Fahndung Deutschland

Ungeklärter Kriminalfall

Seit 17 Jahren verschollen: Hilal Ercan

1999: Hilal Ercan bringt ein gutes Schulzeugnis nach Hause, zur Belohnung darf sie Süßigkeiten kaufen. Die Zehnjährige verlässt die Wohnung – und verschwindet. Die größte Suchaktion der Hamburger Kriminalgeschichte bleibt erfolglos. 

09.09.2016 14:35 Uhr / Andreas Wolf

Mittwoch, der 27. Januar 1999 in Hamburg-Lurup: Die zehnjährige Schülerin Hilal Ercan kommt mit einem guten Zeugnis nach Hause. Von ihren Eltern erhält sie als Belohnung eine D-Mark, um sich Süßigkeiten zu kaufen.

Mit Schwester Fatma fährt Hilal aus der Elternwohnung im achten Stock des Mehrfamilienhauses ins Erdgeschoss. An der Haustür der Wohnanlage in der Elbgaustraße trennen sich die Wege der Schwestern, um ungefähr 13.15 Uhr.

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© Fahndung Deutschland

Um 13.22 Uhr wird im „Spar“-Markt am Elbgau-Einkaufszentrum ein Kaugummi-Päckchen der Marke „Hubba Bubba“ gekauft. Ob Hilal das Päckchen kaufte – unklar. Möglich ist, dass die Zehnjährige für Kaugummis die Einkaufpassage durchquerte, zum dahinterliegenden Schwimmbad lief – auch dort gab es Süßigkeiten. Fakt ist: Auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums endet die Spur des Mädchens.

Wenige Stunden später leitet die Polizei die Fahndung nach Hilal Ercan ein. Es wird die größte Suchaktion in Hamburg nach dem zweiten Weltkrieg. 

Umfangreichste Fahndung Hamburgs 

Spurensicherer durchforsten den Wald. Polizisten verteilen Vermisstenanzeigen in der Stadt. Behörden setzen für klärende Hinweise eine Belohnung von 20.000 D-Mark aus. Ermittler reisen bis in die Türkei, um möglichen Kindsentführern auf die Spur zu kommen. Alles vergeblich. Das Mädchen bleibt verschollen. 

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© Fahndung Deutschland

Eine Woche nach Hilas Verschwinden meldet sich bei Familie Ercan telefonisch ein Mann. Er behauptet, Informationen zu haben; vereinbart einen Treffpunkt mir der Familie: an der U-Bahn-Station „Christuskirche“ in Hamburg-Eimsbüttel. Voller Hoffnung machen sich die Eltern auf den Weg. Doch niemand erscheint am Treffpunkt. 

Mutmaßlicher Täter gesteht 

Das Landeskriminalamt übernimmt die Akten zu Hilal Ercan von der aufgelösten „Soko Morgenland“. 2005 rollt die Kommission „LKA 44“ den Fall neu auf, beleuchtet alle Spuren unter modernen kriminalpolizeilichen Aspekten. 

April 2005, über sechs Jahre nach Hilas Verschwinden, meldet sich bei der Polizei ein wegen Sexualstraftaten an Kindern Vorbestrafter. Der Mann lebt zu jener Zeit in einer Hamburger Psychiatrie. Er behauptet, Hilal entführt und ermordet zu haben. 

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© Fahndung Deutschland

Die Polizei folgt den Hinweisen des Tatverdächtigen, sucht das Mädchen in einem Wald, nutzt alle Möglichkeiten, um die Vermisste zu finden: Bagger, Spürhunde, Geo-Radar, archäologische Forensiker. Als Experten den Wald nach Hilal durchforsten, zieht der Tatverdächtige sein Geständnis zurück. Im Wald findet die Polizei weder Hilal noch Hinweise zu ihr. 

Ermittler hoffen auf neue Hinweise 

Über 600 Hinweisen ist die Polizei Hamburg nachgegangen. Am 9. September 2016 berichtet „Fahndung Deutschland“ über den Fall. Die Ermittler hoffen, durch die Sendung neue Ermittlungsansätze und Hinweise zu erhalten. Die Polizei sucht neue Zeugen, frische Aussagen – auch zu Kleidungsstücken, die Hilal Ercan trug, als sie verschwand.

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Diese Kleidungsstücke und Accessoires trug Hilal Ercan, als sie verschwand. | © Polizei Hamburg

Als Hilal Ercan verschwand, war sie Schülerin, zehn Jahre alt, ungefähr 145 cm groß und hatte lange schwarze Haare.

Das Mädchen war zuletzt bekleidet mit:

  • einer schwarz-grau gemusterten Jacke
  • einer schwarzen Jeans
  • einem orangefarbenen Pullover
  • schwarzen Schuhen mit Plateausohlen
  • verschiedenen Haarspangen und einem Ohrring

Falls Hilal Ercan lebt, ist sie heute 28 Jahre alt. Vor rund drei Wochen, am 22. August, hatte sie Geburtstag.

Fragen der Kriminalpolizei:

  • Wer hat Hilal gesehen – am Mittwoch, den 27.01.1999 gegen 13.15 Uhr in der unmittelbaren Umgebung der Elbgaupassage in Hamburg-Lurup?
  • Wer kann etwas sagen zum Verbleib der Kleidung oder der von Hilal mitgeführten Gegenstände, wie ihren Ohrringen und Haarspangen?
  • Wer kann sich an einen Mann erinnern, der in der Nähe der Elbgaupassage an einem Auto stand, im Fahrzeug hantierte oder den Eindruck vermittelte, auf jemanden zu warten?
  • Wem ist am Mittwoch, den 27.01.1999 nach 13.30 Uhr ein Auto aufgefallen, das in einer abgelegenen Gegend des Hamburger Randgebietes angestellt war oder umhergefahren ist?
  • Ein Mann rief am 3.2.1999 bei Familie Ercan an. Er sagte, Informationen über das Verschwinden von Hilal zu haben. Die Polizei bittet den Mann, sich zu melden.

Belohnung

Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat oder zur Festnahme der Täter oder des Täters führen, gibt es eine Belohnung in Höhe von 5.000 Euro.

Hinweise nehmen entgegen:

  • die Verbindungsstelle im LKA Hamburg unter der Telefonnummer (040) 4286-56789
  • jede andere Polizeidienststelle.

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