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SSV Jahn als Imagegewinn für Regensburg

Der "Jahnsinn": Zweite Liga!

Mit zwei Toren gegen die Münchner "Löwen" schoss sich der SSV Jahn Regensburg am Dienstag in die 2. Bundesliga und die Stadt bundesweit in die Schlagzeilen - dort war Regensburg zuletzt eher wegen des Korruptionsskandals zu finden. Nun folgt sportlicher Glanz.

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© dpa

Die Wirtschaft floriert, die Universität zieht junge Menschen an, die zum Unesco-Weltkulturerbe ernannte Altstadt ist ein Touristenmagnet - und nun steigt der Traditionsverein SSV Jahn in die 2. Bundesliga auf. Läuft in Regensburg, könnte man salopp sagen, wäre die oberpfälzische Regierungsstadt nicht durch die Korruptionsaffäre um den suspendierten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) erschüttert worden. Der Skandal überschattet auch ein wenig den glanzvollen Erfolg des Fußballclubs, wenngleich die Freude über den jüngsten Sieg ungetrübt ist.

Mehrere Tausend Menschen jubelten ihren Helden bei der Aufstiegsfeier am Mittwochabend auf dem Haidplatz zu. Die Farbe Rot dominiert dieser Tage die Stadt. Mit Trikots, Fahnen und Schal bekunden die Fans ihre Zuneigung zum Jahn. Und auch der Weltmeister-Bruder Tobias Schweinsteiger gratulierte. Via Twitter schrieb er: "Glückwunsch @SSVJAHN zum Aufstieg in die 2. Bundesliga! München ist halt rot" und postete dazu ein Foto des roten Fan-Blocks beim entscheidenden Relegationsspiel zwischen dem SSV Jahn und dem TSV 1860 München in der Allianz-Arena.

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer gratulierte am Tag nach dem 2:0 gegen die "Löwen" zum "sensationellen Durchmarsch" von der vierten in die zweithöchste Spielklasse. Der Verein hat ein Auf und Ab durch das Tabellensystem des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hinter sich. Ab der kommenden Saison wird wieder zweitklassig gespielt - oder aus Sicht der Jahn-Fans wohl eher: hoffentlich erstklassig in der 2. Liga.

Die Stadt Regensburg schließt damit sportlich wieder auf zu den weiteren bayerischen Mittelstädten Augsburg und Ingolstadt, die ebenfalls sportliche Höhenflüge feiern dürfen. Der FC Augsburg spielt in der Bundesliga, der FC Ingolstadt nach einem Ausflug in die höchste Liga wieder zweitklassig. Ein ähnlicher Durchmarsch wie dem SSC Jahn gelang zuletzt den Würzburger Kickers, die nach einem rauschhaft gefeierten Aufstieg in die 2. Liga wieder abgestiegen sind. Die Jahn-Fans hoffen da auf einen längeren Atem ihrer Mannschaft.

Mehrere Faktoren machten den Aufstieg des Regensburger Vereins möglich, unter anderem: Heiko Herrlich als Trainer und Motivator, Zusammenhalt im Team und ein neues Stadion mit verbesserten Trainingsbedingungen. Es sei richtig gewesen, dass die Stadt Geld in die Hand genommen habe für ein neues Fußballstadion, sagte Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer bei der Meisterfeier. Die Spieler erinnerten selbst an die wenig glorreichen und noch gar nicht so lange vergangenen Zeiten im alten Stadion, als der Verein kein Geld mehr hatte, um die Stromrechnungen zu begleichen - und die Spieler kalt duschen mussten.

Im Jahr 2015 wurde die neue, mehr als 50 Millionen teure Arena eingeweiht. Sie löste das mehr als 80 Jahre alte Jahnstadion in der Innenstadt ab und bietet gut 15 000 Besuchern Platz. Jedoch ausgerechnet einer der Mäzene des Jahn, ein örtlicher Bauunternehmer, ist in die Spendenaffäre um OB Wolbergs verwickelt. Er soll der Regensburger SPD Parteispenden in Millionenhöhe zukommen lassen und im Gegenzug interessantes Bauland zugesprochen bekommen haben. Sein finanzielles Engagement beim Jahn war offenbar Teil der Vereinbarungen. Und das interessiert nun auch die Staatsanwaltschaft.

Regensburgs Sportreferent Hermann Hage sieht den Erfolg der Mannschaft jedoch nicht durch den Korruptionsskandal überschattet. Die Entscheidung für die neue Arena sei bereits gefallen, als Wolbergs noch nicht Aufsichtsratschef des Vereins war, sagte Hage. Für ihn stehen die Teamleistung, der Trainer, die Nachwuchsarbeit ganz klar im Vordergrund.

Regensburg entwickle sich zu einem Sportoberzentrum, in der Region gebe etliche gute Vereine, von denen einige auch an der Bayernliga kratzten, sagte Hage. Das spreche viele Kinder an. Da sei es nur förderlich, dass die Stadt vom DFB ein Nachwuchsleistungszentrum genehmigt bekommen habe. Der Stadionbau sei notwendig und das alte Stadion ein "Sanierungsgrab" gewesen.

Als Standortwerbung sieht Wirtschaftsreferent Dieter Daminger den Aufstieg. "Die Stadt gewinnt an Bekanntheit." Etliche Firmen in Regensburg suchten bundesweit nach qualifizierten Mitarbeitern, da sei ein Zweitligaclub ein positiver Imagefaktor.

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