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Auch München will gegen das Einwegbecher-System vorgehen

Der Kampf gegen die To-Go Becher

Gute Ideen gegen das "Ex-und-hopp" beim Kaffee zum Mitnehmen gibt es viele. Doch langjährige Konsumgewohnheiten lassen sich nur schwer stoppen.

Schnell austrinken und dann ab damit in den Müll - täglich verbrauchen die Menschen alleine in Deutschland hunderttausende Einwegbecher für den schnellen Kaffee zum Mitnehmen. Dabei gibt es inzwischen zahlreiche Projekte im ganzen Land, um der Abfallflut Herr zu werden. Der Erfolg allerdings ist bisher überschaubar. Jetzt plant auch München eine Kampagne und will selbst mit gutem Beispiel vorangehen und die Pappbecher aus städtischen Kantinen verbannen, falls der Stadtrat grünes Licht dafür gibt.

Wie groß ist das Problem eigentlich?

Fast drei Milliarden Einwegbecher werden pro Jahr nach Schätzungen der Deutschen Umwelthilfe bundesweit für "Coffee-to-go" verbraucht, hinzu kommen Zubehör wie Plastikdeckel, Rührstäbchen und Strohhalme. Nach wenigen Minuten Gebrauch landet das alles im Müll und lässt in vielen Innenstädten die Abfallbehälter überquellen - und belastet damit nicht nur die Umwelt, sondern auch die Abfallwirtschaft der Kommunen.

Wie soll gegengesteuert werden?

Eine ganze Reihe von Initiativen kämpft mittlerweile für die Eindämmung der Becher-Flut. In Freiburg etwa lief im vergangenen November ein Pfandsystem an: In mittlerweile rund 80 Cafés und Bäckereien können sich die Kunden dort ihren Kaffee auch in eigens dafür ausgegebene Pfandbecher füllen lassen, für die sie bei Rückgabe einen Euro erstattet bekommen. Die Münchner Umweltaktivistin Julia Post hat bundesweit rund 400 Betriebe für ihre Initiative "Coffee to go again" gewonnen, in denen Kunden mit ihren eigenen Bechern und Tassen willkommen sind und teils einen Rabatt auf ihr Heißgetränk erhalten. Aber auch große Spieler wie McDonald's, Tchibo oder Starbucks schenken den Kaffee auf Wunsch in mitgebrachte Mehrwegbehälter aus. Die passenden Becher werden teilweise gleich mit angeboten.

Was tut die Politik?

Vor einem knappen Jahr sagten die Umweltminister der Länder den Einwegbechern den Kampf an. Den Bund forderten sie auf, die Folgen für die Umwelt zu untersuchen und zu prüfen, ob sich das Problem durch Verbraucheraufklärung und freiwillige Maßnahmen der Wirtschaft eindämmen ließe. Falls nein, drohten die Minister auch mit Zwang, indem sie den Bund baten, "die Möglichkeiten anderweitiger, rechtlicher Maßnahmen zu prüfen". Das Bundesumweltministerium hat eine entsprechende Studie ausgeschrieben, mit deren Ergebnissen allerdings erst Ende 2018 gerechnet wird. Einen Runden Tisch hatte die bayerische Staatsregierung ins Leben gerufen. Im Herbst dieses Jahres sollen darüber bereits zum dritten Mal Wirtschaft, Verbände und Kommunen Möglichkeiten erörtern, den Konsummüll in den Städten zu reduzieren. "Dabei setzen wir auf Freiwilligkeit und breite Aufklärung", sagt Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf.

Aber müssen nicht vor allem auch die Verbraucher selbst umschalten?

Doch - und das ist nach vielen Jahren Wegwerfmentalität gar nicht so einfach, sagt Umwelthilfe-Experte Fischer. "Musiker, Schauspieler und Prominente lebten jahrelang etwas falsches vor, wenn Sie auf roten Teppichen mit Coffee-to-go-Einwegbechern zu Veranstaltungen gingen oder am Film-Set dutzendfach Pappbecher verbrauchten." Der Experte empfiehlt ein offensiveres Werben für die Mehrwegidee, wie es jetzt in München geplant ist, sowie Systeme mit einheitlichen Bechern und einem möglichst dichten Rücknahmenetz. "Wenn Verbraucher die Möglichkeit erhalten, Kaffee unterwegs aus Mehrweg- fast wie aus Einwegbechern zu konsumieren – nur ohne Abfall -, dann werden wiederbefüllbare Becher endgültig massenmarkttauglich." (dpa)

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