Auf Streife

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Auf Streife

Kratzen und beißen

Folge 91 Staffel 2

An dieser Schule hat es eine Sportlehrerin besonders schwer, denn dieser Schüler will unter gar keinen Umständen beim Sportunterricht teilnehmen...

11.01.2016 15:00 | 7:52 Min | © Sat.1

"Auf Streife": Einsatz in der Schule

Immer öfter kommt es an Schulen zu Polizeieinsätzen wie bei den Beamten in "Auf Streife". Der Grund dafür sind meist auffällige Schüler, die sich gewalttätig verhalten. Aber wie häufig kommt das tatsächlich vor und was steckt dahinter?

Brutale Angriffe nicht nur bei "Auf Streife"

Raufereien unter Kindern sind völlig normal, allerdings erleben die Beamten von "Auf Streife" im Video eine Situation, die auch für sie überraschend ist. Ein kleiner Junge rastet während des Sportunterrichts aus und attackiert nicht nur seine Mitschüler, sondern auch die Lehrerin. Eine brenzlige Situation, die viel Feingefühl erfordert. Aber wie oft kommt es an deutschen Schulen tatsächlich zu solchen Vorfällen? Die Statistik ist erschreckend.

So habe sich alleine in Hamburg der Anteil von Schulen, die Gewaltmeldungen schicken, bereits im Jahr 2008 von 32 auf 70 Prozent gesteigert, wie "altona.info" berichtet. Und auch in Berlin müssen immer mehr Polizisten in den Schulen für Ordnung sorgen – Tendenz steigend.

Gewaltübergriffe an Schulen steigen

Werden unsere Schulen immer unsicherer und von Gewalt beherrscht?
Werden unsere Schulen immer unsicherer und von Gewalt beherrscht? © Pixabay

Was bei "Auf Streife" zu sehen ist, ist längst kein Einzelfall mehr: Im Schuljahr 2013/2014 meldeten alleine Hamburgs Schulen 317 schwere und 1.591 leichtere Vorfälle, in denen es zu gewalttätigen Übergriffen von Schülern kam. Bei über 200.000 schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen hört sich das vielleicht wenig an. Aber im Durchschnitt heißt das für eine größere weiterführende Schule pro Schuljahr mindestens eine schwere Gewalttat und sechs leichtere, bei denen die Lehrer auf die Hilfe von Polizeibeamten angewiesen sind.

In anderen Großstädten sollen die Zahlen ähnlich ausfallen. Dabei scheint sich das Vorurteil zu bestätigen, dass vor allem an Hauptschulen besonders viel Gewalt herrscht. Laut "violencestudy.org" haben 25 Prozent der Hauptschüler bereits "jemanden anderen so stark verprügelt, dass dieser mit schweren Körperverletzungen zum Arzt musste." Unklar sei allerdings, ob die Übergriffe wirklich steigen, oder ob die Schulen diese nur häufiger melden.

Dunkelziffer erschreckend hoch

Wie oft die Polizei tatsächlich wie in "Auf Streife" zur Hilfe geru...
Wie oft die Polizei tatsächlich wie in "Auf Streife" zur Hilfe gerufen wird, ist nicht eindeutig geklärt. © Pixabay

In Hamburg sei es zum Beispiel so, dass die Gewaltvorfälle an Schulen erst seit 2008 der Schulbehörde gemeldet würden. Der Senat erklärt in einer offiziellen Mitteilung: "Es ist unklar, ob die Zahl der Gewalttaten steigt oder die Schulen die üblichen Gewaltvorfälle nur häufiger melden, statt sie wie früher ohne Meldung zu regeln."

Für die Verantwortlichen kein Grund, Vorfälle wie in dem "Auf Streife"-Clip nicht ernst zu nehmen. Weiter meint Schulsenator Ties Rabe: "Die Schulen haben in den letzten Jahren eine Kultur des Hinschauens entwickelt, sie reagieren sensibler und konsequent auf Gewaltvorfälle und nehmen die mit einer Meldung verbundenen Unterstützungsleistungen gern an. Das ist gut. Die steigenden Zahlen werfen aber auch Fragen auf. Diese Fragen nehmen wir sehr ernst."

Die Berliner Polizei überprüfte die ihr vorliegenden Zahlen aus dem Jahr 2010/2011 stichprobenartig und kam laut "Tagesspiegel" zu folgendem Ergebnis: Die Bildungsbehörden meldeten 1.470 Delikte, die Unterlagen der Beamten sprechen jedoch von knapp 5.900. Allerdings wurde eingeräumt, dass es sich hier auch um Vorfälle handelt, die auf dem Schulweg oder von Schulfremden verübt wurden. Offiziell müssen die Schulen alles angeben, was unmittelbar mit ihrer Einrichtung in Zusammenhang steht. Oft würden die Lehrer aber den hohen Aufwand scheuen, den eine Meldung bei der Polizei mit sich brächte. Außerdem seien sie um den guten Ruf der Schule besorgt. Manchmal ist ein Einsatz, wie er bei "Auf Streife" gezeigt wird, jedoch unvermeidbar.

Mögliche Gründe für gewalttätige Jugendliche

Die Polizisten von "Auf Streife" können schnell klären, warum der Junge im Sportunterricht gewalttätig wurde. Das ist aber nicht immer so einfach, denn die Gründe für Gewalt an Schulen sind vielfältig:

Auch schulische Probleme können dazu führen, dass Kinder und Jugendliche gewa...
Auch schulische Probleme können dazu führen, dass Kinder und Jugendliche gewalttätig werden. © Pixabay
  • Zum einen können Probleme innerhalb der Familie dazu führen, dass Kinder auffällig werden. Vor allem, wenn es im häuslichen Umfeld selbst des Öfteren zu gewalttätigen Ausbrüchen kommt. Im Gegensatz dazu spielt aber auch Zurückweisung spielt hier eine große Rolle.
  • Zum anderen können aber auch schulische Probleme ein Auslöser für Gewalt sein. Erlebt das Kind oder der Jugendliche zum Beispiel ständig Misserfolge, wird sozial ausgegrenzt oder von Versagensängsten geplagt, weiß er sich mitunter nicht anders zu helfen als durch Gewalt.
  • Eine dritte Ursache findet sich im sozialen Umfeld des Schülers. Armut, Arbeitslosigkeit und ein gewaltbereites Umfeld haben ebenfalls Einfluss auf sein Verhalten in der Schule.
  • Eine unter Experten umstrittene Theorie besagt, dass auch die Medien das Gewaltverhalten negativ beeinflussen können. Demnach propagieren zum Beispiel Filme, Spiele etc. Gewalt als einzige Konfliktlösung.

Maßnahmen gegen Gewalt an Schulen

Im Beispiel aus der "Auf Streife"-Folge reden die Polizisten dem auffälligen Jungen ins Gewissen, aber welche Maßnahmen werden tatsächlich ergriffen, um der Gewalt an Schulen entgegenzuwirken? Viele Pädagogen setzen auf entsprechende Bildungsangebote und holen die Polizei in den Unterricht. Hier klären die Beamten die Jugendlichen über die Konsequenzen von gewalttätigem Verhalten auf. Zusammen mit den Lehrkräften fördern sie soziale Kompetenzen. Aber auch Vertrauenslehrer oder Initiativen wie Mobbing-Prävention sollen helfen.

Fazit: Die Szenen aus "Auf Streife" gehören an deutschen Schulen immer häufiger zum Alltag. Die Ursachen können in der Familie oder im sozialen Umfeld liegen. Gemeinsam mit der Polizei versuchen die Lehrkräfte, Gewalt an Schulen entgegenzuwirken.

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