Der letzte Bulle

"Ich muss nicht mehr cool sein."

Interview: Christina Hecke

Micks neue Flamme über die schönste Form der Romantik.

Sie haben einen ungewöhnlichen Lebenslauf, haben sich erst mit 24 Jahren nach einem abgeschlossenen Jurastudium entschlossen, mit der Schauspielschule anzufangen. Was war der Grund?

Christina Hecke: "Ich wollte zunächst, wie man so schön sagt, etwas ‚Anständiges‘ studieren. Mein Innerstes wollte allerdings mehr, als mein Kopf mir mit seiner Vision von einem ‚anständigen‘ Leben zu geben bereit war. Also musste ich dem Ruf meines Herzens folgen und aus- bzw. aufbrechen. Auf der Achse der Zeit ist die Staatsprüfung dann der Schauspielprüfung gewichen. Ich wäre für eine Ausbildung sonst zu alt geworden. Ich bin heute dankbar um die 'juristischen' wie die 'kreativen' Elemente meines Aus-bildungsweges. Als meine 'Ich-AG' bin ich ja auch Geschäftsfrau. Das ist ein schönes Fundament."

Man kennt Sie aus großen Kinoproduktionen wie "Kasimir und Karoline", zuletzt waren Sie in "Die Frau, die sich traut" zu sehen. Warum spielen Sie jetzt in einer TV-Serie mit?

Christina Hecke: "Ich liebe meinen Beruf. Manche Rollen, die ich spielen durfte, haben ihren Auftritt in Kinofilmen gefunden, andere in Fernsehfilmen oder wie jetzt in einer Serie. Die Figur muss mich anspringen. Ich muss die Geschichte erzählen wollen. Die Vision hat für mich gestimmt. In einem Film zusammengefasst, hätte die fünfte Staffel von „Der letzte Bulle“ auch Kraft für einen Kinostoff."

In der Serie verbindet Sie eine ganz besondere Beziehung zu Mick. Sie haben gesagt, Astrid und Mick treffen sich auf einer modernen Beziehungsebene. Was meinen Sie damit?

Christina Hecke: "Die Eigenschaften, mit denen ich Astrid skizzieren würde, würde ich auch Mick Brisgau zuschreiben. Da ist die Schnittmenge groß – zwei autarke Menschen, die sich in ihren Eigenheiten respektieren und wertschätzen. Und sich lassen. Da bleibt genug Raum für jeden und die Zeit zu zweit. Realismus als die schönste Form der Romantik."

In "Der letzte Bulle" haben Sie Verantwortung gegenüber einer Gruppe Jugendlichen. Wie wichtig ist für Sie Verantwortung?

Christina Hecke: "Eigenverantwortung ist mir das Wichtigste. Wenn ich die nicht habe, dann kann ich auch keine Verantwortung gegenüber anderen entwickeln. „Die anderen sind Schuld“ „der und der hat aber…“ Das sagt sich schnell. So lösen sich aber keine Konflikte. In meine Eigenverantwortung zu gehen und mein Gegenüber in seine Eigenverantwortung zu nehmen – das ist für mich ein liebevoller Umgang."

Sie werden von Hundertausenden von Frauen beneidet, da Sie Henning Baum sehr nahe kommen durften. Wie finden Sie diesen Kerl?

Christina Hecke: "What a man... Ich schätze ihn als Kollegen sehr und liebe seine zuvorkommende, männliche Art. Und ich möchte betonen, dass 'männlich' für mich eine sehr positive Eigenschaft ist. Ein Mann, der sich in seiner Männlichkeit wohl fühlt ohne mir den Macho um die Ohren zu hauen – das geht gar nicht! – der also mich als Frau und andere Frauen ehrt und sich als Mann versteht: das ist unglaublich sexy."

Sie sind von München nach Berlin gezogen? Was gefällt Ihnen an dieser Stadt?

Christina Hecke: "Die Vielfältigkeit und das ständig neu entstehende Ganze. Hier gilt: Gibt's nicht – gibt's nicht! Hier in einem Café sitzen: Das ist immer einzigartig."

Sie waren sehr sportlich, sind gerne Motorrad gefahren oder haben sich mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug gestürzt. Seit einem schweren Autounfall hat sich ihr Leben geändert. Wo liegen jetzt Ihre Prioritäten?

Christina Hecke: "Die Selbstliebe hat den Platz der risikofreudigen oder manches Mal lebensmüden Grenzgängerin eingenommen. Ich bin um jede Erfahrung dankbar! Vor allem um die, um das Leben zu kämpfen. Ich genieße es, Frau zu sein, die Welt bewusst zu erleben und sanft mit mir umzugehen statt wie früher regelmäßig in Notaufnahmen oder beim Chiropraktiker zu sitzen. Ich muss nicht mehr 'cool' sein – das ist sehr 'cool'...!

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