Klinik am Alex

"Für Floskeln fehlt die Zeit"

Andreas Brucker im Interview

klinik-am-alex-interview-andreas-brucker-300-400-Mosch-Sat1

Sie spielen den Oberarzt Dr. Stephan Roth. Was ist das für ein Mensch?

Andreas Brucker: "Ein Freund von mir ist Arzt. Ihn habe ich mir als Beispiel für meine Rolle genommen. Viele Ärzte im Krankenhaus haben einen Tunnelblick, weil sie so auf ihre Sache konzentriert sind. Da geht’s nicht mehr um Höflichkeit, sondern um Schnelligkeit und Präzision. Für Außenstehende sieht das manchmal hart aus. Aber für Floskeln wie 'Guten Morgen' oder 'Könnten Sie bitte...' fehlt dort einfach die Zeit. Das macht Stephan Roth für mich interessant: Er ist hart und sachlich, statt eines Lächelns bekommt man von ihm nur einen Blick. Nähert man sich ihm aber privat, geht es ins Tiefere, und er fängt an, Gefühle zu zeigen."

Besonders zwischen Luisa und Dr. Roth kommt dieser Bruch zwischen Beruflichem und Privatem zum Tragen. Zwischen den beiden entsteht eine spannende Dynamik.

Andreas Brucker: "So ist das ja auch gewollt. Wenn man schon in der ersten Folge denken würde: 'Die beiden kriegen sich bestimmt!', wäre es langweilig. 

Die OP-Szenen sind sehr authentisch inszeniert.

Andreas Brucker: "Wir haben echte Chirurgen und andere kompetente Berater am Set, die darauf achten, dass wie alles richtig machen. Jeder Handgriff muss perfekt sitzen, es soll ja nicht aussehen, als würden wir mit Messer und Gabel essen. Natürlich inszenieren wir die OPs nicht 1:1, schließlich machen wir Fernsehen. Aber für die Zuschauer muss es fachlich kompetent aussehen."

Wie haben Sie das entsprechende "Handwerkszeug" gelernt?

Andreas Brucker: "Bei den ersten OP-Trainings wurde uns erklärt, wie man zufasst: Wie ein Handwerker, nicht vorsichtig und zögerlich, sondern man packt an und weiß, wo man hin will. Die Chirurgie ist eine physische Arbeit, bei der man auch ins Schwitzen gerät. Als Laie hätte man Angst, etwas kaputt zu machen, aber so denken Ärzte nicht. Am Vorabend jedes OP-Drehs machen wir ein präzises Training der Abläufe, denn in OP-Szenen kann man nicht improvisieren. Wir sind inzwischen eingespielt wie ein gutes Fußballteam. Unsere Regisseurin Esther Wagner sagt immer: 'Wenn ich das so sehe - ich würde mich sofort von euch operieren lassen."

Das Ergebnis ist verblüffend realistisch.

Andreas Brucker: "Das ist der große Unterschied zu anderen deutschen Arztserien. Dort sahen die Darsteller zwar auch aus wie Operateure, aber spätestens auf der Höhe des Unterarms war Schluss. Man sah nicht, dass dort Ärzte versuchen, auf Teufel komm raus ein Leben zu retten, dass sie Risiken eingehen, indem sie Blutgefäße durchtrennen. Bei uns herrscht auch im OP Tempo."

Welche Szenen beeindrucken Sie persönlich am meisten?

Andreas Brucker: "Unsere Special-Effects-Abteilung ist sensationell. Jeder Körper, jeder Muskelstrang wurde unglaublich gut vorbereitet. Wir schneiden mit echten Skalpellen, unser 'Fleisch' ist allerdings Silikon. Ich musste mich kürzlich einer echten Operation an der Hand unterziehen und habe die Krankenschwester gebeten, für mich Fotos zu machen. Die hatte ich den Jungs von der Special-Effects-Abteilung versprochen - als Inspiration. In der ersten Folge gibt es eine Szene mit Zwillings-Frühchen. Meine Kollegin Jana Voosen hatte ganz wässrige Augen, weil diese kleinen Bündel so real aussahen. Für mich sind das wirkliche Künstler."

Jana Voosen alias Luisa Keller im Interview

Fan werden