Bischof von Regensburg, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, war wiederholt vorgeworfen worden, die Aufklärungsarbeit behindert zu haben. Nach Bekanntwerden des Skandals hatte er gesagt, der Missbrauch durch Priester sei von Medien aufgebauscht worden. Müller wehrte sich gegen den Verdacht, der Aufklärung entgegengestanden zu haben. (dpa)

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