Der SAT.1 FILMFILM

Die Hauptdarsteller im Interview

Hannes Jaenicke, Susanne Bormann, Muriel Baumeister und Stephanie Krogmann über Schönheits-OPs und die Herausforderung, ein brisantes Thema mit Gefühl und Humor zu erzählen.

© Maor Waisburd SAT. 1

Hannes Jaenicke, von Ihnen stammt die Idee zu dieser Geschichte.
Hannes Jaenicke: "Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit, dem Silkon-Skandal des Implantat-Herstellers PIP. Fast 400.000 Frauen wurden weltweit Opfer dieses Betrugsfalls. Lediglich in Frankreich wurden die betroffenen Frauen für den Betrug an ihrem Körper und ihrer Gesundheit entschädigt, nicht aber in Deutschland oder im Rest der Welt. Das Thema ist so brisant, dass man einen Film darüber machen musste."

Ein Film über einen Skandal, der noch immer eine so hohe Relevanz und Brisanz hat, ist auch eine Gradwanderung. Was war die größte Herausforderung dabei?
Hannes Jaenicke: "Den Film so zu machen, dass er seine Protagonistinnen und ihr Dilemma absolut ernst nimmt und der Zuschauer trotzdem mal lachen darf. Gerichtsdramen gibt es genug, wir wollten diesen Justiz-Skandal mit so viel Humor wie möglich erzählen, so wie es die Briten und Amerikaner gerne machen. Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht."

Im Film haben die Frauen ganz unterschiedliche Motivationen für eine Brust-OP. Wie stehen Sie persönlich zu einem solchen Eingriff?
Hannes Jaenicke: "Die Entscheidung, sich einer Brustoperation zu unterziehen, liegt einzig und allein bei den Frauen, die sich dazu entschließen."

Susanne Bormann: "Ich persönlich bin sehr glücklich mit meinem Körper, insofern liegt mir so ein Eingriff fern. Aber ich verstehe, dass es Frauen gibt, die zum Beispiel nach einer starken Veränderung ihres Körpers sich nicht mehr in ihm wohl fühlen. Generell würde ich nicht über jemanden urteilen, der sich so einer OP unterzieht. Vielmehr stelle ich die Frage: Was läuft in unserer Gesellschaft und unsere Wahrnehmung falsch, dass gesunde Frauen denken, sie müssten ihren Körper aufschneiden und verändern lassen, um einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen."

Muriel Baumeister: "Was hilft, hilft! Ich finde, jede Frau sollte das mit ihrem Körper tun, was ihr guttut. Aber: ich bin Feministin durch und durch. Was ich überhaupt nicht verstehen kann, ist das Definieren einer Frau über männliche Blicke. Ich finde, man sollte so einen Eingriff niemals für einen Mann tun. Doch genau das ist meistens der Fall!"

Stephanie Krogmann: "Mich als Naturkind schüttelt es allein bei dem Gedanken, Plastikkissen unter meiner Haut zu haben. Aber ich kann verstehen, wenn Frauen das aus psychologischen Gründen machen. Das muss jede für sich selbst entscheiden... Alle wollen so aussehen wie die Frauen auf dem Zeitschriftencover und vergessen, dass diese Frauen mit Photoshop verändert, verformt und geglättet wurden oder selbst schon operiert sind und eben nicht der Realität entsprechen. Sie rennen einem künstlichen Ideal hinterher. Ich würde gerne mehr Frauen sehen, die nichts an sich verändern wollen, auch wenn sie vom gängigen Modelideal abweichen."

Susanne Bormann, Sie spielen im Film Polizistin Jenny, die ihr Leben lang wegen Ihres flachen Busens gehänselt wurde.
Susanne Bormann: "Ich mochte die Schlagfertigkeit und die Sturheit, mit der sich Jenny zur Wehr setzt. Jenny glaubt an Gerechtigkeit, deshalb ist sie auch Polizistin geworden... Ich fand außerdem gut im Drehbuch beschrieben, was so ein Kampf für das persönliche Umfeld bedeutet. Wie schwierig es für den Partner ist, wenn man sich komplett einer Sache verschreibt und nur noch dafür lebt."

Muriel Baumeister, Sie spielen im Film Konstanze, die sich nach drei Schwangerschaften für eine Brust-OP entschieden hat. Warum haben Sie sich entschlossen, die Rolle zu übernehmen?
Muriel Baumeister: "Zum einen, weil ich den Regisseur Holger Haase sehr schätze, zum anderen aber, weil ich das Thema spannend fand und glaube, dass alle feministischen Themen angesprochen werden müssen. „Nicht mit uns! Der Silikon-Skandal“ ist ein Film, in dem es um etwas geht, das wirklich wichtig ist. Das hat Hannes Jaenicke sehr gut angeleiert."

Stephanie Krogmann, Sie spielen im Film Pornodarstellerin Micky, die sich für ihren Beruf für eine Brust-OP entschieden hat. Warum haben Sie sich entschlossen, die Rolle zu übernehmen?
Stephanie Krogmann: "Mich hat gereizt, dass Holger Haase diese Figur nicht nach den gängigen Klischees erzählen wollte. In Filmen wird den Frauen aus diesen Berufsgruppen oft nicht viel IQ zugeschrieben. Sie werden optisch hübsch herausgeputzt, mehr wird ihnen nicht zugetraut. Bei Micky hat mir gefallen, dass hinter den optischen Attributen eine sehr schlagfertige, intelligente, powervolle Frau mit großem Gerechtigkeitssinn und dem ganz normalen Traum von einer Familie steckt."

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