Fahndung Deutschland

Prozess um Anneli-Marie (†)

Entführt, erdrosselt, erstickt

Am Donnerstag, den 13.08.2015 gegen 19.30 Uhr verlässt die 17-jährige Anneli-Marie R. ihr Elternhaus in Robschütz (Landkreis Meißen) - und kommt nicht wieder zurück. Ihre Eltern erhalten eine Lösegeldforderung.

29.07.2016 17:45 Uhr
Annelie-Marie Müller aktuelles Foto CUT
© Polizeidirektion Dresden

Ein Polizeispürhund führt Polizisten zu einem nahegelegenen Hof. Spezialkräfte der Polizei finden das Mädchen dort aber nicht; Anneli-Maries Aufenthaltsort bleibt unbekannt. Die Staatsanwaltschaft und die Polizei ermitteln und fahnden umfangreich. Doch ausgewertete Hinweise führen vorerst nicht zu einem Durchbruch.

Dann ergeben Ermittlungen: Das Mädchen wurde entführt - auf der Verbindungsstraße zwischen der B101 und Luga. Die Entführer fordern 1,2 Millionen Euro Lösegeld von Anneli-Maries Vater, einem Unternehmer. Die Behörden ermitteln wegen erpresserischen Menschenraubes.

Bei der Lösegeldübergabe scheitern die Entführer; die Polizei verhaftet zwei Männer: Markus B. und Norbert K., beide sind verschuldet.

Am Feitag, den 29.07.2016, beim Prozess gegen beide mutmaßliche Täter im Landgericht Dresden, präsentiert Rechtsmediziner Uwe Schmidt die Obduktionsergebnisse und die Todesumstände. Das Gutachten kommt zum Schluss: Anneli-Marie wurde am 14.08.2015, einen Tag nach ihrer Entführung, erdrosselt - mit Kabelbindern oder einem Spanngurt. Das Mädchen erstickte.

Kaltblütig ermordet

Die Tat wird dem 40jährigen Markus B. vorgeworfen. Die Dresdner Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass er das Mädchen kaltblütig ermordet hat - aus Angst, endeckt zu werden. Markus B. wird daher auch wegen Mordverdacht angeklagt. Seit Ende Mai steht er vor dem Landgericht Dresden, mit seinem mutmaßlichen Komplizen Norbert K. Dieser sagte der Polizei, dass er Markus B. nicht abhalten konnte, Anneli-Marie umzubringen.

Aus dem am 29.07.2016 verlesenen Vernehmungsprotokoll des Angeklagten K. geht hervor, dass Anneli-Marie sich heftig wehrte, als sie von ihrem Fahrrand gezerrt und in ein Auto gesteckt wurde. Später fesselten die Beschuldigten sie demnach an einen Stuhl.

Rechtsmediziner Schmidt erläuterte ausführlich die Spuren, die bei einer Obduktion am 18. August 2015 im Dresdner Institut für Rechtsmedizin an der Leiche gefunden wurden:

Bereits am Vorabend hatte es am Fundort der Toten in der Nähe des elterlichen Anwesens eine Leichenschau gegeben. Damals konnte wegen des Zustandes der Leiche nicht sofort auf die Todesursache geschlossen werden. Da am Hals aber ein Spanngurt festgezurrt war, gingen die Ermittler von Erdrosseln aus. Unter dem Spanngurt fanden sich bei der weiteren Untersuchung zwei Kabelbinder.

PresseerklXrungXFamilie
Öffentlicher Brief der Familie an die Lösegeld-Erpresser | © Polizeidirektion Dresden

K. hatte bei einer früheren Vernehmung zu Protokoll gegeben, dass B. das Mädchen zuerst mit Äther betäuben wollte, was aber nicht funktionierte. Dann soll er eine Plastiktüte über den Kopf seines Opfers gestülpt haben, um es zu ersticken. Allerdings habe Anneli-Marie weitergeatmet. Dann kamen offenbar die Kabelbinder und der Gurt zum Einsatz.

Von der Tötung will K. nichts gesehen haben. Später half er nach eigener Aussage aber mit, die Leiche zu verstecken.

Anklage: Erpressung, Menschenraub, Mord

Die Nebenklage im Anneli-Prozess hält beide Angeklagten für Mörder. Auch bei K., dem erpresserischer Menschenraub mit Todesfolge vorgeworfen wird, müsse Mord durch Unterlassen in Betracht gezogen werden. Das sagte der Anwalt der Eltern des Opfers am vergangenen Prozesstag. Es sei klar, dass K. gewusst habe, dass der andere Mann das Mädchen töten wollte.

Der Prozess wurde am 8. August fortgesetzt, am 18. August beendete Richterin Birgit Wiegand die Zeugenvernehmungen, bis zum 26. August gab es sechs Verhandlungstermine.

Am 5. September sprach das Landgericht Dresden das Urteil:

  • Lebenslange Freiheitsstrafe für den 40-jährigen Entführer und Mörder der 17-jährigen Anneli-Marie, Markus B.
  • Acht Jahre Haft für seinen Komplizen, den 40-Jährige Norbert K. - ebenfalls wegen "Mordes in Tateineinheit mit erpresserischem Menschenraub mit Todesfolge".

Kommentare

Ab in den Foodtruck!

Fan werden