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Bayern ist erschöpft - sagt eine DAK-Studie zu Schlaflosigkeit

Schlaflos in Bayern

Müde - weil der Schlaf fehlt. Der neue Report der Krankenkasse DAK zeigt: Drei von vier Erwerbstätigen im Freistaat schlafen schlecht. Das ist deutlich mehr als noch vor ein paar Jahren.

Die Menschen in Bayern schlafen einer Studie zufolge immer schlechter. Dennoch scheuen viele den Gang zum Arzt. Die Krankenkasse DAK geht dem Problem in einem Gesundheitsreport auf den Grund, den sie am Dienstag in München vorgestellt hat. 77 Prozent der Erwerbstätigen berichten demnach über Schlafstörungen. Das waren 15 Prozent mehr als vor sieben Jahren, teilte die DAK vorab mit.

Unterschätztes Problem

"Die Gut-Schläfer sind in der Minderheit", sagte Sophie Schwab, Leiterin der Landesvertretung der DAK-Gesundheit Bayern, am Dienstag. Mehr als 400.000 Bayern haben laut DAK sogar schwere Schlafstörungen. Hier gab es ein Plus von 15 Prozent gegenüber der Studie von 2010. Die Zahl der Fehltage aufgrund von Schlafstörungen blieb zwar insgesamt gering, verdoppelte sich aber binnen zehn Jahren von 2005 bis 2015 auf 3,38 je 100 Beschäftige.

"Die zunehmenden Schlafstörungen in der Bevölkerung in Bayern sollten uns wachrütteln", sagte Schwab. "Viele Menschen haben nachts das Smartphone an der Steckdose, können aber ihre eigenen Akkus nicht mehr aufladen."

Viele Schlaflose gingen nicht zum Arzt. "Schlafstörungen werden leicht unterschätzt", sagte Schwab. Dabei seien Einschlaf- und Durchschlafstörungen ein Warnsignal. Chronisch schlechter Schlaf könne der Gesundheit ernsthaft schaden.

Schlafstörung erhöht Gefahr von Medikamentenmissbrauch

Folgen seien unter anderem Müdigkeit und Unkonzentriertheit bei der Arbeit. Zudem erhöhe sich die Gefahr von Medikamentenmissbrauch. Bei Schlecht-Schläfern steige auf lange Sicht das Risiko für Stoffwechselstörungen, Depressionen und Angststörungen, Bluthochdruck und Herzschäden. Als Risikofaktoren für Schlafprobleme nennt die DAK unter anderem Nachtschichten, Termindruck, häufiges Arbeiten an der Grenze der Leistungsfähigkeit und die ständige Erreichbarkeit nach Feierabend. Auch zu viel abendliches Fernsehen und Computernutzung tragen nicht zu einem guten Schlaf bei.

Immerhin schlafen die Erwerbstätigen in Bayern besser als im Bundesschnitt. Nach der bereits im März vorgestellten deutschlandweiten DAK-Studie berichteten etwa 80 Prozent der Erwerbstätigen von Schlafproblemen.

39 Prozent waren oft oder immer müde

In Bayern waren 39 Prozent der Befragten oft oder immer müde, 31 Prozent berichteten über Einschlaf- oder Durchschlafstörungen und 15 Prozent schliefen fünf Stunden und weniger. In Bayern lagen die Daten hier jeweils um etwa vier Prozent besser als im Bundesschnitt. Die Untersuchung basiert auf einer repräsentativen Forsa-Befragung von gut 1.000 Beschäftigten bayernweit. In die Analyse flossen zudem Expertenstatements sowie eine Auswertung der Fehlzeiten aller 367.000 erwerbstätigen DAK-Versicherten in Bayern durch das IGES Institut ein. Die Ergebnisse wurden mit einer DAK-Untersuchung aus dem Jahr 2010 verglichen. (dpa)

Tipps vom Experten: So schlafen Sie besser

Wer schlaflos durch die Wohnung schleicht, kann sich nun auch mitten in der Nacht Rat bei Experten holen. Die DAK bietet ab sofort für ihre Versicherten eine Schlaf-Beratung an. Die Schlaf-Hotline sei rund um die Uhr erreichbar, teilte die Kasse mit.

Mediziner geben dort in 22 Sprachen individuelle Hinweise und Tipps. Die Beratung ersetze zwar nicht den Gang zum Arzt. Aber: "Unsere neue Hotline hilft Betroffenen schnell und unkompliziert", sagte die Leiterin der DAK-Landesvertretung, Sophie Schwab. "Auch Fragen rund um das wichtige Thema Schlafmittel beantworten die Ärzte." Denn manchmal sei der Griff zur Pille vermeidbar. Etwa Entspannungsübungen können die pharmakologische Einschlafhilfe ersetzen.

Einschlafhilfe "Schäfchen zählen"?

Schäfchen zählen hilft nach Ansicht mancher Schlafforscher vielleicht zur Ablenkung von Problemen, ist aber als echte Einschlafhilfe nur bedingt geeignet. Denn auch wenn die Aufgabe monoton und somit ermüdend wirke, komme das Gehirn dabei nicht zur Ruhe.

"Erfolgreiche Methoden zum besseren Einschlafen sind so unterschiedlich wie das Schlafbedürfnis oder Schlafgewohnheiten", sagte allerdings am Dienstag Hans Förstl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie des Schlafmedizinischen Zentrums am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. "Daher wirkt das "Schäfchen zählen" und das Schlaflied bei den Betroffenen individuell und anders – ist allerdings durchaus in Einzelfällen hilfreich."

Im Internet bietet die DAK zusätzliche Informationen, etwa auch die Anleitung zu einem Schlaftagebuch, in dem Betroffene ihren Schlaf-Wach-Rhythmus genau protokollieren können. Das soll helfen, die Beschwerden einzuordnen und die richtige Hilfe zu finden. (dpa)

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