Fahndung Deutschland

Stalking

Opfer müssen schnell handeln

Man wird bombardiert mit Anrufen, E-Mails oder SMS, bekommt unerwünschte Pakete, wird sogar bedroht: Wer gestalkt wird, muss vor allem schnell handeln. Betroffene sollten klarmachen, dass sie jetzt und in Zukunft keinen Kontakt möchten.

13.07.2016 13:30 Uhr / dpa
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«Das heißt aber auch, sich nicht auf ein letztes Gespräch einzulassen und danach jegliche Kontaktversuche komplett zu ignorieren», sagt Andreas Mayer, Leiter der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart.

Stalking bezeichnet das beabsichtigte und wiederholte Verfolgen eines Menschen, der dadurch im Alltag extrem eingeschränkt wird. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch, den 13. Juli 2016 ein neues Gesetz zum Schutz vor Stalking beschlossen. Demnach soll Stalking auch dann strafbar sein, wenn das Opfer dem Druck nicht nachgibt und sein Leben nicht ändert, erläutert Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). Bis zu drei Jahren Haft drohen demnach, wenn jemand einer anderen Person in dieser Weise unbefugt und beharrlich nachstellt.

Neues Gesetz: bis drei Jahre Haft

Wer gestalkt wird, sollte dem Täter keine Angriffsfläche bieten. Das bedeutet, ein klares «Nein» auszusprechen und ihn konsequent zu ignorieren, sagt Mayer. Opfer sollten keine SMS beantworten, alle Anrufe wegdrücken und sich auf keinerlei Kontakt einlassen.  Außerdem sollten Opfer Partner, Freunde, Verwandte, eventuell auch Kollegen über ihren Stalker informieren. Zum einen schreckt das womöglich den Täter ab. Zum anderen nehmen die anderen vielleicht auch etwas wahr, was man selbst nicht mitbekommt - etwa wenn der Stalker um das Haus schleicht.

Gegen Telefonterror gibt es laut Mayer diverse Schutzmöglichkeiten. Das kann eine Fangschaltung sein, eine geheime Rufnummer oder ein Zweitanschluss. Auch ein Anrufbeantworter kann helfen. «Dann informiert man Freunde und Verwandte, dass sie immer erst kurz auf das Band sprechen sollen, dass sie es sind.» Erst wenn man weiß, wer dran ist, nimmt man den Anruf an.

Polizei und Anwälte helfen

Zur Polizei sollten Betroffenen gehen, sobald sie sich stark eingeschränkt oder bedroht fühlen. Anrufe, Mails oder andere Nachrichten, Besuche und Geschenke sollte man genau dokumentieren mit Datum und Uhrzeit. Die Polizei nehme dann erstmal Kontakt zum Beschuldigten auf, schildert Mayer. «Das veranlasst manche schon zum Aufhören.» Denn in ihrer Eigenwahrnehmung beurteilen Stalker ihr Verhalten oft ganz anders als Außenstehende. Wird er zur Polizei geladen und redet die ihm womöglich ins Gewissen, ist das für manche ein Weckruf.

Auch eine Rechtsberatung beim Anwalt kann helfen. «Es gibt zivilrechtlich die Möglichkeit, eine einstweilige Anordnung beim Amtsgericht zu bewirken», sagt Mayer. Dort wird dann zum Beispiel beschlossen, dass sich der Stalker dem Opfer nicht mehr auf eine bestimmte Entfernung nähern und keinen Kontakt aufnehmen darf. «Wenn er dagegen verstößt, ist die Strafe oft wesentlich härter als in einem normalen Verfahren», sagt Mayer. Schließlich sind beim Stalken die Grenzen fließend, beim Verstoß gegen eine richterliche Verfügung aber nicht.

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