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Badbetreiber beklagen Mai-Wetter

Freiluft-Badesaison beginnt

Auch wenn der Sommer noch auf sich warten lässt, startet in Bayern die Badesaison unter freiem Himmel. Doch nicht nur das Wetter bereitet den Verantwortlichen und Bademeistern Sorgen.

Schwimmbad_Rutsche_Baden
© dpa

Es regnet, der Wind bläst und nachts sinken die Temperaturen auf zwei Grad. "Was für ein miserables Wetter", schimpft Gerhard Albert, Chef von NürnbergBad. Eigentlich wollte die Stadt Nürnberg schon vor ein paar Tagen in die Freibadsaison starten, aber dafür ist es zu kalt. Vor dem Problem stehen mehrere Badbetreiber in Bayern, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. "Es macht weder ökonomisch noch ökologisch Sinn, die Freibäder bei diesem Wetter zu öffnen. Wir hätten jede Nacht 1000 Euro Heizkosten", sagt Albert. Die Saison im Westbad beginnt nun an diesem Samstag, andere Bäder öffnen sogar noch eine Woche später. 

"Wenn es in den Nächten um die null Grad hat, ist es morgens unmöglich, das Wasser auf 24 Grad zu heizen. Die Besucher müssen sich darauf einstellen, dass das Wasser in den ersten Stunden kälter ist", sagt Michael Solić, Sprecher der Münchner Stadtwerke. Nur im Schyrenbad können Schwimmer in München schon ihre Bahnen ziehen. Das Dantebad öffnet an diesem Samstag, die anderen Freibäder erst am 13. oder 20. Mai.

Die Münchner müssen sich dann auf neue Öffnungszeiten einstellen: Die Freibäder starten montags bis donnerstags erst um 10 Uhr, dafür haben die Bäder bis 20 Uhr offen. "Wir haben das früher flexibel gehandhabt. Aber dann weiß man morgens nicht, ob es sich lohnt, die Badehose einzustecken", sagt Solić. Er ist froh, dass die Bäder überhaupt so lange offen haben können.

Die Freibäder in Bayern suchen nämlich händeringend nach Rettungsschwimmern. Von Jahr zu Jahr gebe es weniger Bewerbungen, berichtet Dieter Wurm vom Ordnungsamt in Augsburg. "Das sind oft Studentenjobs, da gibt es hohe Fluktuationen." Trotzdem kann die Saison im Augsburger Familienbad am Samstag wie geplant beginnen, die anderen Bäder starten am 20. Mai. Nur das Freibad Lechhausen öffnet erst mit Beginn der Pfingstferien Anfang Juni.

Um die Personalsituation zu entspannen, stellt Augsburg seit letzter Saison Sicherheitskräfte ein. Mit Flüchtlingen habe das nichts zu tun, betont Wurm. "An schönen Tagen haben wir 5000 Gäste pro Freibad. Da kommen die Bademeister einfach nicht vom Beckenrand weg." Doch ein Sicherheitsdienst bietet keine Schwimmkurse an, die so dringend nötig wären.

Immer mehr Menschen können nicht schwimmen, nach einer Statistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind vergangenes Jahr in Bayern 91 Menschen ertrunken. Die Schwimmbäder bauen ihr Kursangebot aus, aber die Plätze reichen hinten und vorne nicht aus. "Wenn wir einen Schwimmkurs online stellen, ist er nach ein paar Stunden ausgebucht", sagt Michael Solić. Auch in Nürnberg ist die Nachfrage enorm gestiegen: Waren es vor ein paar Jahren noch 20 000 Teilnehmer, sind es inzwischen doppelt so viele.

Die Wasserwacht Bayern würde gern mehr Schwimmkurse anbieten. "Aber uns fehlen die Bäder. Offene Gewässer sind nun mal nicht ideal, um schwimmen zu lernen", sagt Andreas Dietz, technischer Leiter der Wasserwacht. Dreiviertel der Badetoten sind vergangenes Jahr in unbewachten Gewässern ertrunken. Die Wasserwacht schickt deshalb 55 000 Rettungsschwimmer an die bayerische Badeseen und Flüsse, dazu kommen 33 000 Rettungskräfte der DLRG. 

"Das Seepferdchen reicht im Badesee nicht aus", warnt Horst Auer, Sprecher der DLRG. Nur etwa die Hälfte der Kinder könne wirklich schwimmen; vielen Eltern sei das nicht bewusst. "Wir sprechen erst ab dem Bronzeabzeichen von einem sicheren Schwimmer." Schilder in verschiedenen Sprachen und Piktogramme sollen Badegäste vor der Gefahr warnen. In der Hoffnung, dass die Zahl der Ertrunkenen in Bayern weiter sinkt - so wie vergangenes Jahr.

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