The Biggest Loser

Fragen an dr. med. Christine Tabacu

Frag Tine

        

Adipositas: Definition und Krankheit

 

Wann spricht man von Übergewicht – wann von Adipositas?
Umgangssprachlich bedeuten für viele Übergewicht und Adipositas das Gleiche. Falsch! Die Differenzierung zwischen beiden ist schwierig und der Übergang hauchdünn. Definitionshilfe ist der BMI. Danach spricht man von Übergewicht ab einem BMI > 25 kg/m2 und von Adipositas ab einem BMI von > 30 kg/m2 ( nach WHO). Beide haben in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Tendenz steigend! Meine Kandidaten haben alle einen BMI um 50 kg/m2. Damit leiden sie an einer Adipositas per magna bzw. Adipositas Grad III. 

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Ist Übergewicht eine Krankheit?

Übergewicht ist noch keine Krankheit. Aber die Adipositas mit ihren drei Schweregraden! Adipositaskranke leiden oft an einer verminderten Lebensqualität, chronisch verlaufenden Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 und Herz-, Kreislauferkrankungen sowie frühe Berentung und frühe Sterblichkeit. Und 10 % der Krankheitskosten sind der Adipositas zuzuschreiben. Auch hier Tendenz steigend!

        

Bluthochdruck und Schlaganfall aufgrund Adipositas

Warum ist Adipositas ein Risikofaktor für einen Bluthochdruck und Schlaganfall? Es gibt doch auch schlanke Menschen mit Bluthochdruck!

Das stimmt! Es gibt viele Risikofaktoren, z.B. Rauchen, die eine Entstehung des Bluthochdrucks begünstigen.
ABER, Hauptrisikofaktor ist die Adipositas. Genauer gesagt: ab einem BMI > 40 = Adipositas per magna droht Explosionsgefahr. Das Tückische dabei ist, dass Bluthochdruck über lange Zeit unentdeckt bleiben kann. Zum Arzt gehen die Betroffenen oft erst bei Kopfschmerzen, Schwindel oder unstillbarem Nasenbluten. Das war auch Bernhards erster Grund einen Arzt aufzusuchen. Die Symptome sind Alarmsignale. Bis dahin hat der schlummernde Druck das Herz-, Kreislaufsystem schon stark belastet und ist nicht selten schlecht einstellbar. Schlaganfall - Apoplex und Co. können bald die Folge sein. Das muss nicht sein! Denn durch Gewichtsreduktion kann sich der Blutdruck normalisieren. Heißt: Selbstbehandlung durch Kilogrammverlust.

Die 5 wichtigsten Risikofaktoren zur Entstehung eines Schlaganfalls sind in absteigender Folge:

  1. Bluthochdruck = Hypertonie  - Haben die Orangen
  2. Viel Fett im Bauch mit Leberverfettung - Haben die Orangen
  3. Bewegungsmangel - Haben die Orangen
  4. Rauchen
  5. Fehlerhafte Ernährung - Haben die Orangen

     

Bauchfett: Warum ist es so gefährlich?

Ein sehr wichtige Frage! Denn die meisten Adipositaspatienten wissen nicht, dass das Fett im Bauchbereich z.B. in der Leber und am Darm, jenes ist, das krank macht. Der Grund: Die Fettzellen des inneren Bauchfettes produzieren Stoffe, die direkt schädigend auf das Herz-, Kreislaufsystem und die Nieren wirken. Es droht die Entstehung von Arteriosklerose, Bluthochdruck und folgend Herzinfarkt, Schlaganfall und mehr.
Ein erster Blick auf die Patienten verrät vieles über die Fettverteilung: Apfel oder Birne – gefährlich oder nicht. 85% der übergewichtigen Frauen zeigen die Birnenform. Das Fett ist verteilt auf Hüften, Gesäß und Oberschenkel. Dieses Fett hat weniger Krankheitspotential. Typische Birnen sind Anja und Janina von Team Grau. Im Gegensatz dazu sind 80% der adipösen Männer Äpfel. Sie sind charakterisiert durch sie Stammfettsucht bzw. den klassischen „Bierbauch“ mit einer krankmachenden Fettvermehrung im Bauch. Michael von Team Türkis ist das beste Bespiel für die Apfelform. Aber ACHTUNG! Fett in Massen lässt die Formen vermischen! Dann ist man Apfel und Birne.

Ist Übergewicht erblich?

Viele sagen, dass ihr „Dick sein“ angeboren ist. Stimmt das?
Nicht jeder Mensch ist gleich. Das betrifft nicht nur das Aussehen, sondern auch das Gewicht. Die Veranlagung stämmig, kräftig und kein Modell zu sein, gibt es. Das macht uns so verschieden und abwechslungsreich. ABER hier muss man unterscheiden. Hauptgründe für die Krankheit Adipositas sind ungesunde Ernährung, mangelnde Esskultur, falsches Essverhalten und natürlich der Bewegungsmangel. Dazu im Vergleich gibt es nur wenige Erkrankungen und Medikamente, die zu krankhaftem Übergewicht führen.

Übergewicht und der Verlust an Lebensjahren

Kann man wirklich den Verlust an Lebenjahren berechnen?
Ja! Es gibt wissenschaftliche Tabellen, an denen man den Verlust an Lebensjahren bei Männern in bezug zum BMI ablesen kann. Das für mich schockierende Fazit dieser Tabellen: JE LÄNGER DIE ADIPOSITAS BESTEHT, JE JÜNGER DER BETROFFENE IST, DESTO HÖHER DER VERLUST AN JAHREN durch Folgeerkrankungen ( Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Krebs....). Achtet auf die Kinder!

Mit Adipositas wohlfühlen?

Ist es eine Ausrede, wenn ein adipöser Mensch sagt, dass er sich wohl fühlt?

Ich sage: "Bei einem Großteil der Betroffenen: Ja!" Bei diesem Thema muss man aber auch wieder zwischen Übergewicht und Adipositas unterscheiden. Sie ist eine komplexe Erkrankungen. Ich sehe einer der Problematiken im Verlust des realen Blickes gegenüber Körper und Lebenssituation. Die Betroffenen sehen oft nicht die Folgekrankheiten in direktem Zusammenhang zu ihrem Gewicht, sie erfinden Ausreden und verdrängen: "...das liegt in der Familie....,.... ich find mich super so wie ich bin...., so viel esse ich gar nicht...". Alles Zeichen eines typischen Suchtverhaltens. Die Adipositas ist eine Essstörung, die in vielen Fällen eine verminderte Lebensqualität nach sich zieht. Um das den Kandidaten nahe zu bringen, vergleiche ich diese Situation gerne mit derjenigen eines Kettenrauchers. Auch er raucht weniger, als tatsächlich und hat angeblich keine gesundheitlichen Probleme. Verdrängen und verschönen! Aus diesen Gründen ist es nicht nur wichtig die Ernährung umzustellen und sich zu bewegen, sondern auch mal hinter die Kulissen zu blicken, Fragen zu beantworten: "Wann esse ich? Was sind die Auslöser von Fressattacken? Was löst mein Zustand in meiner Umgebung aus: Probleme am Arbeitsplatz? Vermindertes Selbstwertgefühl? Es gibt Fragebögen zur Lebensqualität – speziell für Adipöse, deren Auswertungen zeigten, dass Frauen mehr unter ihrem massiven Übergewicht leiden, als Männer. Ein Tagebuch, dass keiner lesen muss, kann der erste Schritt zur Selbsterkenntnis sein und helfen, diese Krankheit zu verstehen.

Sind Ehrgeiz und Perfektionismus nicht was Gutes?

Definitiv! Sich und sein Handeln zu überdenken und seine Ansprüche eine Latte höher zu legen, kann keinem schaden. Mit positivem Ehrgeiz sein Bestes zu geben, kann zu Höchstleistungen führen. Die Kunst allerdings ist, die Fähigkeit zu haben mit Fehlern und Niederlagen umgehen zu können und das, was man geschafft hat, super zu finden. Ist das nicht so: Wachsam sein!!!! Dann ist der negative Ehrgeiz auf dem Vormarsch und kann langfristig schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Erste Alarmzeichen sind Aussagen wie: „Ich war nicht gut, denn ich hab nicht gewonnen", "Ich kann es mir nicht verzeihen, wenn mir das nicht gelingt." Diese Menschen können sich auch nur selten über Erreichtes freuen, denn sie hätten es ja besser machen können. Das Streben die Nummer Eins zu sein, kann zu körperlicher Anspannung, innerer Unruhe und Stress führen. Langfristig negative Folgen des Perfektionismus können sein: Minderwertigkeitsgefühl, psychisch und physische Erschöpfung mit Gefahr des Burnouts, Schlafstörungen, Essstörungen, Ängste und sogar Depressionen. Das will keiner! Auch nicht Freunde und Familie. 

Sind Wehwehchen typisch für Übergewichtige?

Nein! Nicht alle. Und da versuche ich die Kandidaten auch zu beruhigen. Die sportbedingten Beschwerden sind oft Muskelkater, Überanstrengungsreaktionen wie Ansatzreizungen der Muskeln, unkomplizierter Rückenschmerz und Wadenkrämpfe. Auch Magen und Darmprobleme, durch die Ernährungsumstellung, sind am Anfang nicht selten. Nichts Schlimmes! Auch untrainierte schlanke Menschen bekommen Muskelkater und Co. Angst nehmen und Aufklären, warum etwas weh tut und was man dagegen tun kann, das ist wichtig. So lernen die Kandidaten etwas über ihren Körper: Wie er funktioniert und wie man kleine Wehwehchen selbst behandeln kann.

Haben es ältere Adipöse schwerer, Gewicht zu verlieren? 

Ich sage: Nein! Und "The Biggest Loser" ist das beste Beispiel: Die Gewinner der letzten Staffeln waren um die 40 +/, wie Jack und Carlo – beide Ü 40, oder Silke aus Hamburg, als Siegerin des kleinern Finales letzten Jahres. Sie ist sogar Ü50! Bestimmt fallen den Älteren bestimmte Sportarten schwer, aber es muss ja auch nicht der tägliche Joggingmarathon sein.  Es gibt genug Sport-Kombinationsmöglichkeiten, die optimal für den Einzelnen sind. Die Kunst dabei ist, die richtige für sich zu finden und dran zu bleiben. Disziplin und Lebenserfahrung haben die Älteren den Jüngeren voraus. Was schwer fällt, ist die Umstellung der Lebensgewohnheiten, die über Jahrzehnte zum Übergewicht führten. Aber stimmt die Motivation, ist das nur ein kleiner Hinderungsgrund. Fazit: Alter ist kein Grund nicht gesund abzunehmen!

Sport und Ernährungsumstellung reichen zum Abnehmen doch aus. Oder?

Ja vielleicht, wenn man leicht übergewichtig ist. Bei der Adipositas (BMI > 30) sieht es nicht so einfach aus. Man muss sich immer vor Augen führen, dass sie eine komplexe Erkrankung in Bezug auf Entstehung, Folgen und Therapie ist. Langfristig gesund Gewicht zu verlieren und dieses halten zu können, ist schwer und die Rückfallquote hoch. Es sieht einfacher aus, als es ist! Um dran zu bleiben, hier ein paar Zahlen die zum Nachdenken anregen und vor dem Rückfall schützen sollen. Denn noch ist es, auch für unsere Kandidaten, nicht geschafft!

- 23,3 % der deutschen Männer zwischen 18 und 79 sind adipös. 1998: 18,9%

- 23,9 % der deutschen Frauen sind adipös. 1998: 18,9 % 

- Adipositas ist zu ca. 70% an der Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2 - „ angefressener Zucker“ - beteiligt. Genau wie an der Entstehung von einigen Krebserkrankungen.

- 20900 Adipositaskranke wurden 2008 in Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland behandelt. Und wir haben jetzt 2013.

- Ca. 8% (25 Mrd. Euro pro Jahr)  der Krankheitskosten sind 2008 der Adipositas zuzuschreiben. Und wir haben jetzt 2013.

Ist es schlimm, wenn man nicht mehr kann und will?

Nein! Der Körper ist keine Hochleistungsmaschine – und selbst die landen irgendwann mal auf dem Schrottplatz. Sport und Bewegung sind wichtig und sollen auch Spaß machen. Zu einem gesunden Training gehört die Kenntnis über seinen Körper, was er braucht und was nicht. Langfristig ist die Regelmäßigkeit der Bewegung das A und O. Mal eine Woche Extremsport und dann einen Monat nichts tun, bringt gar nichts. Der Körper braucht  Erholungsphasen zur Regeneration, genau wie die Reize des Neuen. Heißt: Jahrelanges Joggen zweimal in der Woche 5 km ist nicht effektiv. Neue Sportarten testen, kombinieren - das fordert und fördert den Körper und macht Spaß. Auch mit Schmerzen Sport zu treiben, ist nicht gesundheitsfördernd. Lieber eine Pause machen oder einen Gang zurückschalten. Wichtig ist: Dran bleiben! 

Welche Rolle spielen Übergewicht und Adipositas bei der Unfruchtbarkeit des Mannes?

Adipositas und Übergewicht haben nicht unerhebliche negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit des Mannes. Gründe dafür sind:

  • mit zunehmendem Gewicht wird die Qualität der Spermien schlechter
  • die Anzahl der Samenzellen ist erniedrigt, die Neubildung vermindert: Übergewichtige haben ca. 10% und Adipöse ca. 20% weniger Samenzellen, und sie sind kurzlebiger und langsamer. Ursache dafür ist eine Störung des Hormonhaushaltes; ein niedriger Testosteronspiegel.

Was kann man dagegen tun? 

Schon eine Reduktion des Gewichts um 5-10 Kilogramm wirkt sich positiv auf die Spermien und deren Bildung aus und erhöht somit die Chance auf eine Schwangerschaft.