Ladykracher

Die neue Staffel - ab 20. April immer freitags um 22:10 Uhr!

Anke Engelke im Interview

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© SAT.1/Willi Weber

"Frauen dürfen nicht nur doof oder schlau, schön oder hässlich sein, sondern alles.“

Wie bist Du auf den Namen "Ladykracher“ gekommen?

Das Format heißt wie meine Produktionsfirma. Für die habe ich 1999 einen Namen gesucht. Meine Schwester und ich kamen immer wieder mit neuen, versauten Namen an. Jörg Grabosch und mein Mann, die an der Firma beteiligt sind, verdrehten nur die Augen. Ladykracher gefiel uns, weil das Wort geschrieben schön aussieht und man gleich mitkriegt, dass es um Frauen, Humor und Überraschungen geht.

Gibt es überhaupt so etwas wie Frauenhumor?

Schon, allerdings fand ich den früher immer ein wenig verstaubt und eingemottet. In der Kölner Szene z.B. gab es entweder nur diese kleinen Mäuse, die auf den Bühnen standen und süß aussahen und zur Begleitung eines amtlichen Typen am Flügel süße, ein wenig freche Chansons gesungen haben: "Huh, Schlitz im Kleid“ und so. Oder es gab diese totalen Monsterweiber, vor denen die Männer nur Angst hatten. Die Entwicklung in den letzten Jahren ist allerdings hervorragend. Größen wie die 'Missfits’ oder die 'Popette Betancour’ trauen sich endlich vor eine Kamera, Frauen dürfen nicht nur doof oder schlau, schön oder hässlich sein, sondern alles.

Sind "Ally McBeal“ oder die Damen von "Smack the Pony“ Vorbilder für Dich?

Klar finde ich die gut, das ist super Entertainment, keine Frage. Es wird nicht die Welt verändern, eher die Menschen und damit vielleicht dann doch die Welt. Aber schon damals bei 'Anke’ haben mich alle gefragt, ob ich 'Ally McBeal’ gut finde und danach geschrieben: 'Anke ist wie Ally McBeal’. Jetzt mache ich 'Ladykracher’ und man sagt: 'Ah, sie findet bestimmt 'Smack the Pony’ und 'Sex and the City’ gut.’ Ich habe schon immer britische und amerikanische Sachen gesehen und z.B. die 'Saturday-Nightlife’-Frauen bewundert. Aber Vorbilder? Das sind für mich alle, die ihr Ding durchziehen, egal ob Mann oder Frau, ob Komiker oder Rohrverleger.

Andere gehen morgens ins Büro oder auf die Baustelle, Du zum Set. Wie gehst Du so einen Arbeitstag an?

Natürlich wird im Vorfeld vieles besprochen, wie die Figuren aussehen, wie die Sketche funktionieren sollen und so. Vieles passiert aber auch spontan am Set. Ich bin ja nicht der typische Schauspieler, der zum Set kommt und sagt: Ich habe mir die Nummer übrigens so und so vorgestellt. Ich bin ein Perfektionist am Set, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Irgendwann lasse ich auch los. Ich kann mich ziemlich darauf verlassen, dass ich weiß, wie ich was spielen muss. Und zwar nicht, weil ich die Beste bin, sondern weil ich meine Grenzen so gut kenne.

Wo liegen diese Grenzen?

In technischen Sachen. Meine ausgebildeten Schauspielkolleginnen und -kollegen fragen höchstens noch kurz, warum ist die so, auf welcher Metaebene bewege ich mich eigentlich, was passiert hinter dem Text? Sie öffnen eine Schublade, auf der steht 'Heimweh’. Ich habe kein solches Schränkchen, auf das ich zurückgreifen kann, wenn ich was spielen muss. Ich muss das von woanders holen, manchmal auch aus meinem eigenen Erfahrungspool, oder für ein Jahr verreisen – dann kann ich Heimweh spielen!

Gehört zu einem guten Comedian auch ein Schuss Verletzlichkeit?

Als Schauspieler, speziell als Komiker muss ich sensibel sein und eine Antenne haben für alles, was um mich herum passiert, sonst wäre ich ja tot. Das ganze Elend kann ich im Grunde ja nur ertragen, weil ich komisch bin und weil ich darauf immer wieder ein positives Feedback bekomme. Ich verbarrikadiere mich nach wie vor nicht. Vorhin war ich in der Stadt mit einer Freundin Jeans kaufen bei H&M. Da kommen die Leute und wollen mir die Hand schütteln. Das ist toll, sehr warm irgendwie.

Hast Du nie gedacht, jetzt mache ich was ganz anderes, jetzt ist Schluss mit lustig?

Olli Dittrich sagt immer: 'In der Zeitung von heute wickelt man morgen den Fisch ein.’ Nein, beleidigt sein war nie mein Ding. Diese Haltung finde ich furchtbar eitel, zu denken, die Welt dreht sich nur um einen selbst. Viele haben gesagt: Anke, das hast Du gar nicht nötig, hör doch einfach auf. Aber, hey, das würde ja bedeuten, dass mir das alles nichts bedeutet.

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