Fahndung Deutschland

Bluttat bleibt wohl ungesühnt

Mord verjährt nicht

Die 18-jährige Yasmin Stieler wird bei einem Diskobesuch ermordet, ihre zerstückelte Leiche an mehreren Orten gefunden. Dem Tatverdächtigen weist die Justiz keinen Mord nach. Seine Anklage auf Totschlag verjährt nach 20 Jahren – am 6. Oktober. Den Ermittlern läuft die Zeit davon.

23.09.2016 16:01 Uhr / Andreas Wolf
Yasmin Stieler 1996 (Strawberry)
Yasmin Stieler auf einem Foto aus dem Jahr 1996 | © Fahndung Deutschland

Am 5. Oktober 1996 wird Yasmin Stieler aus Uelzen (Niedersachsen) ermordet – auf dem Hinweg oder Rückweg eines Diskobesuchs in Braunschweig. Dorthin wollte die 18-Jährige mit einer Bahn über Hannover. Wann und wo Yasmin ihren Mörder trifft, ist unklar.

Leichenteile an Autobahn verstreut

Am 14. Oktober 1996 finden Spaziergänger den Torso der jungen Frau, an einer Bahnstrecke zwischen Braunschweig und Hannover. Die Leiche ist zerstückelt: Kopf und Beine fehlen. Die Beine finden Polizei-Taucher zwei Wochen später im Ricklinger See bei Hannover. Ein Junge entdeckt Yasmins Kopf am Abend des 12. Mai 1997 im Hämelerwald bei Hannover-Lehrte.

Der Täter hat die Leichenteile auf rund 80 Kilometern entlang der Bundestraße 65 zwischen Hannover und Braunschweig verteilt.

Yasmins Mutter beerdigt ihre Tochter dreimal – jedes Mal, wenn Leichenteile gefunden werden. Die Hände der Toten bleiben verschollen.

Grab Yasmin Stieler (Strawberry)
Das Grab von Yasmin Stieler | © Fahndung Deutschland

Die Ermittler kommen zunächst nicht weiter. Trotz 1300 Speichelproben von Männern aus Vechelde (Dezember 1996). Trotz großer Plakate mit Bildern von Yasmin entlang der Bahnstrecke Braunschweig-Hannover (September 1997). Trotz einer erhöhten Belohnung auf 50.000 D-Mark. Trotz Polizeibefragungen möglicher Zeugen in Braunschweiger Diskos.

Viele Hinweise und Indizien zum Mörder

Rund 12 Jahre nach dem Mord, Mai 2008, der erste Fahndungserfolg: Die Polizei findet den Tatverdächtigen – einen 41-jährigen verheirateten Mann aus Vechelde bei Braunschwieg. Der Mann ist wegen Körperverletzung vorbestraft. In seinem Auto entdecken Polizisten einen Gartenspaten mit Erdresten, die zum Fundort des Torsos passen. Im Boden am Fundort finden sich Lacksplitter des Spatens. 

Die Ermittler finden weitere Hinweise, die dafür sprechen, dass der Tatverdächtige der Mörder ist: den Fahrtenschreiber im seinem Fahrzeug. Und die Plastiksäcke, mit denen Yasmins Leiche beseitigt wurde, sollen in der früheren Firma des Mannes benutzt worden sein.

Tatverdächtiger aus U-Haft entlassen

Herbst 2008 kommt der Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Er gesteht die Tat nicht. Die Staatsanwaltschaft klagt den Verdächtigen des Mordes an. Doch laut Gericht sind die Beweise „zu dünn“, das Ermittlungsverfahren fußt auf Indizien. Diese reichen dem Landgericht Braunschweig nicht zur Mordanklage. Auch der Ablauf der Tat ist unklar. Die Anklage daher: Totschlag.

Info-Kasten
© Fahndung Deutschland

Im deutschen Recht verjährt Totschlag nach 20 Jahren – im Fall Yasmin am 6. Oktober. Den Ermittlern läuft die Zeit davon. Sie wenden sich an die Bevölkerung für neue Hinweise zum Tod der damals 18-Jährigen.

  • Wer hat Yasmin Stieler in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 1996 - womöglich begleitet von einem Mann - in Braunschweig gesehen?
  • Wer hat einen Mann beobachtet, der Müllsäcke entsorgt hat?
  • Wer hat im Laufe der Jahre verdächtige Bemerkungen gemacht zum Verschwinden von Yasmin Stieler?
Yasmin Stieler (Strawberry)
Yasmin Stieler (✝) | © Fahndung Deutschland

Familie Stieler und mehrere Geldgeber belohnen Zeugen, die entscheidende Hinweise geben können, mit 70.000 Euro.

Sachdienliche Hinweise bitte an die Polizei Peine (bei Braunschweig) unter der Telefonnummer 05171 9990.

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